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2013-03-17

Erotische Gedichte Teil 1 (Goethe, Tieck, Dauthendey)

Nackte Frau







Johann Wolfgang von Goethe

Ach, mein Hals ist ein wenig geschwollen!
so sagte die Beste
Ängstlich. - Stille, mein Kind! still!
und vernehme das Wort:
Dich hat die Hand der Venus berührt,
sie deutet dir leise,
Daß sie das Körperchen bald, ach!
unaufhaltsam verstellt.
Bald verdirbt sie die schlanke Gestalt,
die zierlichen Brüstchen;
Alles schwillt nun, es passt nirgends
das neuste Gewand.
Sei nur ruhig! es deutet
die fallende Blüte dem Gärtner,
Daß die liebliche Frucht
schwellend im Herbste gedeiht.
Ludwig Tieck

Erinnerung

War es dir, dem diese Lippen bebten,
Dir der dargebotne süße Kuß?
Giebt ein irdisch Leben so Genuß?
Ha! wie Licht und Glanz vor meinen Augen schwebten,
Alle Sinne nach den Lippen strebten!

In den klaren Augen blinkte
Sehnsucht, die mir zärtlich winkte,
Alles klang im Herzen wieder
Meine Blicke sanken nieder,
Und die Lüfte tönten Liebeslieder!

Wie ein Sternenpaar
Glänzten die Augen, die Wangen
Wiegten das goldene Haar,
Blick und Lächeln schwangen
Flügel, und die süßen Worte gar
Weckten das tiefste Verlangen:
O Kuß! wie war dein Mund so brennend rot!
Da starb ich, fand ein Leben erst im schönsten Tod.
Max Dauthendey

Deine Küsse, deine Brüste, deine Arme
Pressen noch lüstewarm meinen Leib.
Dein Blut, dein Fleisch
Ruht noch lüstewarm an mir.
Meine Schritte schallen,
Meine Schritte fallen härter von Stein zu Stein,
Die Erde nimmt mich in ihre Mitte,
Verwundert fällt es mir ein:
Wir lagen draußen im Weltenraum,
Wir beide allein.
Max Dauthendey

Ich schlug vom Weltenbaum ein Brett
Und zimmerte dir und mir ein Bett.
Die Betten wuchsen glühend zusammen,
Und drinnen wiegen sich lauter Flammen.
Nicht Eisen, nicht Zeit kann
die Betten je trennen,
Sie werden hell durch
die Ewigkeit brennen.

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