> Gedichte und Zitate für alle: Heinrich Heine-Lyrik- Einige Gedichte

2012-08-30

Heinrich Heine-Lyrik- Einige Gedichte

Bild Heinrich HeineHeinrich Heine ist einer der großen deutschen Lyriker dessen beste Werke neben den Gedichten Goethes bestehen können. Der 1797 in Düsseldorf geborene Heine ist in seinen jungen Jahren der Romantik zuzuordnen. Viele seiner Gedichte sind schlicht und einfach, jedoch voller Poesie und wurden vielfach vertont. Einige von ihnen sind zu echten Volksliedern geworden. Seine 1827 erschienenen Gedichte im  "Buch der Lieder" übten großen Einfluss auf die romantische Literatur in Deutschland aus. Als Beispiel für die romantische Periode im Schaffen von Heine an dieser Stelle das bekannte Gedicht "Die Lorelei".






Die Lorelei 


Ich weiss nicht, was soll es bedeuten, 
Dass ich so traurig bin; 
Ein Märchen aus alten Zeiten, 
Das kommt mir nicht aus dem Sinn. 

Die Luft ist kühl, und es dunkelt, 
Und ruhig fliesst der Rhein; 
Der Gipfel des Berges funkelt 
Im Abendsonnenschein. 

Die schönste Jungfrau sitzet 
Dort oben wunderbar, 
Ihr goldenes Geschmeide blitzet, 
Sie kämmt ihr goldenes Haar. 

Sie kämmt es mit goldenem Kamme 
Und singt ein Lied dabei; 
Das hat eine wundersame, 
Gewaltige Melodei. 

Den Schiffer im kleinen Schiffe 
Ergreift es mit wildem Weh; 
Er schaut nicht die Felsenriffe, 
Er schat nur hinauf in die Höh. 

Ich glaube, die Welllen verschlingen 
Am Ende Schiffer und Kahn; 
Und das hat mit ihrem Singen 
Die Lorelei getan. 


Aber Heine war nicht nur ein Dichter romantischer Gedichte sondern er kritisierte die gesellschaftliche Realität in Deutschland. Seine Werke wurden zensiert oder sogar verboten. Deswegen übersiedelte er 1831 nach Paris wo sich Heine eine größere Freiheit für sein Schaffen versprach.

Nachtgedanken 



Denk ich an Deutschland in der Nacht, 
Dann bin ich um den Schlaf gebracht, 
Ich kann nicht mehr die Augen schließen, 
Und meine heißen Tränen fließen. 

Die Jahre kommen und vergehn! 
Seit ich die Mutter nicht gesehn, 
Zwölf Jahre sind schon hingegangen; 
Es wächst mein Sehnen und Verlangen. 

Mein Sehnen und Verlangen wächst. 
Die alte Frau hat mich behext, 
Ich denke immer an die alte, 
Die alte Frau, die Gott erhalte! 

Die alte Frau hat mich so lieb, 
Und in den Briefen, die sie schrieb, 
Seh ich, wie ihre Hand gezittert, 
Wie tief das Mutterherz erschüttert. 

Die Mutter liegt mir stets im Sinn. 
Zwölf lange Jahre flossen hin, 
Zwölf lange Jahre sind verflossen, 
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen. 

Deutschland hat ewigen Bestand, 
Es ist ein kerngesundes Land, 
Mit seinen Eichen, seinen Linden, 
Werd' ich es immer wiederfinden. 

Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr, 
Wenn nicht die Mutter dorten wär; 
Das Vaterland wird nie verderben, 
Jedoch die alte Frau kann sterben. 

Seit ich das Land verlassen hab, 
So viele sanken dort ins Grab, 
Die ich geliebt -- wenn ich sie zähle, 
So will verbluten meine Seele. 

Und zählen muß ich -- Mit der Zahl 
Schwillt immer höher meine Qual; 
Mir ist, als wälzten sich die Leichen, 
Auf meine Brust -- Gottlob! Sie weichen! 

Gottlob! Durch meine Fenster bricht 
Französisch heitres Tageslicht; 
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen 
Und lächelt für die deutschen Sorgen. 


Als einer der ersten deutschen Dichter erkannte Heine die beginnende industrielle Revolution und sah das Elend der neu entstandenen Arbeiterklasse. Seine Bekanntschaft mit Karl Marx schärften seinen Blick. Als Beispiel das 1844 entstandene Gedicht "Die schlesischen Weber".

Die schlesischen Weber


  Im düstern Auge keine Träne
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt -
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!


Der ehemals romantisch dichtende Heine war ein Mensch mit politischen Überzeugungen und Ansichten geworden, dessen politische Lyrik, in seinem Schaffen bis zu seinem Tode 1856, einen breiten Raum einnehmen.




Lesen Sie auch:





      











1 Kommentar:

Kiat hat gesagt…

Für mich war und ist Heinrich Heine ein sehr politisch wirkender Dichter. Gut zusammengefasst hat dies Nancy Thuleen in: http://www.nthuleen.com/papers/141paper.html
Heine beeinflusste gewiss viele revolutionäre Kräfte. Umso zeitloser ist sein Werk.
Und in diesem Zusammenhang sehe ich eine Parallele zu Günter Grass, der auch "mit letzter Tinte" sehr politisch wurde, auch wenn er bei den Reaktionären dafür viel Kritik erfahren musste.