> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte für das Kabarett Teil 2 Ludwig Thoma

2013-03-22

Gedichte für das Kabarett Teil 2 Ludwig Thoma





Ludwig Thoma 21.01.1867 Oberammergau- 26.01.1921 Tegernsee




Rühmlicher Tod

Kennt ihr alle die Geschichte
Von Johannes Ilzebiel,
Dessen Leben ward zunichte,
Als er im Duelle fiel?

Halle hieß die Bildungsstätte,
Sein Beruf war Medizin,
Ohne daß er jemals hätte
Wirklich sich bemüht darin.

Seine Eltern waren Bauern
Mit Vermögen – Gott sei Dank! –,
Jeder muß sie heut bedauern,
Weil der Sohn das Geld vertrank.

Als aus Kasten und aus Kisten
Nirgends mehr kein Kreuzer fiel,
Fing die Not sich einzunisten
An bei Johann Ilzebiel.

Und es kam bei ihm zutage,
Daß er nicht die Arbeit kennt.
Dieses stand auch außer Frage,
Denn er war ein Korpsstudent.

Soll er selbst den Rest sich geben?
Nein! Nur das Proletentum
Drückt sich schweigend aus dem Leben.
Er begehrte andern Ruhm.

Als zu sterben er entschlossen,
Schlug er jeden auf das Ohr.
Zweie hat er selbst erschossen,
Erst der dritte kam zuvor.
Die Thronstütze (1901)

Immer nur so durchjeschloffen,
Nischt jelernt und viel jesoffen,
Roch ich sehr nach Biere.
Endlich bin ich durchjeschwommen,
Mit 'ner sauren Niere,
Hopsasa, tralala!
Mit 'ner sauren Niere.

Doch da peu à peu die Kröten,
Die ich hatte, jingen flöten,
Weil ich's trieb zu tolle,
Hab' ich mich nicht lang besonnen,
Hab' mich feste injesponnen,
Nahm mir eene Olle,
Hopsasa, tralala!
Nahm mir eene Olle.

So 'ne olle, fette, dicke,
So 'ne rechte plumpe Zicke
Aus dem Bürgerstande.
's is nicht schön, mit ihr zu leben,
Darum hab' ich mich jejeben,
Janz dem Vaterlande,
Hopsasa, tralala!
Janz dem Vaterlande.

Führe 'ne heftige Bataille
Mit der dummen Preßkanaille,
Leg' sie auf die Latte.
Will ich mir mal amusiren,
Laß den Jeist ich malträtieren,
Den ich selbst nich hatte,
Hopsasa, tralala!
Den ich selbst nich hatte.

Scharf nach untern, mild nach oben,
Öffentlich den Herrgott loben,
Heimlich is man kalte.
Bald 'nen Tritt, un bald 'nen Orden,
Mancher ist schon so jeworden
Oberstaatsanwalte,
Hopsasa, tralala!
Oberstaatsanwalte.
Der Ausflug

 Anton Huber ging mit der Familie,
Mutter, Tochter und ein Hund dabei,
Aus der Stadt hinaus in die Umgebung,
Wo es bei der Hitze kühler sei.

 Manchmal blieb der gute Vater stehen,
Und er zeigte den und jenen Punkt.
Hinter ihnen ging auf zwanzig Schritte
Jakob Niedermayer, Postadjunkt.

Frau und Tochter hatten ihn gesehen
Mit dem ganzen Scharfblick des Geschlechts;
Sie begannen mit dem Aug' zu blinzeln,
Jakob Niedermayer ging nach rechts.

Beide Damen fingen an zu husten,
Und die Tochter ging zum nahen Wald.
»Wally!« rief die Mutter, »liebe Wally,
Pflücke Blumen, aber komme bald!«

Und sie kam nach einer guten Weile,
Fröhlich lächelnd als wie neu gestärkt;
Gütig hieß die Mutter sie willkommen,
Anton Huber hatte nichts gemerkt.

Später sah er zornigen Gemütes
Tannennadeln in der Tochter Haar.
Doch die Mutter sagte ohne weitres:
»Wenn der Mensch nur ein Beamter war!«
Des Weisen Lehre (1901)

Künstler, wollt ihr Geld verdienen –
Und wer wollte dieses nicht? –
Höret, was mir recht geschienen,
Höret, was der Weise spricht:

Wessen Gunst sollst du erringen
Mit dem Bild, was du gemalt?
Erstens doch vor allen Dingen
Dessen, der den Kitsch bezahlt.

Zweitens fällt der Kritisierer
Bei der Sache ins Gewicht,
Denn als Mensch und Zeitungsschmierer
Ist er ohne Einfluß nicht.

Drittens oder allererschtens,
Maler, was du auch gemacht,
Hast du dabei deines Ferschtens,
Deines Landesherrn gedacht?

Seine Huld belebt die Musen,
Und auch die der Malerei.
Sorge, daß in deinem Busen
Dieser Glaube innig sei.

Male, wie du, wenn du laben
Willst dich an des Herrschers Gunst,
Wünschen wirst, gemalt zu haben.
Dieses heißt man auch'ne Kunst.





Keine Kommentare: