> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil 6 (A.W.v.Schlegel und Friedrich Schlegel)

2013-01-04

Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil 6 (A.W.v.Schlegel und Friedrich Schlegel)






August Wilhelm Schlegel war als Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph tätig. Er und sein Bruder Friedrich gelten als Mitbegründer der deutschen Romantik. Er wurde am 08.09.1767 in Hannover geboren und starb am 12.05.1845 in Bonn.
August Wilhelm Schlegel gab zusammen mit seinem Bruder Friedrich die Zeitschrift "Athenäum" heraus und arbeitet an Schillers "Horen" mit.
Er verfasste Sonette, Balladen und Dramen die ohne größere Wirkung blieben und zum größten Teil vergessen sind. Sein Verdienste beruhen auf seine Arbeit als Übersetzer die von literaturhistorischer Bedeutung ist.





Friedrich Schlegel wurde am 10.03.1772 in Hannover geboren und starb am 12.01.1829 in Dresden. Friedrich Schlegel ist einer der bedeutendsten Vertreter der "Jenaer Frühromantik" . Ähnlich wie sein Bruder war er Philosoph, Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer. F.Schlegel beschäftigte sich mit den Werken von Herder, Goethe und Wieland und entwickelte später eine bedeutende Literaturtheorie. F.Schlegel gilt als einer der Begründer der modernen Geisteswissenschaften. Von literaturhistorischer Interesse ist sein Roman "Lucinde" (1799)






August Wilhelm von Schlegel


Die Stunde vor dem Abschiede


Aus deinen Augen sah ich Tränen fließen:
Unglücklicher! ich hatte sie erregt,
Von zärtlichem Verlangen hingerißen
Dein Innerstes zu ungestüm bewegt.

Es nahte schon des Abschieds bange Stunde,
Verschwunden dieser Tage kurzes Glück
Aus unserm, wie im Flug geschlossnen Bunde
Sahst du auf deinen öden Weg zurück.

O daß der Gram zerrüten soll mit Schmerzen
Der Wonne Sitz, den lieblich blühnden Leib!
Daß irgend wer zerrütend deinem Herzen
Mit Haß zu nah getreten, zartes Weib!

Laß deine Thräne sanft hinweg mich trinken
Laß mich sie trocknen mit gelinden Hauch!
Sieh schon sie hier in meinem Auge blinken:
O gieng' in mich dein Leiden über auch!

Dem Mann, der seinem Glücke stürmt entgegen,
Ziemt auch der Kampf mit feindlichem Verdruß;
Doch schonend sollte Ruh des Weibes pflegen,
Denn still erwartet sie der Freude Gruß.

Willst du mir deinen Schmerz im Kuße reichen?
Gern nähm' ich Herbes von so süßem Mund.
Der Kummer müßte dem Entzücken weichen,
Der Freundin Schmachten würd' in mir gesund.


Der Geliebten

Heil sei dir, Fried' und Wonne,
Alles, was mir gebricht!
Auch diese heitre Sonne
Hemmt meine Klage nicht.

Ich möchte dir nur leben,
Und ganz dein eigen sein.
Was hilft das eitle Streben?
Bin selber ja nicht mein.

Mich hält mein Los gebunden,
Wohl ist es mir bewußt;
Drum sind die flücht'gen Stunden
Nur qualenvolle Lust.

Du bist voll Lieb' und Milde,
In dir wohnt alle Huld.
Ich bin so wüst und wilde,
Und trägst mich mit Geduld.
Du solltest mich verbannen
Noch eh' die Stunde schlägt,
Die bald mich fern von dannen,
Von deinem Antlitz trägt.


Friedrich Schlegel


An eine Freundin in der Ferne

Oft seh' ich vor mir deine blauen Augen
Und täusche mich, vergessend daß du ferne.
Ich möchte Huld aus deinen Blicken saugen,
Versinke träumend in die dunkeln Sterne,
Und acht es nicht, dass andre wenig taugen,
Froh, wenn ich dein Gemüt vernehmen lerne;
Seh' ich dann um den Mund dein Lächeln schweben
So wünsch' ich heiter neben dir zu leben.


Das Rätsel der Liebe


Ob jugendlich der Dichter seine Trauer,
Von Herzen hingegossen, dar uns stellte,
Der alte Meister sie mit stiller Kälte
Im Steine ausgeprägt zu ew'ger Dauer;

Ein Feuer ist's, hier glühend warm, dort lauer,
So schrecklich licht des Daseins Nacht erhellte,
Wo Schönheit will, wie auch die Satzung schelte,
Enthüllen nur der eignen Sehnsucht Schauer.

Kein Schicksal kann den Fluch vom Zauber wenden,
Das Wunderkind erblasst noch auf den Stufen,
Begeistert muss des Helden Liebste enden;

So zeigen neu sich stets die alten Schmerzen,
Und keine Götter achten auf das Rufen,
Wo Liebe unbefriedigt klagt im Herzen.



Lesen Sie auch:





Bildquelle: Titelbild Peashooter / pixelio.de

Keine Kommentare: