> Gedichte und Zitate für alle: Bergbau in Ilmenau

2013-03-04

Bergbau in Ilmenau


Bergbau in Ilmenau


Stadtgeschichte

Im Tal der Ilm, in landschaftlich reizvoller Umgebung, liegt die Goethe- und Universitätsstadt Ilmenau. Diese am Nordrand des Thüringer Waldes gelegene Stadt wird im Jahr 1273 erstmalig urkundlich erwähnt. Damals gehörte Ilmenau zur Grafschaft Käfernburg und wurde 1343, nachdem man bereits 1341 das Stadtrecht erhalten hatte, an die Grafen von Henneberg verkauft. Im Jahr 1583 kam Ilmenau an das Haus Sachsen und im Jahr 1661 der für die Zukunft wichtige Übergang zum Haus Sachsen-Weimar,(Bergbau unter der Leitung J.W.v.Goethe) wo es bis 1918 verblieb. Ilmenau gehört seit 1920 zum Land Thüringen und von 1922-1952 zum Landkreis Arnstadt. Als 1952 der Kreis geteilt wurde entstand der Kreis Ilmenau. 1994 fusionierten beide Kreise und der Ilm-Kreis, mit Verwaltungssitz in Arnstadt, wurde aus der Taufe gehoben.


Ilmenau
Ilmenau
J.Lindner
Blick auf Ilmenau
Ilmenau von Oehrenstock aus gesehen
J.Lindner

















Das wirtschaftliche Gesicht Ilmenaus wurde Jahrhunderte lang vom Erzbergbau geprägt. Jedoch auch andere Industriezweige, teils mit langer Tradition, konnten in der Stadt Fuß fassen. Bis in das Jahr 1777 reicht die Herstellung von Porzellanerzeugnissen zurück. Das Porzellanwerk Henneberg hatte 1930 etwa 2000 Beschäftigte und im Jahr 1980 waren cirka 3000 Menschen dort beschäftigt. Nach dem politischen Wechsel wurde das Werk unrentabel und die Schließung im Jahr 2002 trug zu der hohen Arbeitslosigkeit von derzeit 14,7% bei. Allerdings siedelten sich auf dem ehemaligen Werksgelände wieder porzellanproduzierende Unternehmen an. Von weiterer Bedeutung für die wirtschaftliche Kraft der Region ist die Glasherstellung die seit 1852 in Ilmenau beheimatet ist. Spezialisiert war und ist die Glasindustrie auf die Herstellung von Messgeräten und Glasinstrumente. Von den ehemals 4000 Mitarbeitern, die in diesem Industriezweig beschäftigt waren, sind heute noch 600 Menschen in dieser Branche tätig. Vorrübergehende Bedeutung erreichte die Spielzeugindustrie die 1929 der Konkurrenz aus Franken erlegen ist. Seit dem Jahr 1990 sind um Ilmenau mehrere Gewerbegebiete entstanden die teilweise jedoch nicht voll ausgelastet sind. Das größte von ihnen ist das Gewerbegebiet am Vogelherd das seit 1973 existiert.

Ilmenau
J.Lindner

Die Liste der Persönlichkeiten die in der Stadt tätig waren oder lebten ist lang und reicht bis in die Gegenwart. An erster Stelle steht hier natürlich J.W.v.Goethe dessen Rolle als Beauftragter des Herzogs Karl-August für Bergbau an anderer Stelle näher beleuchtet werden wird. Goethes Verbundenheit zu Ilmenau kommt in mehren Äußerungen des Dichters zum Ausdruck. Nicht zuletzt entstand hier auf den Kickelhahn das bekannte Gedicht:

Über allen Gipfeln
ist Ruh;
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum ein Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur!Balde
Ruhest du auch.

Karl-Ludwig von Knebel und Johann Peter Eckermann lebten oder arbeiteten in Ilmenau.

Bekannte Sportler wie die Rennrodler Wolfram Fiedler oder der Biathlonsportler Peter Sendel waren in Ilmenau beheimatet. An Politikern seien genannt Claudia Nolte, Dagmar Schipanski oder der ehemalige Oberbürgermeister von Erfurt Manfred Ruge.

Ein Stadtbrand 1752 zerstörte die Stadt fast vollständig. Daher sind alle Gebäude des kleinen Altstadtkerns in spätbarocken Stil gebaut. Sehenswert ist das Rathaus das auf den Ruinen des Vorgängerbaus errichtet wurde und dessen Portal und ein Erker den Brand überstanden. Das Amtshaus diente den Herzögen von Weimar als Residenz und auch Goethe war hier einigemale zu Gast. Das Stadtmuseum ist seit 1910 im Amtshaus untergebracht und zeigt Ausstellungsstücke zu den Themen Goethe, Bergbau, Glas und Porzellan. Der Ilmenauer Friedhof besteht aus einen historischen und einen „normalen“ Teil. Die Goetheschauspielerin Corona Schröter hat ihre letzte Ruhestätte. Die Stadtkirche ist ein spätbarocker Bau und beherbergt die größte Orgel Thüringens.
Außerhalb der Stadt befindet sich das Zechenhaus. Es ist ein Bau von 1730 und somit das älteste Gebäude von Ilmenau. Die daneben stehende Bergmannskapelle diente den Bergleuten als Gebetsstätte bevor sie einfuhren.

Geologie und Metallogenese

Der Thüringer Wald und das Thüringer Schiefergebirge stellen eine geschlossene Massenerhebung dar. Seine größten Höhen erreicht der Thüringer Wald mit dem "Großen Beerberg"(982m) sowie dem benachbarten "Schneekopf" (978m) im zentralen Teil bei Oberhof.

In der erdgeschichtlichen Entwicklung kommt es in Thüringen zur Konzentration von Erzen sowie nutzbaren Begleitmineralien wie z.b. Baryt und Fluorit. Erzbildungen an der Erdoberfläche sind vom Jungproterozoikum bis zum Dinant an marine bzw. küstennahe Verhältnisse gebunden. (oolithische Eisenerze , pyrithaltige Schwarzschiefer). Durch oxydative Zerstörrung der Gesteine im Siles-Unterperm wird die Vorraussetzung für spätere Erzbildungsprozesse geschaffen. Jedoch entstehen in dieser Zeit schon Erzkonzentrationen. Durch die Zerstörrung goldhaltiger Sulfide entstehen die alten Goldquarzgänge des Thüringer Schiefergebirges. In Störungszonen wird durch den Ab-und Wiederaufstieg von Verwitterungslösungen meist gangförmiges Eisen bzw. Manganerz angereichert.

In präzechsteinlichen Gesteinen sind viele Stellen bekannt in denen gangförmige oxidische Eisen bzw. Manganerzanreicherungen vorkommen. Die Eisen bzw. Manganerze sind meist voneinander getrennt und bilden seperate Vorkommen. Das Haupteisenerz ist Hämatit das meist in Verbindung mit Quarz, Baryt oder Fluorit auftritt. Diese Vorkommen waren der Anlass zu teilweise intensiven Bergbau z.b. bei Arlesberg, Friedrichroda oder in Oehrenstock bei Ilmenau.

Bei den postvariszischen Kupfer-Blei-Zink-Silbererzen sind 2 Typen zu unterscheiden. Einmal sind das imprägnative Schwermetallsulfidanreicherungen die von gangförmigen Vorkommen zu unterscheiden sind.

Der frühere Kupferschieferabbau in Thüringen fand meist in der Nähe von Gängen oder an steilgestellten Flügeln statt. Die alten Kupferbergbaue am Nordrand des Thüringer Waldes ziehen sich von Mosbach-Catterfeld bis Ilmenau und mit größeren Unterbrechungen von Königsee, Saalfeld bis Pößneck bei Gera.

Allgemeine Bemerkungen zum Bergbau in Ilmenau

Die Bergbautätigkeit in Ilmenau kann in 3 Hauptperioden beschrieben werden. Das bietet sich an da durch Katastrophen oder durch wirtschaftlichen Mißerfolg die Aktivitäten meist für Jahrzehnte zum erliegen kamen. Dabei muß unterschieden werden zwischen den Bergbau in Ilmenau (Kupferschiefer) und den benachbarten Orten. Zur Orientierung und zum besseren Verständnis nachfolgender Kapitel erfolgt hier eine zeitliche Aufstellung :

1. Erste Hauptperiode des Ilmenauer Bergbaues 1200-1626 (Kupferschiefer)
2. Zweite Hauptperiode 1680-1739
3. Dritte Hauptperiode 1776-1812

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt geht der Bergbau in Ilmenau bis um das Jahr 1200 zurück. Im Jahr 1216 wurde Graf Poppo v. Henneberg durch Friedrich den II mit dem Bergregal belehnt. Damals hatte man vererztes steilstehendes Kupferschiefer bei Roda und auf der Sturmheide entdeckt. Vermutlich waren einzeln schürfende Bergleute belehnt wurden die gemäß der Bergbaufreiheit Kupferschiefer und Sanderz abbauten. Dies wird allgemein als der Beginn der ersten Hauptperiode des Ilmenauer Bergbaus bezeichnet. Abgebaut wurde das Erz in kleinen Tagebauen bis in eine Tiefe von maximal 50m.

Mit der Herausbildung frühkapitalistischer Verhältnisse zur Wende vom 15. zum 16Jh. erlebte der Bergbau eine neue Blütezeit. 1471 beantragten Erfurter Bürger, und erhielten, das Bergbaurecht für die Sturmheide. In den kommenden Jahrzehnten ist in Ilmenau eine Stetigkeit des Bergbaus zu verzeichnen. 1478-80 wurde eine Kupferhütte errichtet und 1503 planten die Fugger eine weitere in Betrieb zu nehmen.

In technischer Hinsicht befand sich Ilmenau auf der Höhe der Zeit. Die Beseitigung von zufließenden Grundwasser bereitete den damaligen Technikern die größten Schwierigkeiten. Aus diesem Grund standen zb. 1535 die Gruben still. Um das Problem zu lösen wurden aus benachbarten Tälern Stollen vorgetrieben um dem Grundwasser Abfluß zu verschaffen. In Ilmenau wurde ein Stollen vom Ilmtal aus, und ein weiterer, zwischen Roda und Elgersburg vorgetrieben. Die Stollen sicherte den Gruben einen Wasserabfluß bis in eine Tiefe von 30m.

Für die Hebung des Grundwassers an der Sturmheide setzte man wasserradbetriebene (Kunstgezeug)e ein. Das waren Kolbenpumpen die das Wasser zueinander zuhoben und durch ein gemein sames Gestänge betrieben wurden. Diese Technik fand ab 1624 auf der Sturmheide Verwendung.

Bergbau Mittelalter
Werkzeuge des Mittelalters
In Stützerbach und Manebach legte man 3 Teiche an um genügend Aufschlagwasser für den Betrieb der Wasserräder zu gewinnen. Zwischen Ilmenau und Manebach wurde der untere Berggraben in einer Länge von 4,5km angelegt. Mit großen Aufwand wurde 1591 der Lauf der Ilm verändert, womit man das einsickern von Grundwasser zu verhindern suchte.

Im Jahr 1592 begann man mit den Bau des Martinroder Stollens der erst nach Unterbrechung 1717 entgültig abgeschlossen wurde. Er sollte die Frischluftversorgung verbessern und die Transportwege verkürzen. Pro Woche konnte man diesen Stollen um 25cm, also 12m im Jahr vorrantreiben. Die Kosten beliefen sich auf 60.000Tsd. Gulden und wurden durch verschiedene Geldgeber finanziert.
Wegen Mißwirtschaft und Kriegswirren blieb der Stollenbau liegen und konnte erst später fortgesetzt werden. Obwohl die Erträge der Gruben insgesamt profitabel waren endete um 1626 die erste Periode des Ilmenauer Bergbaus.

