> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil 3 Anette-Droste von Hülshoff und Novalis

2012-12-27

Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil 3 Anette-Droste von Hülshoff und Novalis





Anette Droste von Hülshoff war eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen und eine respektable Komponistin. Sie wurde am 10.01.1797 auf der Burg Hülshoff bei Münster geboren und starb am. 24.05.1848 auf der Burg Meersburg in Meersburg.
Besonders ihre Balladen und die Novelle "Die Judenbuche" sind ein Dokumente ihrer großen schöpferischen Kraft. Die Judenbuche gilt als einer der bedeutendsten Novellen deutscher Zunge. Aber auch in ihrer Naturlyrik zeigte Anette Droste von Hülshoff ihr großes Können. Die Gedichte beweisen ein großes handwerkliches Können aber auch die Sensibilität der Dichterin. 
Großen Raum in ihren Schaffen nehmen religiöse Dichtungen ein und an dem Gedichtzyklus "das geistliche Jahr" arbeitete sie über 20 Jahre. Für besonders empfehlenswert halte ich ihre Naturlyrik, die zwar meiner Ansicht nach nicht die dichterische Höhe eines Eichendorff erreicht, aber sich durch tief empfundene Gefühle auszeichnet. 

Bild NovalisGeorg Phillipp Friedrich von Hardenberg (Novalis) gilt als der bedeutendste deutsche Schriftsteller der Frühromantik. Er wurde am 02.05.1772 auf Schloss Oberwiederstedt geboren und starb am 17.03.1801 in Weißenfels. Novalis verblieben nur wenige Lebensjahre um seine dichterischen Fähigkeiten in die Tat umzusetzen. Für diese kurze Lebensspanne hat Hardenberg beachtliches geleistet. Der Dichter hatte eine für seine Zeit außergewöhnliche Bildung auf den verschiedensten Gebieten wie Philosophie, Religion und Naturwissenschaften die in sein Werk einfloss..
Die bedeutendste Dichtung Hardenbergs sind "die Hymnen an die Nacht" die versuchen Leben und Tod aus romantischer Sicht zu beleuchten. 



Anette Droste von Hülshoff


Locke und Lied


Meine Lieder sandte ich dir,
Meines Herzens strömende Quellen,
Deine Locke sandtest du mir,
Deines Hauptes ringelnde Wellen;
Hauptes Welle und Herzens Flut,
Sie zogen einander vorüber;
Haben sie nicht im Kusse geruht?
Schoß nicht ein Leuchten darüber?

Und du klagest: verblichen sei
Die Farbe der wandernden Zeichen;
Scheiden thut weh, mein Liebchen, ei,
Die Scheidenden dürfen erbleichen;
Warst du blass nicht, zitternd und kalt,
Als ich von dir mich gerissen?
Blicke sie an, du Milde, und bald,
Bald werden den Herrn sie nicht missen.

Auch deine Locke hat sich gestreckt,
Verdrossen, gleich schlafendem Kinde,
Doch ich hab’ sie mit Küssen geweckt,
Hab sie gestreichelt so linde,
Ihr geflüstert von unsrer Treu’,
Sie geschlungen um deine Kränze,
Und nun ringelt sie sich aufs neu,
Wie eine Rebe im Lenze

Wenig Wochen, dann grünt der Stamm,
Hat Sonnenschein sich ergossen,
Und wir sitzen am rieselnden Damm,
Die Hand’ in einander geschlossen,
Schaun in die Welle und schaun in das Aug’
Uns wieder und wieder und lachen,
Und Bekanntschaft mögen dann auch
Die Locke und der Liederstrom machen.







Brennende Liebe


Und willst du wissen, warum
So sinnend ich manche Zeit,
Mitunter so töricht und dumm,
So unverzeihlich zerstreut,
Willst wissen auch ohne Gnade
Was denn so Liebes enthält
Die heimlich verschlossene Lade,
An die ich mich öfters gestellt?

Zwei Augen hab' ich gesehn,
Wie der Strahl im Gewässer sich bricht,
Und wo zwei Augen nur stehn,
Da denke ich an ihr Licht.
Ja, als du neulich entwandtest
Die Blume vom blühenden Rain,
Und »Oculus Christi« sie nanntest,
Da fielen die Augen mir ein.

Auch gibt's einer Stimme Ton,
Tief, zitternd wie Hornes Hall,
Die tut's mir völlig zum Hohn,
Sie folget mir überall.
Als jüngst im flimmernden Saale
Mich quälte der Geigen Gegell,
Da hört' ich mit einem Male
Die Stimme im Violoncell.

Auch weiß ich eine Gestalt,
So leicht und kräftig zugleich,
Die schreitet vor mir im Wald,
Und gleitet über den Teich;
Ja, als ich eben in Sinnen
Sah über des Mondes Aug'
Einen Wolkenstreifen zerrinnen,
Das war ihre Form, wie ein Rauch.

Und höre, höre zuletzt,
Dort liegt, da drinnen im Schrein,
Ein Tuch mit Blute genetzt,
Das legte ich heimlich hinein.
Er ritzte sich nur an der Schneide,
Als Beeren vom Strauch er mir hieb,
Nun hab' ich sie alle beide,
Sein Blut und meine brennende Lieb.






Novalis (Friedrich von Hardenberg)



Aus Hymnen an die Nacht


Hinüber wall ich,
Und jede Pein
Wird einst ein Stachel
Der Wollust sein.
Noch wenig Zeiten,
So bin ich los,
Und liege trunken
Der Lieb im Schoß.
Unendliches Leben
Wogt mächtig in mir
Ich schaue von oben
Herunter nach dir.
An jenem Hügel
Verlischt dein Glanz -
Ein Schatten bringet
Den kühlenden Kranz.
O! sauge, Geliebter,
Gewaltig mich an,
Daß ich entschlummern
Und lieben kann.
Ich fühle des Todes
Verjüngende Flut,
Zu Balsam und Äther
Verwandelt mein Blut -
Ich lebe bey Tage
Voll Glauben und Muth
Und sterbe die Nächte
In heiliger Glut.





Walzer


Hinunter die Pfade des Lebens gedreht
Pausiert nicht, ich bitt euch so lang es noch geht
Drückt fester die Mädchen ans klopfende Herz
Ihr wisst ja wie flüchtig ist Jugend und Scherz.

Laßt fern von uns Zanken und Eifersucht sein
Und nimmer die Stunden mit Grillen entweihn
Dem Schutzgeist der Liebe nur gläubig vertraut
Es findet noch jeder gewiss eine Braut.




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Bildquelle: Titelbild Peashooter / pixelio.de

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