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2013-02-10

Gedichte zum Thema Frühlingsanfang, Frühling, Lenz Teil 3







Frühling läßt sein blaues Band

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Mörike, Eduard
Der Lenz mit Klang und roten Blumenmunden...

Der Lenz mit Klang und roten Blumenmunden,
Holdselge Pracht! wird bleich in Wald und Aue;
Tonlos schweift ich damals durchs heitre Blaue,
Hatt nicht das Glühn im Tiefsten noch empfunden.

Da sprach Waldhorn von überselgen Stunden,
Und wie ich mutig in die Klänge schaue,
Reitzt aus dem Wald die wunderschöne Fraue
O! Niederknien, erst Aufblühn ewiger Wunden!

Zu weilen, fortzuziehn, schien sie zu zagen,
Verträumt blühten ins Grün der Augen Scheine,
Der Wald schien schnell zu wachsen mit Gefunkel.

Aus meiner Brust quoll ein unendlich Fragen,
Da blitzten noch einmal die Edelsteine,
Und um den Zauber schlug das grüne Dunkel.

Joseph von Eichendorff
Der Lenz

Da kommt der Lenz, der schöne Junge,
den alles lieben muss,
herein mit einem Freudensprunge
und lächelt seinen Gruß;

und schickt sich gleich mit frohem Necken
zu all den Streichen an,
die er auch sonst dem alten Recken,
dem Winter, angetan.

Er gibt sie frei, die Bächlein alle,
wie auch der Alte schilt,
die der in seiner Eisesfalle
so streng gefangen hielt.

Schon ziehn die Wellen flink von dannen
mit Tänzen und Geschwätz
und spötteln über des Tyrannen
zerronnenes Gesetz.

Den Jüngling freut es, wie die raschen
hinlärmen durchs Gefild,
und wie sie scherzend sich enthaschen
sein aufgeblühtes Bild.

Froh lächelt seine Mutter Erde
nach ihrem langen Harm;
sie schlingt mit jubelnder Gebärde
das Söhnlein in den Arm.

Nikolaus Lenau
Lenz, wer kann dir widerstehn?

Jedem, außer an die Toten,
Sendet Frühling einen Boten,
Ein Gezwitscher aus den Lüften,
Eines Wölkchens helles Wehn,
Einer roten Knospe Springen,
Irgendein verstohlnes Düften
Oder ein verlornes Singen -
Lenz, wer kann dir widerstehn?

Durch das Wiesengrün, das linde
Wandr ich mit dem eignen Kinde
Und es kann an Murmelbächen
Nicht mit stummen Lippen gehn -
Wann die Knospen alle brechen,
Wollen Lippen sich entfalten,
Auf den jungen, auf den alten
Will ein kleines Lied entstehn.

Lieb und Lust und Leben saugen
Will ich aus den Kinderaugen,
In dem Blicke meiner Kleinen
Will ich nach dem Himmel spähn,
Ja, es ist das gleiche Scheinen,
Hier im Blauen, dort im Blauen,
Und das selbige Vertrauen -
Lenz, wer kann dir widerstehn?

Kuckuck ruft! Willst du erfahren
Deine Jahre, gläubge Seele?
Kuckuck ruft im Walde, zähle!
Neun und zehn und mehr als zehn...
Ei, das will ja gar nicht enden
Frühling schenkt aus vollen Händen -
Soll auf diesen blonden Haaren
Noch den Myrtenkranz ich sehn?...

Conrad Ferdinand Meyer
Schöner ist es wohl im Himmel

Schöner ist es wohl im Himmel,
Und ich möchte dort bei dir sein;
Aber wenn der Lenz herabkommt,
Hier dann solltest du bei mir sein.

Wenn der Himmel selbst im Frühling
Niedersteigt und wohnt auf Erden;
Warum willst du droben bleiben,
Warum willst du dann nicht hier sein?

Alles Schöne kommt vom Himmel
Mit dem Frühling, und du kommst nicht?
Seine Zierde wird er missen,
Denn du solltest seine Zier sein.

Friedrich Rückert
Frühlingsgruß

O so lasst euch froh begrüßen,
Kinder der verjüngten Au!
Euer Kelch soll überfließen
von des Nektars reinstem Tau!

Tauchen will ich euch in Strahlen,
mit der Iris schönstem Licht
will ich eure Blätter malen,
gleich Aurorens Angesicht.

In des Lenzes heiterm Glanze
lese jede zarte Brust,
in des Herbstes welkem Kranze
meinen Schmerz und meine Lust!

Friedrich von Schiller
Der Lenz ist da

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
Dann im Kalender und dann in der Luft,
Und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
Sich in die frischgewaschene Frühlingsluft.

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze?
Dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
Man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
Und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
Geblümte Kleid? ja, hat das Gott gewollt?

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid?
Die feine Dame senkt die Augenlider,
Der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.

Durch rau Gebrüll lässt sich das Paar nicht stören,
Ein Fußtritt trifft den armen Romeo?
Mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören...
Und das geht alle, alle Jahre so.

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
Stell mir den Kaffee auf den Küchentritt.?
Schon dröhnt mein Bass: Sabine, bine, bine...
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.

Kurt Tucholsky




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