> Gedichte und Zitate für alle: Helau, Alaaf- Gedichte zum Fasching, Karneval und Rosenmontag Teil 2

2013-01-24

Helau, Alaaf- Gedichte zum Fasching, Karneval und Rosenmontag Teil 2



Karneval

 Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
 Hat einst der Karneval behagt, 
Besonders und zu allermeist
 In einer Stadt, die München heisst.

 Wie reizend fand man dazumal
 Ein menschenwarmes Festlokal, 
Wie fleißig wurde über Nacht 
Das Glas gefüllt und leer gemacht.

 Und gingen wir im Schnee nach Haus 
War grad die frühe Messe aus, 
Dann können gleich die frömmsten Frau'n 
Sich negativ an uns erbau'n

. Die Zeit verging, das Alter kam, 
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
 Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
 Die Sach' uns an, doch nur von fern 
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief) 
Durchs umgekehrte Perspektiv.

 Busch, Wilhelm
Karneval



Freudiger und lichter
Wird mir mit jeder Wiederholung
Dieses bunte Getümmel.
Wohltuend, befreiend,
Wirkt so die Torheit
Froh und ungestört geübt,
Sie löset und lüftet
Des Mißbehagens und Zürnens,
Der Bosheit, des Grolles
Tausendfältige verschlossene Ursachen.
Was Weisheit und Gesetz nicht vermag,
Die Religion selbst ohnmächtig bekämpft
Beschwichtigt der Taumel des erdichteten Wahnsinns.

 Und die schönen Larven
Hat Amor selbst erfunden,
Sie verstricken Aug' und Herz.
Die reizenden Gewänder, der freie Fuß,
Das schlanke volle Bein, der weiße Nacken
Und die verhüllten dunkeln Augen
Betören den Sinn.
Doch wieder ernüchtert
Erwacht die Seele vom Rausch,
Wenn am Abend
Die Schöne statt der Maske
Das eigne Antlitz zeigt
Der Reiz erstirbt, und die Alltäglichkeit
Spricht aus den ermüdeten Gestalten.

Ludwig Tieck
Fasching



Dieser Liebe toller Fasching,
Dieser Taumel unsrer Herzen,
Geht zu Ende, und ernüchtert
Gähnen wir einander an!

Ausgetrunken ist der Kelch,
Der mit Sinnenrausch gefüllt war
Schäumend, lodernd, bis am Rande;
Ausgetrunken ist der Kelch.

Es verstummen auch die Geigen,
Die zum Tanze mächtig spielten,
Zu dem Tanz der Leidenschaft;
Auch die Geigen, sie verstummen.

Es erlöschen auch die Lampen,
Die das wilde Licht ergossen
Auf den bunten Mummenschanz;
Auch die Lampen, sie erlöschen.

Morgen kommt der Aschenmittwoch,
Und ich zeichne deine Stirne
Mit dem Aschenkreuz und spreche:
Weib, bedenke, daß du Staub bist.




Heine, Heinrich

Berliner Fasching



Nun spuckt sich der Berliner in die Hände
und macht sich an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet sich von Anfang bis zu Ende
durch diese Faschingszeit.
Da hört man plötzlich von den höchsten Stufen
der eleganten Weltgesellschaft längs
der Spree und den Kanälen lockend rufen:
"Rin in die Eskarpins!"

Und diese Laune, diese Grazie, weißte,
die hat natürlich alle angesteckt;
die Hand, die tagshindurch Satin verschleißte,
winkt ganz leschehr nach Sekt.

Die Dame faschingt so auf ihre Weise:
gibt man ihr einmal schon im Jahr Lizenz,
dann knutscht sie sich in streng geschlossnem Kreise,
fern jeder Konkurrenz.

Und auch der Mittelstand fühlts im Gemüte:
er macht den Bockbierfaßhahn nicht mehr zu,
umspannt das Haupt mit einer bunten Tüte
und rufet froh: »Juhu!«

Ja, selbst der Weise schätzt nicht nur die hehre
Philosophie: auch er bedarf des Weins!
Leicht angefüllt geht er bei seine Claire,
Berlin radaut, er lächelt ...

Jeder seins.

Tucholsky, Kurt













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