> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil 7 Johann Wolfgang von Goethe

2013-01-06

Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil 7 Johann Wolfgang von Goethe





Goethe, der Schöpfer so vieler Meisterwerke in fast allen Gattungen der Literatur wurde am 28.08.1749 in Frankfurt/Main geboren und starb am 22.03.1832 in Weimar.
Aufgrund seines literarischen Schaffens,  das die Weltliteratur um viele Werke bereicherte, gilt Goethe in der Welt als ein Vertreter des geistigen Deutschlands. 
Sein lyrisches Werk steht in seiner Gesamtheit einsam in der deutschen Literaturgeschichte und nur wenige der großen deutschen Lyriker erreichen, in einzelnen ihrer lyrischen Produkte die Höhe seines Werkes. Goethes Gedichte sind vielleicht der Teil seines Werkes, die besonders bekannt und lebendig geblieben sind. Vertonungen berühmter und weniger bekannter Komponisten haben aus diesen Gedichten Volkslieder werden lassen. 








Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt. 
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen 
Die Welle steigt. 
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen, 
Wenn alles schweigt. 
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne, 
Du bist mir nah! 
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne. 
O wärst du da!


An die Entfernte

So hab ich wirklich dich verloren?
Bist du, o Schöne, mir entflohn?
Noch klingt in den gewohnten Ohren
Ein jedes Wort, ein jeder Ton.

So wie des Wandrers Blick am Morgen
Vergebens in die Lüfte dringt,
Wenn in dem blauen Raum verborgen
Hoch über ihm die Lerche singt;

So dringet ängstlich hin und wieder
Durch Feld und Busch und Wald mein Blick;
Dich rufen alle meine Lieder;
O komm, Geliebte, mir zurück!


Erwache, Friedericke

Erwache, Friedericke,
Vertreib die Nacht,
Die einer deiner Blicke
Zum Tage macht.
Der Vögel sanft Geflüster
Ruft liebevoll,
Daß mein geliebt Geschwister
Erwachen soll. 

Es zittert Morgenschimmer
Mit blödem Licht
Errötend durch dein Zimmer
Und weckt dich nicht.
Am Busen deiner Schwester,
Der für dich schlagt,
Entschläfst du immer fester,

Je mehr es tagt. 
Die Nachtigall im Schlafe
Hast du versäumt;
So höre nun zur Strafe,
Was ich gereimt.
Schwer lag auf meinem Busen
Des Reimes Joch;
Die schönste meiner Musen,
Du – schliefst ja noch.

An die Erwählte 

Hand in Hand! und Lipp auf Lippe!
Liebes Mädchen, bleibe treu!
Lebe wohl! und manche Klippe
Fährt dein Liebster noch vorbei;
Aber wenn er einst den Hafen,
Nach dem Sturme, wieder grüßt,
Mögen ihn die Götter strafen,
Wenn er ohne dich genießt. 

Frisch gewagt ist schon gewonnen,
Halb ist schon mein Werk vollbracht!
Sterne leuchten mir wie Sonnen,
Nur dem Feigen ist es Nacht.
Wär ich müßig dir zur Seite,
Drückte noch der Kummer mich;
Doch in aller dieser Weite
Wirk ich rasch und nur für dich. 

Schon ist mir das Tal gefunden,
Wo wir einst zusammen gehn
Und den Strom in Abendstunden
Sanft hinunter gleiten sehn.
Diese Pappeln auf den Wiesen,
Diese Buchen in dem Hain!
Ach, und hinter allen diesen
Wird doch auch ein Hüttchen sein.
Bildquelle: Titelbild Peashooter / pixelio.de

Keine Kommentare: