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2013-02-08

Liebesgedichte von Gryphius und Günther Teil II








Andreas Gryphius



An eben Selbige.



Doch grünt die frische lieb, ob blum und baum erbleicht,
Die liebe, die sich mir in einem kranz verehret,
Dem bild der ewigkeit, die durch kein end auffhöret
Und keiner zeiten grimm, ja nicht dem tode weicht.
Ihr keuschestes gemüt, das reinem silber gleicht,
Mein licht! hat ihr geschenck mit perlen noch vermehret,
Die, wenn das rauhe saltz der wellen sich empöret,
Kein scharfer schlag der see, kein schäumend fleck- erreicht.
So bleibt ihr hoher geist doch rein in trüben schmerzen,
Ihr geist, den rechte treu aus unverfälschtem hertzen
Durch ihrer seuffzer west in meinen körper schickt.
Ich will zwar ihr gemüth aus dem geschencke schätzen,
Diß wort doch, das sie ließ auf dieses silber etzen,
Ist, was den krantz recht ziert und mich allein erquickt.

An Lucinden

Was ist der zarte Mund? ein Köcher voller Pfeile 
Durch die ein weiches Hertz biß in den Tod verletzt.
Recht wird der Augen Glanß Irrlichtern gleich geschätzt
Die manchen Geist verführt in nicht zu langer Weile.

Die wunderschönen Haar sind feste Liebes-Seile
Wer durch der Sternen Glantz nicht wird in euch verhetzt,
Wer sich den Lilien der Wangen widersetzt;
Muß doch gewertig sein daß ihn die Brust ereile.

So sprecht ihr und ist war wer voll von Zunder steckt
Wird leicht zu böser Lust  und eurer Lieb erweckt 
Man kann zu Glutt und Stro leicht Holtz und Schwefel finden.

Wer aber bey sich selbst was ihr für löblich acht
Eu'r mehr denn falsches Hertz' und schwartz Gemüt betracht:
Den  glaubt mir werdet ihr Lucinde nicht entzünden.

Johann Christian Günther


An seine Braut

Deine Schönheit, kluges Herze,
Ist kein schlecht und flüchtig Gut,
Das uns mit verbotnem Scherze
Zu den Sünden Vorschub thut,
Wenn sich unsrer Lüste Kraft
An geschminckter Haut vergaft.

Da ich dich recht kennen lerne,
Klag ich meine Torheit an,
Die bey manchem Unglückssterne
Mir die Augen aufgethan
Und die Blüthen junger Zeit
Mancher Delila geweiht.

Deine rein- und wahre Liebe
Macht den Anfang meiner Reu.
Packt euch fort, ihr bösen Triebe
Der verbuhlten Tyranney
Marianens Tugendglanz
Windet mir den Unschuldskranz.

Dies Gemüte soll auf Erden
Meines Ehstands Himmel sein
Und mir unter viel Beschwerden
Zuflucht, Rath und Trost verleihn,
Bis ihr treuer Abschiedskuß
Auch den Tod erleichtern muß.

Ach, was blüht mir vor ein Glücke,
Da mich so ein ehrlich Kind
Unter Feinden, Gram und Tücke
Sonder Eigennuz gewinnt;
Da sie mir den Schwur getan,
Fang ich erst zu leben an.

Nehmt, ihr Stunden, nehmt doch Flügel,
Nähert mir das holde Licht,
Das mir auf der Lippen Siegel
Völligen Besiz verspricht;
Melde dich, gewünschter Tag,
Da die Keuschheit scherzen mag.

Warte nur, du schöner Engel,
Mit gelaßner Zuversicht!
Hab ich als ein Mensch gleich Mängel
Hab ich doch die Falschheit nicht
Gottes Aug und meine Hand
Bürgen vor den Unbestand.

Sollt ich auch in schlechten Hütten
Mich um Salz und Brodt bemühn,
Wird der Umgang deiner Sitten
Dennoch mich zur Wollust ziehn;
Die Gesellschaft deiner Brust
Macht die gröste Noth zur Lust.

Meine Freundin, meine Taube,
Meine Schwester, ja mein Ich,
Liebe, leide, schweig und glaube,
Das Verhängnüß beßert sich,
Und sein Rathschluß krönt forthin
Kurze Qual mit viel Gewinn.

Von der Liebe

O Liebe,
Was vor innig-süße Triebe
Hegst du nicht in deiner Brust!
Würden doch nur die Verächter
Einmahl unsrer Wollust Wächter,
Schwör ich bey Amoenens Gunst,
Daß sie erstlich selbst nicht wüsten,
Ob der Himmel zeitlich sei,
Und darnach vor Scham und Reu
Nur vom Zusehn sterben müsten.
Das täten sie,
Das täten deine Triebe,
O Liebe

An Leonore


Schicke dich, geliebtes Kind,
In die unruhvollen Zeiten,

Dann und wann kan Sturm und Wind

Unverhoft in Hafen leiten.

Nun ist wohl niemand beßer dran,
Als wer getreu und klug und ewig lieben kann.




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Bildquelle: Titelbild Peashooter / pixelio.de

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