> Gedichte und Zitate für alle: Adolf Glaßbrenner Satirische Gedichte Teil 14

2013-03-19

Adolf Glaßbrenner Satirische Gedichte Teil 14








Die Sternschneuzen



Und das ist ja durch's ganze Land
Beim Buben und der Maid bekannt,
Daß, wenn ein Stern vom Himmel fährt,
Was schnell man wünschte, wird erhört.

Da wünscht sich nun beim Sternenglanz:
Das Gretchen bald den Myrthenkranz;
Kaum ist der junge Tag heran,
Da hält ihr Liebster um sie an!

Der eine wünscht sich Glanz und Pracht
Der and're eine süße Nacht,
Der Dritte wünscht sich Dies und Das,
Und Allen wurd's erfüllet baß.

Nur der dies Liedel hat erdacht,
Dem hat es nicht so gut gemacht;
Dem wurde bis auf diese Stund,
Noch keinerlei Erhörung kund.

Denn jüngst zur Nacht da schneuzt es sehr,
Die Sterne flogen hin und her!
Da rief er: Deutschland, schneuze dich
Auch du ein Mal recht ordentlich!

Die Hand auf's Herz!



 Warum legt wohl in diesem Bilde
Der König auf das Herz die Hand?
Die Hand auf's Herz! nie hat's geschlagen
Für dieses arme Volk und Land.

Die Hand auf's Herz! Er kennt die Wunde,
Die er dem guten Reiche schnitt;
Er sieht die traurigen Finanzen,
Und so deckt er das Defizit. –

Die Raupe




Die Raupe auf dem Baume saß,
Und von der Kron' die Blätter fraß –
Ja ja!
Sie war im bunten Kleide,
Als wie von Sammt und Seide,
Ha ha ha ha ha ha!

Ein Staatsminister ging vorbei,
Der sah das Tier und sprach: Ei ei!
Ja ja!
 Wie konnt' es ihr gelingen?
'S geht nicht mit rechten Dingen!
Ha ha ha ha ha ha!

Du unbehülflich dummes Tier!
Ich wundre mich, drum sage mir:
Ja ja!
Wie hast du's unternommen,
Und bist so hoch gekommen?
Ha ha ha ha ha ha!

Und als die Raupe blieb nicht stumm,
Da wurd' er rot und dreht sich um.
Ja ja!
Die Raupe hat gesprochen:
Mein Freund, ich bin gekrochen!
Ha ha ha ha ha ha!

Muckerlied

 Tagtäglich zehn Mal beten,
Und Bibelsprüch' im Maul,
Sonst hab' ich Nichts vonnöthen,
Bin ganz erschrecklich faul.
Ich war ein armer Schlucker,
Hatt' kaum das liebe Brot,
Da wurde ich ein Mucker:
Nun hat es keine Not!

Bei jeder neuen Sitzung,
Die unsre Bande hält,
Da wird mir Unterstützung
Durch baares, blankes Geld.
Daß ich bin fromm geworden,
Hat mir doch sehr gefrommt!
Vielleicht daß noch ein Orden
Mir in das Knopfloch kommt.

Den Kopf gesenkt zur Erde
Geh' ich des Morgens aus,
Mit heuchelnder Gebärde
Tret' ich in's Kaffeehaus,
Trink' Wasser dort mit Zucker
Und werbe Fromme an:
Kein Mensch ahnt, was ein Mucker
Zu Hause saufen kann!

Zu hohem Zins verleih' ich,
Was ich beim Muckern spar',
 Und meine Seele weih' ich
Herrn Jesu immerdar,
Und den Gewinn notier' ich
Im frommen Liederheft,
Auf diese Weise führ' ich
In Frieden mein Geschäft.

Des Abends im Theater
Sitz' ich mit gierem Sinn,
Und schmunzle wie ein Kater
Nach jeder Tänzerin;
Mit meinem Operngucker
Schau' ich nach Wad' und Brust;
Ach lieber Gott! ein Mucker
Hat auch so seine Lust!

Dann schleich' ich still zur Klause,
Da, wo mich niemand sieht,
Und nach dem Abendschmause
Sing' ich ein frommes Lied,
Recht laut: von heil'ger Stätte,
Von Jesu, Glanz und Thron!
Da weile macht mein Bette
Die kleine Köchin schon.

Ich preise die Regierung,
Ich finde Alles gut;
Ich fluche der Verführung
Durch jetz'ge Freiheitsbrut;
So leb' ich armer Schlucker
Ganz heiter, Gott sei Dank!
Und das Geschäft als Mucker
Treib' ich mein Lebenlang.

