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2013-02-01

Kussgedichte, Gedichte zum Thema küssen. (2)







Kuß

Auf die Hände küsst die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirn,
Auf die Wange Wohlgefallen,
Sel'ge Liebe auf den Mund;>
Aufs geschlossne Aug' die Sehnsucht,
In die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde,
Überall sonst die Raserei.

Franz Grillparzer

Lebewohl

Lebe wohl, lebe wohl, mein Lieb!
Muß noch heute scheiden.
Einen Kuß, einen Kuß mir gib!
Muß dich ewig meiden.

Eine Blüt, eine Blüt mir brich
Von dem Baum im Garten!
Keine Frucht, keine Frucht für mich!
Darf sie nicht erwarten.


Uhland




Nimmersatte Liebe


So ist die Lieb! So ist die Lieb!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr,
Und küssest ewig, ewig gar,
Du tust ihr nie zu Willen.

Die Lieb, die Lieb hat alle Stund
Neu wunderlich Gelüsten;
Wir bissen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küßten.
Das Mädchen hielt in guter Ruh,
Wie's Lämmlein unterm Messer;
Ihr Auge bat: nur immer zu,
je weher, desto besser!

So ist die Lieb, und war auch so,
Wie lang es Liebe gibt,
Und anders hat Herr Salomo,
Der Weise, nicht geliebt.


Eduard Mörike




Nächtlicher Gruß


In dieser dunklen Stunde
Der rings ergoßnen Nacht
Hab' ich bei euch die Runde
Zu Gruß und Kuß gemacht.
In eines Jeden Hause
Sprach ich getreulich vor,
Bis in des letzten Klause
Mein Geist sich ganz verlor.

Nun seid ihr längst versunken
In Schlaf und tiefen Traum,
Und schwingt euch ahnungstrunken
Hoch über Zeit und Raum.
Leicht glaubt ihr zu erstreben,
Was nie die Erde bot,
Und habt so doppelt Leben.
Für einen halben Tod.

Ich aber habe leise
Der Pforte mich genaht,
Die in die ew'gen Kreise
Euch aufgetan den Pfad,
Und all die stumme Trauer,
Die mir das Herz noch schwellt,
Umschwebt als letzter Schauer
Euch kalt aus dieser Welt.

Friedrich Hebbel

Der Kuß

Du Kleine, willst du gehen?
Du bist ein Kind!
Wie wolltest du verstehen,
Was Küsse sind?
Du warst vor wenig Wochen
Ein Knöspchen bloß,
Nun tut, kaum ausgebrochen,
Das Röslein gross!

Weil deine Wange röter
Als Apfel blüht,
Der Augen Blau wie Äther
Im Frühling glüht;
Weil deinen Schleier hebet,
Ich weiß nicht was,
Das auf und nieder bebet:
Das meinst du, das?

Weil kraus wie Rebenringel
Dein Haupthaar wallt,
Und hell wie eine Klingel
Dein Stimmchen schallt,
Weil leicht, und wie gewehet,
Ohn Unterlaß
Dein schlanker Wuchs sich drehet:
Das meinst du, das?

Ich sahe voll Gedanken
Durch junges Grün
In blauer Luft die blanken
Gewölkchen ziehn;
Da warfst du mich, du Bübin,
Mit feuchtem Strauß,
Und flohst wie eine Diebin
Ins Gartenhaus.

Nun sitz und schrei im Winkel,
Und ungeküsst,
Bis du den Mädchendünkel
Rein abgebüßt!
Ach gar zu rührend bittet
Dein Lächeln mich!
So komm, doch fein gesittet,
Und sträube dich!

Johann Heinrich Voß

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