Nachdem ein Ohrdrufer Unternehmer 1673/74 einen vergeblichen Bergbauversuch unternommen hatte beschlossen der Herzog v. Sachsen/Weimar und der Herzog v. Sachsen/Gotha die Bergbautätigkeit in Ilmenau wieder aufzunehmen. Im Auftrag der Herzöge besichtigten am 04.06.1680 Sachverständige die Gruben der Sturmheide und von Roda. Hiermit beginnt ein neues Kapitel des Bergbau von Ilmenau das als die 2. Hauptperiode bezeichnet wird.

War der Bergbau in technischer Hinsicht den anderen Revieren durchaus ebenbürtig so gab es doch einen entscheidenden Unterschied der den wirtschaftliche Mißerfolg in dieser Zeit begründet. Dieser Unterschied ist in der Führung des Unternehmens zu suchen. Es wurden Beamte eingestellt die keinerlei Bezug zum Bergbau hatten und zudem noch aus ferneren Gegenden nach Ilmenau geholt wurden. So fanden sich plötzlich unqualifizierte Kräfte auf höheren Beamtenstellen in Ilmenau wieder. Auch die Ausbildung der Bergleute und deren Führungskräfte war vernachlässigt worden und konnte mit den anderen großen Revieren in Deutschland nicht konkurieren. Korruption scheint weit verbreitet gewesen zu sein ohne das daran jemand Anstoß genommen hätte.

1683 beantragte ein Herr Uttrodt das Bergrecht und bekam dieses im selben Jahr für die Sturmheide und 1684 für Roda zugesprochen. Er gab Kuxe heraus, die von meist Adligen, gekauft wurden, so das er für technische Neuerungen erhebliche Mittel aufbringen konnte.

Ab 1687 war er Berghauptmann und somit der höchste Bergbeamte in Ilmenau. Wirtschaftlich führte er das Unternehmen in eine Katastrophe während die technische Seite des Bergbaus eine neue Blüte erlebte.

Unter Uttrodts Führung wurden neue Stollen getrieben sowie 1688-91 der obere Bergraben und 1697-99 der mittlere Bergraben angelegt. Er ließ neue Teiche anlegen und alte reparieren. Alle diese Maßnahmen dienten im wesentlichen dazu den permanenten Wassermangel zu beseitigen.
An der Sturmheide waren schließlich 9 Gruben und bei Roda 7 Gruben in Betrieb. (siehe Karte) Abgebaut wurde Kupferschiefer in einer Mächtigkeit von 15cm und Sanderz in einer Mächtigkeit von 12cm. So entstand (einschließlich der Maßnahmen der Nachfolger von Uttrodt) nach einer Bauzeit von 125 Jahren ein wasserwirtschaftliches System das mit all seinen Teichen, Stollen und Bergraben 1717 vollendet war. Allein das Netz der Berggraben umfasste eine Länge von etwa 17km.

All diese Aktivitäten verschlangen immense Geldmittel die in keinem Verhältnis zum Ertrag standen. Die so entstandenen Schulden bereiteten 70 Jahre später den Bergrat Goethe noch Kopf zerbrechen.

Nachdem die Nachfolger Uttrodts, der Bergmeister Keller und der Berdirektor Ehrenberg durch Mißwirtschaft, und Ehrenberg wahrscheinlich auch durch Betrug, noch vertieft hatten , rief Ernst-August Herzog von Weimar den Vizeberghauptmann Imhof als Gutachter nach Ilmenau. Imhof führte eine gründliche Inventur durch und ihm ist es zu verdanken das wir heute über Zahlenangaben und Zeichnungen verfügen die den damaligen Stand der Technik dokumentieren.

Um 1730/37 waren an der Sturmheide 2 Wassergöpel und 9 Kunstgezeuge im Einsatz die vor allem aus dem mittleren Bergraben gespeist wurden. Imhof fand zwarMängel, aber das Gesamtsystem muß als bedeutende technische Leistung der Zeit betrachtet werden.

Schattenriss Goethe
Goethe
In der Nacht zum 9.Mai 1739 brach auf einer Breite von 25m der Damm des unteren Freibachteiches und das Wasser richtete in Ilmenau schwere Verwüstungen an. Bergraben und Kunsträder verloren ihr Aufschlagwasser. Die Pumpen fielen aus und die Gruben soffen ab. Mit diesem Unglück endet die 2 Hauptperiode des Ilmenauer Bergbaus.

