> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil III Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

2013-02-15

Gedichte der deutschen Liebeslyrik Teil III Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau






Lob-rede an das liebwertheste frauen-zimmer

Hochwerthes jungfern-volck/ ihr holden anmuths-sonnen/
Ihr auserwehlter schmuck/ der hauß und gassen ziert.
Wer ist so steinern/ der euch nicht hat lieb gewonnen?
Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgeführt?
Wer ist so kühn/ der darff für eure augen treten/
Wenn ihr die waaren habt der schönheit ausgelegt?
Wer will euch/ liebste/ nicht als einen Gott anbeten/
Weil ihr das bildnis seyd/ das Venus selbst geprägt.
Jedoch ich will nur bloß ein theil von dem berühren/
Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn.
Der sinnen schiff soll mich in solche länder führen/
Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn.
Die brüste sind mein zweck/ die schönen marmel-ballen/
Auf welchen Amor ihm ein lust-schloß hat gebaut;
Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen/
 Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.
Sie sind ein paradieß/ in welchem äpffel reiffen/
Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst/
Zwey felsen/ um die stets des Zephirs winde pfeiffen.
Ein garten schöner frucht/ wo die vergnügung wächst.
Ein über-irrdisch bild/ dem alle opffern müssen.
Ein ausgeputzt altar/ für dem die welt sich beugt.
Ein crystallinen qvell/ aus welchem ströme flüssen/
Davon die süßigkeit den nectar übersteigt.
Sie sind zwey schwestern/ die in einem bette schlaffen/
Davon die eine doch die andre keinmal drückt.
Zwey kammern/ welche voll von blancken liebes-waffen/
Aus denen Cypripor die göldnen pfeile schickt.
 Sie sind ein zeher leim/ woran die sinnen kleben;
Ein feuer/ welches macht die kältste hertzen warm;
Ein bezoar/ der auch entseelten giebt das leben;
Ein solcher schatz/ für dem das reichthum selbst ist arm.
Ein kräfftig himmel-brod/ das die verliebten schmecken;
Ein alabaster-hauß/ so mit rubinen prahlt;
Ein süsser honigseim/ den matte seelen lecken;
Ein himmel/ wo das heer der liebes-sterne strahlt.
Ein scharff-geschliffen schwerd/ das tieffe wunden hauet/
Ein rosen-strauch/ der auch im winter rosen bringt.
Ein meer/ worauff man der Syrenen kräffte schauet/
Von denen der gesang biß in die seele dringt.
Sie sind ein schnee-gebürg/ in welchem funcken glimmen/
Davon der härtste stahl wie weiches wachs zerfleust.
Ein wasser-reicher teich/ darinnen fische schwimmen/
Davon sich sattsam ein verliebter magen speist.
Sie sind der jugend lust/ und aller kurtzweil zunder/
Ein krantz/ in welchem man die keuschheits-blume sieht.
Sie kürtzen lange zeit/ und stifften eitel wunder/
Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne blüht.
Sie sind ein runder sarg/ wo liebe liegt begraben/
Ein ditrich/ welcher auch des hertzens grund auffschleust/
Ein ort/ in dem nur lust will sitz und wohnstadt haben/
In dessen hölen milch und nectar häuffig fleust.
Zwey fässer/ welche sind mit julep-safft erfüllet/
Lockvögel/ derer thon ein freyes hertze bindt;
Zwey sonnen/ welche zwar mit dünnem flor umhüllet/
Doch macht ihr heller blitz die klärsten augen blind.
Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide/
Daran man sehen kan/ wie ieder faden steht/
Zwey hügel/ derer höh' bedecket ist mit kreide/
Zwey fläschgen/ denen nie der wollust milch entgeht.
Zwey brünne/ da nur stets gesunde wasser quellen/
Und wo die dürre nicht der adern marck aussaugt.
Zwey jäger/ welche zahm und wilde thiere fällen/
Wo keines wird verschont/ was nur zu fangen taugt.
 Zwey schnee-balln/ welche doch unmöglich schmeltzen können/
Womit das jungfern-volck der männer seelen schmeist.
Zwey aufgestelte garn/ und schlingen freyer sinnen/
Aus denen gar kein mensch/ wie klug er ist/ entreist.
Zwey kräme/ wo man huld und freundlichkeit ausleget/
Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn.
Zwey körb'/ in welchen man bloß marcipan feil träget/
Nach dessen süßigkeit die lippen lechsend schreyn.
Zwey thürme/ derer pracht von elffenbein vollführet/
Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig hält.
Zwey kleinod/ derer glantz der jungfern leiber zieret/
Wenn ihre freundligkeit den männern netze stellt.
Sie sind ein blasebalg/ ein feuer auffzufachen/
Das durch kein mittel nicht kan werden ausgelöscht.
Zwey bette/ wo rubin und marmel hochzeit machen/
Wo süsse mandel-milch der rosen scharlach wäscht.
Sie sind ein see-compas/ der hurtig rudern heisset/
Eh man in hafen der vergnügung wird gebracht.
Ein reiner thron/ auff dem der liljen silber gleisset/
Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht.
Ein werthes heiligthum/ das keusche lippen küssen/
Für dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt.
Ein meer/ aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen/
Ein bergwerck/ dessen grund zwey demant-steine zeigt.
Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken/
Darauff man sehen kan/ wo lieb- und lust-land liegt.
Ach schönste! glaubet mir/ ihr möget sie verstecken/
Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt
Orontes selbst bezeugt/ daß kein verbergen nutze/
Der brüste Pharos hat durch zart gewand geleucht.
Er ruht im liebes port ietzt unter ihrem schutze/
Wenn uns ein rauher sturm noch um die segel streicht.
Wol dem nun/ der wie er kan so vergnüget leben!
Den so ein weisser schild für wehmuths-wunden schützt!
Der seinem munde kan dergleichen zucker geben/
 Der so vergnügt/ wie er/ im liljen-garten sitzt!
Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen;
Der aus der brüste schacht rubin und demant gräbt.
Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen;
Der von der speiß und krafft der süssen äpffel lebt.
Dem so das glücke blüht/ den es so bruder nennet/
Dem eine runde brust kan pfühl und polster seyn.
Der in der liebsten schooß mit vollem zügel rennet/
Der seiner Venus so flößt liebes-balsam ein.

Vergänglichkeit der Schönheit.

Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen /
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand /
Der augen süsser blitz / die kräffte deiner hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen /
Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen /
Tilgt endlich tag und jahr als ein gemeines band.
Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden /
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden /
Denn opffert keiner mehr der gottheit deiner pracht.
Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen /
Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen /
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.





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