> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte um den Kuss und ums küssen. (3)

2013-02-02

Gedichte um den Kuss und ums küssen. (3)







Mahnung

So herzlich küsse jeden Kuss,
Als dächtest du, der letzte sei's,
O blicke jeden Blick so heiß,
Wie man beim Scheiden blicken muß!

Hängt Seel' an Seele noch so bang',
Die Stunde kommt der letzten Not!
Nahmst du nicht Abschied lebenslang,
Wie überlebtest du den Tod?

Paul von Heyse

Abends

Es ist ganz dunkel. Und die Küsse fallen
Wie heißer Tau im dämmernden Gemach.
Der Wollust Fackeln brennen auf und wallen
Mit roter Glut dem dunklen Abend nach.

Das Fieber jagt ihr Blut mit weißem Brand,
Daß sie sich halb schon seinem Durst gewährt.
Sie bebt auf seinem Schoß, da seine Hand
In ihrem Hemd nach ihren Brüsten fährt.

Hinten, im Vorhang, in der Dunkelheit
Steht auf das Bett, der Hafen ihrer Gier.
Wie Wolken auf dem Meere lagert breit
Darauf der Dunst von schwarzem Elixier.

Wie wird es sein? Sie friert in seinem Arm,
Der ihren nackten Leib hinüberträgt.
Es zittert auf in ihrem Schoße warm,
Um den er wild die beiden Arme schlägt.

Ihr blondes Haar brennt durch die Nacht, darein
Die tiefe Hand des feuchten Dunkels wühlt.
Der Sturm der Wollust läßt sie leise schrein,
Da seinen Biß sie in den Brüsten fühlt.

Georg Heym

Küsse, die man stiehlt im Dunkeln
Und im Dunkeln wiedergibt,
Solche Küsse wie beseelen
Sie die Seele, wenn sie liebt!

Ahnend und erinnrungsüchtig,
Denkt die Seele sich dabei,
Manches von vergangnen Tagen,
Und von Zukunft mancherlei.

Doch das gar zu viele Denken
Ist bedenklich, wenn man küßt; -
Weine lieber, liebe Seele,
Weil das Weinen leichter ist.

Heinrich Heine

Vollmondnacht

Herrin, sag, was heißt das Flüstern?
Was bewegt dir leis die Lippen?
Lispelst immer vor dich hin,
Lieblicher als Weines Nippen!
Denkst du deinen Mundgeschwistern
Noch ein Pärchen herzuziehn?

»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Schau! Im zweifelhaften Dunkel
Glühen blühend alle Zweige,
Nieder spielet Stern auf Stern;
Und smaragden durchs Gesträuche
Tausendfältiger Karfunkel;
Doch dein Geist ist allem fern.

»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Dein Geliebter, fern, erprobet
Gleicherweis im Sauersüßen,
Fühlt ein unglücksel'ges Glück.
Euch im Vollmond zu begrüßen.
Habt ihr heilig angelobet,
Dieses ist der Augenblick.

»Ich will küssen! Küssen! sag ich.«

j.W.v.Goethe

Mädchens Nachruf

Schwalben ziehen, Blätter fallen,
Und gesammelt liegt die Frucht:
Ach, mit meinen Freuden allen
Nahm auch er die rasche Flucht!

Unter niederm Hüttendache
Wohn ich, jener im Palast,
Doch aus fürstlichem Gemache
Trieb ihn Mut und Kampfeshast.

Als des Frührots erstes Tagen
Mich vom Traume heut erweckt,
War mit Dienern, Rossen, Wagen
Dieser ganze Raum bedeckt.

Und er kam im Jugendflore,
Hob sich auf sein Pferd im nu,
Bebend stand ich unterm Tore,
Sah dem schönen Reiter zu.

Und im leichten Morgenkleide
Trat zu ihm die Braut hervor,
Diesmal ohne Gold und Seide,
Doch wie er im Jugendflor.

Vor der Trennung nicht erschrocken,
Küßt' er noch ihr Stirn und Mund,
Bei den Lippen, bei den Locken
Schwur er den beglückten Bund.

Ritt mit Dienern und Vasallen,
Dankte meinem Gruße kaum:
Schwalben ziehen, Blätter fallen,
So zerfließt der Liebe Traum!

August Platten von Hallermünden



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