Am 22.9.1775 traf Goethe, der einen Ruf des Herzogs Carl August gefolgt war, in Weimar ein. Bald darauf war er ein enger Vertrauter des Herzogs und lernte die Finanzprobleme des Kleinstaates Sachsen-Weimar-Eisenach kennen. Die wirtschaftliche Misere wollte Goethe, jedoch nicht wie üblich, durch Steuern und Kredite lösen, sondern durch Förderung der Wirtschaft verbessern.

Im Juli 1776 kam Goethe, der Herzog und F.W.von Tebra (Gutachter) in Ilmenau zusammen um die Möglichkeiten einer Wiederaufnahme des Berbaues vor Ort zu prüfen. Im Ergebnis dieser Untersuchung wurde beschlossen den Johanisschacht sowie den Neuhoffnungsschacht (siehe Karte) wieder zu befahren. Das Projekt Tebras hatte die klassische Nutzung der Wasserkraft zum Ziel wobei das Aufschlagwasser des mittleren Berggrabens genutzt werden sollte um die Energie für die Kunstgezeuge? zu liefern.

Nachdem man sich über die technische Seite der Unternehmung klar war stellte die rechtlich-ökonomische Seite Goethe vor ernsthafte Probleme die eine Verzögerung der Arbeiten um mehrere Jahre verursachte. Wie ein Jahrhundert zuvor mußte die neue Weimarer Bergkommission die am Bergbau partizierenden Höfe von Gotha, Meiningen, Hildburghausen und Coburg nach ihrer Bereitschaft zur Beteiligung am Unternehmen befragen. Wie sich herausstellte wollten diese möglichst die finanzielle Beteiligung vermeiden jedoch ihre Rechte aus dem Ertrag am Bergzehnten nicht preisgeben.

Zum damaligen Zeitpunkt lag noch eine Schuld von 70.000 Taler aus der Unternehmung Uttrodt auf dem Ilmenauer Bergbau.

Nachdem die Verhandlungen abgeschlossen waren und man mit Mühe eine Einigung erzielt hatte, wurde eine Gewerkschaft (Kapitalgesellschaft) gegründet um den Ilmenauer Bergbau wieder in Gang zu setzen. Entgegen des ursprünglichen Planes von Tebra den alten Johanisschacht wieder instant zu setzen wurde beschlossen, einen neuen Schacht abzuteufen, da man sich hiervon eine kürzere Strecke bis zum Kupferflöz versprach.

