> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Ballade Teil 2 Erlkönig von J.W.v.Goethe

2013-01-07

Die deutsche Ballade Teil 2 Erlkönig von J.W.v.Goethe

webende Frau



Die Ballade gehört zu den bekanntesten Schöpfungen Goethes und entstand 1782. Dargestellt wird das Verhältnis zur Natur jeweils aus der Sicht des Sohnes bzw. des Vaters.
Vorbild für die Ballade war die Übersetzung einer dänischen Volksweise die Herder vorgenommen hatte.  Allerdings ist unter Goethes Händen eine eigene Dichtung von hoher Kunstfertigkeit entstanden die nur noch in einigen Motiven an die eigentlich simple Vorlage erinnert. 
Die meisten Interpretationsversuche gehen davon aus das die Wahrnehmungen des Kindes Fieberphantasien sind, also Ausdruck einer Krankheit darstellen.
Auch erotische pubertierende Phantasien des Knaben sind ein oft genannter Erklärungsversuch um so die Verlockungsversuche Erlkönigs Töchter zu erklären. 
Wie bei allen großen Kunstwerken sind Interpretationen immer abhängig von der Zeit und den Standpunkt des Betrachters. Jeder Leser, Hörer von Musik oder Betrachter eines Bildes wird abhängig von seinen Erfahrungen oder seiner Lebenssituation eigene Erklärungen finden. Das ist letztlich auch der Grund dafür das wirkliche Kunst zeitlos ist und immer wieder neu interpretiert wird.
Am Ende der Seite finden Sie die Vorlage die Goethe nutzte um seinen Erlkönig zu gestalten. 



Erlkönig


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.



Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –



»Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«



Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –



»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«



Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –



»Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.«
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –



Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.





Erlkönigs Tochter

Johann Gottfried Herder

(1744 - 1803)

Herr Oluf reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitsleut;

Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.

»Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?
Tritt her in den Reihen und tanz mit mir.«

»Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeittag.«

»Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Zwei güldne Sporne schenk ich dir.

Ein Hemd von Seide so weiß und fein,
Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein.«

»Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeitstag.«

»Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenk ich dir.«

»Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;
Doch tanzen ich nicht darf noch soll.«

»Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch und Krankheit folgen dir.«

Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,
Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.

Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.
»Reit heim nun zu deine'm Fräulein wert.«

Und als er kam vor Hauses Tür,
Seine Mutter zitternd stand dafür.

»Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
Wie ist dein' Farbe blaß und bleich?«

»Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,
Ich traf in Erlenkönigs Reich.«

»Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich nun sagen deiner Braut?«

»Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,
Zu proben da mein Pferd und Hund.«

Frühmorgen und als es Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

»Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;
Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?«

»Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund,
Er probt allda sein Pferd und Hund.«

Die Braut hob auf den Scharlach rot,
Da lag Herr Oluf, und er war tot.




Lesen Sie auch:

Keine Kommentare: