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2013-02-04

Liebesgedichte von Martin Opitz und Paul Flemming I








Martin Opitz

Der Edlen Schönheit Gaben
Fliehen fuß für fuß,
Daß alles was wir haben
Verschwinden muss.

Der Wangen Ziehr verbleichet
Das Haar wird greiß
Der Augen Feuer weichet
Die Brunst wird Eiß.

Das Mündlein von Corallen
Wird umgestalt
Die Händ’ als Schnee verfallen
Und du wirst alt.

Drumb laß uns jetzt geniessen
Der Jugend Frucht
Eh’ wir folgen müssen
Der Jahre Flucht.

Wo du dich selber liebest
So liebe mich
Gieb mir das wann du giebest
Verlier auch ich.
Ode

Wol dem der weit von hohen Dingen
Den Fuß stellt auf der Einfalt Bahn;
Wer seinen Muth zu hoch wil schwingen 
Der stöst gar leichtlich oben an.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich liebe meine Schäfferinn.

Ein hohes Schloß wird von den Schlägen
Deß starcken Donners mehr berührt;
Wer weit wil fellt oft auß den Wegen 
Vnd wird durch seinen Stoltz verführt.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich libe meine Schäfferinn.

Auff grosser See sind grosse Wellen 
Viel Klippen  Sturm vnd harter Wind:
Wer klug ist bleibet bey den Quellen 
Die in den grünen Wäldern sind.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich liebe meine Schäfferinn.

Hat Phyllis gleich nicht Gold vnd Schätze 
So hat sie doch was mir gefellt:
Wormit ich mein Gemüt’ ergetze 
Wird nicht erkaufft vmb Gut vnd Geldt.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich liebe meine Schäfferinn.

Man steth bei reicher Leute Pforte
Sehr offt  vnd kömpt doch selten ein:
Bey jhr bedarff es nicht der Worte;
Was jhr ist  ist nicht minder mein.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich liebe meine Schäfferinn.

Glentzt sie gleich nicht mit thewren Sachen 
So gläntzt doch jhrer Augen Liecht:
Gar viel muß Hoffart schöne machen 
Jhr schlechter Schein betreugt mich nicht.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich liebe meine Schäfferinn.

Ist sie gleich nicht von hohem Stande 
So ist sie dennoch auß der Welt:
Hat sie gleich keinen Sitz im Lande 
Sie selbst ist mir ein weites Feldt.
Ein jeder lobe seinen Sinn 
Ich liebe meine Schäfferinn.

Wer wil mag in die Lüften fliegen 
Mein Ziel erstreckt sich nicht so weit:
Ich lasse mich an dem begnügen
Was nicht bemüht vnd doch erfrewt 
Vnd lobe billich meinen Sinn 
Vnd meine schöne Schäfferinn.
Paul Fleming

Elsgens treues Herz

Ein getreues Herze wissen
hat des höchsten Schatzes Preis.
Der ist selig zu begrüßen,
der ein treues Herze weiß.
Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.

Läuft das Glücke gleich zu Zeiten
anders, als man will und meint,
ein getreues Herz' hilft streiten
wider Alles, was ist Feind.
Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.

Sein Vergnügen steht alleine
in des andern Redligkeit,
hält des Andern Not für seine,
weicht nicht auch bei böser Zeit.
Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.

Gunst, die kehrt sich nach dem Glücke,
Geld und Reichtum, das zerstäubt,
Schönheit lässt uns bald zurücke,
ein getreues Herze bleibt.
Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.

Eins ist da sein und geschieden.
Ein getreues Herze hält,
giebt sich allezeit zufrieden,
steht auf, wenn es niederfällt.
Ich bin froh bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.

Nichts ist süßers, als zwei Treue,
wenn sie eines worden sein.
Diß ists, das ich mich erfreue,
und sie giebt ihr ja auch drein.
Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
denn ich weiß ein treues Herze.
Wie er wolle geküsset sein

Nirgends hin als auf den Mund,
Da sinkts in des Herzen Grund.
Nicht zu frei, nicht zu gezwungen,
Nicht mit gar zu fauler Zungen.

Nicht zu wenig, nicht zu viel,
Beides wird sonst Kinderspiel.
Nicht zu laut und nicht zu leise,
Bei der Maß´ ist rechte Weise.

Nicht zu nahe, nicht zu weit;
Dies macht Kummer, jenes Leid,
Nicht zu trucken, nicht zu feuchte,
Wie Adonis Venus reichte.

Nicht zu harte, nicht zu weich
Bald zugleich, bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam, nicht zu schnelle,
Nicht ohn Unterschied der Stelle.

Halb gebissen, halb gehaucht,
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten,
Mehr alleine, denn bei Leuten.

Küsse nun ein jedermann,
Wie er weiß, will, soll und kann!
Ich nur und die Liebste wissen,
Bildquelle: Titelbild Peashooter / pixelio.de

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