Am 24.2.1784 feierte man in Ilmenau, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, die Wiederinbetriebnahme des Bergbaues.
Die erste Aufgabe nach der Wiedereröffnung bestand darin den neuen Schacht bis auf das Kupferflöz niederzubringen. In der ersten Zeit ging das Abteufen des Schachtes zügig vorran und so konnte Goethe dem Herzog melden:"In einigen Wochen werden Sie auf dem nassen Orte durchschlagen und noch vor Ostern auf dem Stollen sein"(Martinrodaer Stollen) Bei 52 Lachter (etwa 104m) traf man dann schließlich auf diesen. Da man nach Schätzungen noch 60m bis zum Kupferflöz abteufen mußte ließ man einen Wassergöpel errichten. Das Kehrrad am Johannesschacht lag zum größten Teil über Tage und um Aufschlagwasser zu gewinnen mußte der mittlere Bergraben um etwa 600m verlängert werden. Im September 1787 erreichte man den Zechsteinkalk und aus dessen Klüften brach Wasser hervor. Der Schacht füllte sich bis 130m hoch mit Wasser das dort in den Martinrodaer Stollen lief. Nach einem Vierteljahr konnte man durch den Einbau von Pumpen die Situation vorerst meistern und mit dem abteufen im Zechsteinkalk fortfahren. Doch bereits am 7.12 kam es zu einen erneuten Wassereinbruch. Aus Unterlagen der Zeit kam man entnehmen das es nötig ist: "Nunmehro ein starkes und vollständiges Kunstgezeug" bauen zu lassen. Nach einer Bauzeit von einen halben Jahr wurde das Kunstgezeuge in Betrieb genommen. Es gelang den Wasserspiegel zu senken jedoch mußte man feststellen das die Leistung nicht ausreichend war und somit der Bau eines weiteren Kunstgezeuges nötig wurde. Am 17.3.1790 hatte man dieses fertiggestellt aber trotz einwandfreier Funktion beider Kunstgezeuge war die Leistung noch nicht ausreichend um den Schacht wasserfrei zu bekommen. Der Einbau weiterer Kunstgezeuge und Pumpen machte sich notwendig und endlich gelang es, nach 5 Jahren Bauzeit, den Schacht wasserfrei zu halten. Man durchbrach den Zechstein und am 3.9.1792 konnte der erste Schiefer gefördert werden. Die Untersuchung dieses Schiefers ergab das keinerlei Erz enthalten war und man hoffte durch den Vortrieb auf verschiedenen Strecken kupferhaltiges Schiefer zu finden. Während die Schiefer von 2 Strecken völlig erzfrei blieben zeigte sich die 3 Strecke (Carl-August-Ort) erzhaltig. Der Metallgehalt des Schiefers und des Sanderzes war allerdings sehr niedrig und Goethe beschäftigte sich damit ob es möglich war teure Schmelzvorgänge zu reduzieren. Auf seine Initiative hin wurde ein Hüttengebäude, ein Pochwerk und mehrere Stoßherde errichtet um das Erz durch pochen und schlämmen vom tauben Gestein zu trennen. Bis zum April 1793 hatte man 2500t Schiefer gefördert und begann mit Schmelzversuchen. Durch den niedrige Metallgehalt, (aus 1 Zentner gewann man 4% Material mit höheren Metallgehalt) kam es nun auf gute Schmelzarbeit an. Diese Schmelzversuche, mit neu errichteten Schmelzöfen, waren wenig erfolgreich. Es wechselten in der Folgezeit Schmelzversuche und Stillstandszeiten und langsam wurden die Gewerke mißtrauisch da die bis dahin aufgewendete Geldsumme mehr als 50.000 Taler betrug.

Viel Hoffnung setzte man auf die steilstehenden Bereiche des Kupferschiefers. Ehe man diese jedoch
erreichte trat eine Katastrophe ein die das Ende des Ilmenauer Bergbaus bedeutete.

In der Nacht vom 24-25.10.1796 kam es zu einem Einbruch des Martinrodaer Stollens der die Aufgabe hatte das Wasser der Kunstgezeuge und Pumpen aufzunehmen. Durch die herabstürzenden Gesteinsmassen wurde dieser Abfluß versperrt. Da der Stollen geneigt war stauten sich große Mengen Wasser an, ehe diese zurück in den Johannisschacht stürtzten. In dieser Nacht arbeiteten dort 12 Bergleute für die sofort Lebensgefahr bestand und nur der Geistesgegenwart und Tatkraft eines Kunstknechtes war es zu verdanken, das keine Todesopfer zu beklagen waren.

Goethe übernahm am 30.10.1796 die Leitung um den Stollen wieder in Betrieb zu nehmen. Man benötigte jedoch eineinhalb Jahre um den Schaden zu beheben. Im März 1798 hätte wieder mit dem Abbau begonnen werden können. Die Gewerke waren jedoch nicht mehr bereit Geldmittel zu investieren so das Betriebskapital fehlte und der Bergbau eingestellt werden mußte. Stollen und Schächte wurden noch bis 1812 von der Stadt Weimar instand gehalten. Dann wurden die Kosten zu hoch und man gab das Berkwerk entgültig auf. Hiermit endet die 3.Periode des Ilmenauer Bergbaus mit einem ökonomischen Mißerfolg.

In den folgenden Jahren wurde mehrfach versucht den Kupferschieferbergbau neu zu beleben. Alle Versuche scheiterten jedoch an ökonomischen Hindernissen so auch der Letzte im Jahr 1938.

