> Gedichte und Zitate für alle: Trauergedichte und Sprüche T 3 (Geibel, Fontane, Goethe)

2013-02-18

Trauergedichte und Sprüche T 3 (Geibel, Fontane, Goethe)








Auferstehung

Wenn einer starb, den du geliebt hienieden,
So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe,
Dass ernst und still es sich mit dir ergehe
Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.
Da fühlst du bald, dass jener, der geschieden,
Lebendig dir im Herzen auferstehe;
In Luft und Schatten spürst du seine Nähe,
Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden.
Ja, schöner muss der Tote dich begleiten,
Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein,
Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten.
Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein
Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten;
Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

Emanuel Geibel
Ausgang

Immer enger, leise, leise,
Ziehen sich die Lebenskreise,
Schwindet hin, was prahlt und prunkt,
Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
Und ist nichts in Sicht geblieben
Als der letzte dunkle Punkt.

Theodor Fontane
Wandrers Nachtlied

Über allen Gipfeln
ist Ruh.
In allen Wipfeln
spürest du
kaum einen Hauch;
die Vöglein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
ruhest du auch.

Johann Wolfgang von Goethe
Ein ewig Rätsel ist das Leben,
und ein Geheimnis bleibt der Tod.

Emanuel Geibel
Der Tod

Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
Und die Stunde schlägt.

Matthias Claudius
"Es weht der Wind ein Blatt vom Baum, von vielen Blättern eines, dies eine Blatt, man merkt es kaum, denn eines ist ja keines. Doch dieses Blatt allein, war Teil von unserem Leben, drum wird dies Blatt allein, uns immer wieder fehlen."

Rainer Maria Rilke
Laß das Trauern

Laß, mein Herz, das bange Trauern
um vergangnes Erdenglück,
ach, von diesen Felsenmauern
schweifet nur umsonst der Blick.

Sind denn alle fortgegangen:
Jugend, Sang und Frühlingsluft?
Lassen scheidend nur Verlangen
einsam mir in meiner Brust?

Vöglein hoch in Lüften reisen,
Schiffe fahren auf der See;
ihre Segel, ihre weisen
mehren nur des Herzens Weh.

Ist vorbei das bunte Ziehen,
lustig über Berg und Kluft,
wenn die Bilder wechselnd fliehen,
Waldhorn immer weiter ruft?

Soll die Lieb auf sonn’gen Matten
nicht mehr baun ihr ihr prächtig Zelt,
übergolden Wald und Schatten
und die weite, schöne Welt? -

Laß das Bangen, laß das Trauern,
helle wieder nur den Blick!
fern von dieser Felsen Mauern
blüht dir noch gar manches Glück!

Joseph Freiherr von Eichendorff
"Und am Ende meiner Reise
hält der Ewige die Hände
und er winkt und lächelt leise -
und die Reise ist zu Ende."

Matthias Claudius
Eines Morgens wachst Du nicht mehr auf.
Die Vögel singen, wie sie gestern sangen.
Nichts ändert diesen neuen Tageslauf.
Nur Du bist fortgegangen.
Du bist nun frei und unsere Tränen wünschen Dir Glück.

J. W. Goethe
Du stirbst im Herzen nicht!

Du bist ein Schatten am Tage, Und in der Nacht ein Licht; du lebst in meiner Klage, und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage, da wohnst du bei mir dicht; du bist mein Schatten am Tage, und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach dir frage, find' ich von dir Bericht, du lebst in meiner Klage, und stirbst im herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage, doch in der Nacht ein Licht; du lebst in meiner Klage, und stirbst im Herzen nicht.

Friedrich Rückert
Der Tod

Gib deine Hand, du schon und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

Matthias Claudius
"Es war, als hätt' der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müßt'. Und meine Seele ..."

Joseph von Eichendorff



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