Der gelehrte Kater

 Ein Kater sitzt vor'm dicken Buch
Die Brille auf der Nase;
Man sieht's, er denkt gewaltig klug
Ob einer dunklen Phrase.
Er zieht die Stirne kraus und krumm,
Legt sie in hundert Falten;
Es geht ihm viel im Kopf herum,
Denn er studiert die Alten.

Die schönsten Frauchen schleichen dort
Am stillen Schornsteinplatze;
 Wie sie miauen fort und fort:
Er liebt nicht eine Katze!
Lieb', Freundschaft, Schönheit prallen ab
Von seiner Brust, der kalten;
Sein Inn'res ist ein weites Grab,
Drinn spucken nur die Alten.

Er wäscht sich nicht, er kämmt sich nicht;
Er bleibt in seinem Schmutze:
Was scheert mich mein gemein Gesicht,
Wenn ich die Seele putze!
So schnurrt den Muhmen er Bescheid,
Die ihren Vetter schalten:
Was brauch' ich eure Sauberkeit
Im Schattenreich der Alten!

Komm' mit! sagt ihm sein Kamerad,
Hier nebenan im Häuschen,
Da schmausen wir ganz delikat,
Da gibt's die fett'sten Mäuschen!
Der Kater wirft zwar einen Blick
Durch seines Bodens Spalten,
Doch zieht er sich sogleich zurück
Und hungert bei den Alten.

Der König seines Vaterlands,
Das ist ein arger Sünder;
Die Bürger all' des Katerlands
Sie schreien wie die Kinder.
Das ganze Reich ist voll Miaus
Ob des Tyrannen Walten:
Der Kater macht sich gar Nichts draus,
Denn er ist bei den Alten.

Die Feinde dringen in das Land,
Die großen Metzgerhunde;
Von jeder Mauer, jeder Wand
Hört man die Schreckenskunde;
Man zieht die Krallen vor, um
Wauwauer abzuhalten!
Nur einer, das gelehrte Vieh,
Bleibt ruhig bei den Alten.

Im ganzen Reiche rundherum
Murrt man von ihm am Schlimmsten;
So manchen Kater nennt man dumm,
Doch ihn den Allerdümmsten:
Er lachte, sang und liebte nie,
Wenn wir die Lust umkrallten;
So laßt denn das gelehrte Vieh
Verfaulen bei den Alten!

Er starb. Kein Kater, keine Katz'
Hat kläglich drob miauet;
Im Gegentheil: sein Studienplatz
Ward ekelhaft besauet.
 Sein Wissen, das mit ihm verscharrt,
Schrien sie, er mag's behalten!
Wir leben in der Gegenwart
Und schnurren auf die Alten!

Variationen zum Leierkasten

 Guter Mond, du gehst so stille
über Deutschlands Fluren hin
Vetter Michel rückt die Spille,
Greift sein Weibchen unter's Kinn;
Nimmt das Amtsblatt, streckt die Glieder
Und spricht gähnend: 's ist schon Zehn
Morgen kochst du Klöße wieder;
Laß' uns jetzt zu Bette gehn.

Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Doktor Bos legt ab die Brille,
Denkt des Tages Hochgewinn;
Einer Ode von Horazen
Gab er neuen Kommentar;
Froh bringt er, nach den Strapatzen,
Morpheus nun sein Opfer dar.

Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Vor der alten Hauspostille
Sitzt die fromme Kupplerin;
Von Theater-Liebsgeschichtchen
Kehret heim der Intendant;
Drüben ist das Dreierlichtchen
Beim Studenten abgebrannt.

Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Des Ministers letzter Wille
Zeugt von höchst loyalem Sinn:
Hundert Schriften sind verboten,
Sagt das neue Abendblatt;
Auch find't künftighin bei Toten
Nur zensiertes Reden Statt.

Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Seine Durchlaucht liest Pasquille
Auf Höchst Ihre Buhlerin;
Dafür macht er null und nichtig,
Was die Stände woll'n und thun;
Denkt noch der Parade flüchtig,
Und geruhet dann zu ruhn.

Guter Mond, du gehst sehr stille
Über's stille Deutschland hin!
 Zirpen hört man schon die Grille;
Stumm ist jeder Lebenssinn.
Selbst die Orgeltöne rasten,
Weil ihr Herr nicht drehen will,
Und der deutsche Leierkasten
Steht auf ein'ge Stunden still.




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