Ilmenau Bergbau- Steinkohlebergbau (Manebach

1731 wurde unter dem Amtsvoigt Langguth mit dem Steinekohleabbau in Manebach begonnen. In den jahren 1731 bis 1768 wurden insgesamt etwa 100.000 Zentner Kohle gefördert.

Der Verdienst der Bergleute war sehr gering und Kinderarbeit an der Tagesordnng. Pro Schicht erhielt ein Bergmann 80Pf. und ein Kind 40Pf. Lohn.
Dadurch waren die meisten Bergleute gezwungen noch anderen Tätigkeiten nachzugehen.

altes Bergwerk
J.Lindner
Kohleflöz bei Manebach
Kohleflöz
















1822 erwarb ein Dr.Rieth, ein Ilmenauer Bergkommissar, die bedeutenste aller Zechen, die Langguthzeche. In 9 Stollen konnte Kohle abgebaut werden.
Nach dem Tod von Dr.Rieth begann der Niedergang des Steinkohlebergbaues, der Aufgrund des insgesamt niedrigen Fördervolumens, nur lokale Bedeutung besaß.

1946 wurde nochmals ein Versuch unternommen den Steinkohlebergbau neu zu beleben. Durch die Teilung Deutschlands war Steinkohle in der damaligen Ostzone rar und man erhoffte sich eine Steigerung der Produktionsmenge.
Doch Kosten und Ertrag waren so unstimmig das der Versuch 1949 entgültig eingestellt wurde.

Die Flözentstehung ist der Aufrechterhaltung der Flößbildenden Fazies im Becken bzw. Beckenrand zu verdanken.
Das heißt, die Kohlenstoffanreicherung setzt starken Pflanzenwuchs, konstanten Grundwasserstand sowie geringe Absenkungen im Bereich des Beckens voraus.

Abgebaut wurde eine anthrazitische Glanzkohle die einen guten Heizwert besaß und nur einen Aschegehalt von 6-10% hatte.
Unreine Fett-und Magerkohle mit einen Aschegehalt von 15-32% wurde vor allem als Schmiedekohle verwendet.


Fossilien

Bereits 1695 erschien eine Mitteilung von F.Hayn in der Manebacher Pflanzenfossilien erwähnt werden.

1709 erschien ein Werk von G.F. Mylin in dem erstmalig Abbildungen der Pflanzenfossilien erschienen.

F.v.Schlotheim 1765-1832, ein Gothaer Kammerpräsident, benutzte 1804 in seinem Buch " Beschreibung merkwürdiger Kräuterabdrücke und Pflanzenversteinerungen", erstmalig eine botanische Nomenklatur und begründete so die wissentschaftliche Paläobotanik.

Die Lokalität Manebach entwickelte sich mit der Zeit zu einer der bedeutensten Fundstellen für zahlreiche Pflanzen der Rotliegendzeit.
An der wissentschaftlichen Erforschung der Fundstelle waren bedeutende Paläobotaniker bis in die Gegenwart beteiligt.

Bergbau Ilmenau- Flussspat

Auf Grund des technischen Fortschritts in der Mitte des 19. Jahrhunderts gewann Flussspat als Flussmittel in der Glas-und Hüttenindustrie zunehmend an Bedeutung. Das führte dazu das der Rohstoff für den bergmännischen Abbau interessant wurde.
Erste Nachrichten über den Abbau von Fluorit reichen bis ins 14. Jahrhubdert zurück.
In der DDR wurden von 1950 bis 1991 2,9 Millionen Tonnen des Erzes gefördert und stellten die Eigenversorgung des Landes sicher.

Geologie/Mineralogie

Die Lagerstätte befindet sich bei Ilmenau und Möhrenbach. Angrenzende Orte sind Langenwiesen und Oehrenstock.
Die Fluorit-Baryt Ganglagerstätte des Floßberg-Systems drang in vulkanische Gesteine der unteren und oberen Gehrener Schichten ein.(Intrusion) Die Gesteine überlagern den Thüringer Hauptgranit und Methamorphite, Quarzite sowie Tonschiefer des Schwarzberger Sattels.

Das Floßberg-Stechberg-Gangsystem ist eine typische hydrothermale Ganglagerstätte und ist im Ergebnis von salinaren Tiefengewässer und absteigender Verwitterungsgewässer. Die Mineralisation erfolgte zumeist linsen-bzw. säulenförmig eas mit der tektonischen Entwicklungsgeschichte des Ganges zu begründen ist.

Die wichtigsten Abschnitte der Förderung von Flussspat

Der erste Bergbaubetrieb der vorwiegend auf die Förderung von Flussspat ausgerichtet war wurde 1887 von Franz Reichardt im Schortetal gegründet.
Abbau von Flussspat läßt sich vor dieser Zeit feststellen und reicht bis ins 14 Jahrhundert zurück.

Die Firma Reichhardt (später von der Witwe weitergeführt) war technisch schwach entwickelt und die Produktionsmenge war gering. Von 1900 bis1936 förderte die Firma mit 8 Beschäftigten jährlich etwa 600 Tonnen Spat. Seit 1934 trieben die Söhne im Feld „Volle Rose“ (Schortetal) einen Talstollen vor. Dieser Stollen kann heute als Besucherbergwerk befahren werden.

1937 bis1945

Die Gebrüder Messerschmidt kauften die Grubenfelder „Morgensonne“ sowie „Prinz Carl“und wurden Flussspatproduzenten. Durch den Vierjahresplan zur Kriegsertüchtigung der deutschen Wirtschaft 1937 kam es zum erhöhten Bedarf an Flussspat. Die Reichswerke „Hermann Göring“ erwarben 1938 die Grube der Brüder Reichardt und die Gruben „Gottessegen und „Carl August“.
Die Produktionsmenge stieg von 2000 Tonnen im jahr 1939 auf etwa 12000 Tonnen im Jahr 1944.

Die Familie Schumann

Südöstlich der Schobse hatte sich die Maxhütte seit dem 19 Jahrhundert ein Gewinnungsrecht erworben. Eisenerz wurde jedoch nicht gefunden und so verpachtete man das Feld.
1919 übernahm der Gehrener Kohlenhändler G.Schumann das Feld „Bergmanns Hoffnung“. Nach dessen Tod forcierte seine Witwe die Produktion von 4000 Tonnen im Jahr 1935 auf 7000 Tonnen im Jahr 1939. Bis Ende des Krieges wurde diese Menge gehalten.

1945 bis 1991

1946 wurde die Firma Gebrüder Schumann enteignet und der Betrieb trug nun den Namen „VEB Fusspatwerk Gehren“. Die Grube Ilmenau gehörte der Steine und Erde GmbH Goslar und wurde ebenfalls verstaatlicht und hieß nun „VEB Flusspatwerk Ilmenau“.
1951 wurden beide Betriebe zum „VEB Flußspatgrube Ilmenau-Gehren“ vereinigt.
In mehreren Phasen wurde der Betrieb modernisiert, eine zentrale Werksanlage geschaffen sowie die Auffahrung mehrerer Sohlen in Angriff genommen so das die Reviere Ilmenau und Gehren auf einer Gesamtlänge von 4,3 Kilometer verbunden wurden.
1964 wurde das Werk Ilmenau-Gehren dem „VEB Spat-und Eisenerzgruben Schmalkalden“ zugeordnet.
In den Jahren 1945 bis 1991 wurden auf dem Floßberggang 2,9 Millionen Tonnen Erz gefördert.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erlebte der Bergbau im Osten einen immensen Niedergang. Die Öffnung der Märkte, die veraltete Technologie und die Einführung der DM stellten den Bergbau vor nicht zu bewätigende Probleme. Am 12.02.1991 wurde die Förderung eingestellt.

Luthersteufe
Museum bei Ilmenau














Bergbau bei Oehrenstock
Luthersteufe/ Museum




Wird fortgesetzt





Lesen Sie auch:

Mineralfundstellen in Thüringen



Quelle: Bergmannsverein-Erfurt.

            Wikipedia/Ilmenau

           Gerd Seidel: Geologie von Thüringen/ 2003. 2. Auflage
           ISBN 978-3-510-65205-1

Keine Kommentare: