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2013-03-17

Gedichte zum 1. Mai- Tag der Arbeit







Bundeslied

Bet und arbeit! ruft die Welt
Bete kurz! denn Zeit ist Geld
An die Türe pocht die Not -
Bete kurz! denn Zeit ist Brot

Und du ackerst, und du säst,
Und du nietest, und du nähst,
Und du hämmerst, und du spinnst -
Sag, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht
Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
Füllst des Überflusses Horn,
Füllst es hoch mit Wein und Korn.

Doch wo ist d e i n Mahl bereit?
Doch wo ist d e i n Feierkleid?
Doch wo ist d e i n warmer Herd?
Doch wo ist d e i n scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk! o sprich,
Alles, aber nichts für dich!
Und von allem nur allein,
Die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,
Die dem Geist die Flügel knickt,
Die am Fuß des Kindes schon
Klirrt - o Volk, das ist dein Lohn.

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
Schätze sind es für den Wicht;
Was ihr webt, es ist der Fluch
Für euch selbst - ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach
Hat's für euch und kein Gemach;
Was ihr kleidet und beschuht,
Tritt auf euch voll Übermut.

Menschenbienen, die Natur,
Gab sie euch den Honig nur?
Seht die Drohnen um euch her!
Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke lehnst den Pflug,
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Georg Herwegh


Zwei alte Leute am 1. Mai

– »Weißt du noch, Alter, vor dem Kriege?
Wir haben manchen Mai erlebt.
Wir glaubten an die schnellen Siege –
du hast das Streikplakat geklebt ... «
– »Ja, Alte, das waren schöne Zeiten ...
Wir waren allemal dabei –
Ich seh uns noch im Zuge schreiten
am 1. Mai.«

– »Und unser Jüngster war noch klein. Den ließ ich
zu Haus ... wir gingen los mit Hans.
Mitunter wars ja etwas spießig –
so ... Kriegerverein mit Kaffeekranz.«
– »Na, laß man – du warst doch die Nettste!
Mir wars bloß zu viel Dudelei ...
Und anno 14 wars denn auch der letzte –
der 1. Mai.«

– »Kein Wunder. Mußt mal denken, Alter:
Wer ist uns da voraufmarschiert!
Der Wels als roter Fahnenhalter,
der Löbe, prächtig ausstaffiert ... «
– »Ja solche haben glatte Hände ...
Für die ist frisch, fromm, frech und frei
der Klassenkampf schon längst zu Ende –
Die und der 1. Mai!
Was wissen die vom Klassenkrieg ... !
Die schützen sich vor ihrer eigenen Republik –!«

– »Na, laß man, Alter, die Beschwerde.
Ich weiß, dass etwas in uns singt:
Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt!«
– »Wir wissen, Alte, was wir lieben:
den Klassenkampf und die Partei!
Wir sind ja doch die Alten geblieben
am 1. Mai! Am 1. Mai!«

Theobald Tiger (Tucholsky)


Wacht auf, Verdammte dieser Erde
die stets man noch zum Hungern zwingt!
Das Recht, wie Glut im Kraterherde
nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!
Heer der Sklaven, wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger
alles zu werden, strömt zuhauf.

Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

Es rettet uns kein hö´hres Wesen,
kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen,
können wir nur selber tun!
Leeres Wort: des Armen Rechte!
Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
duldet die Schmach nun länger nicht!

Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei´n.
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt wird unser sein;
unser Blut sei nicht mehr der Raben
und der nächt´gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben,
dann scheint die Sonn' ohn' Unterlaß

Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!
Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

Eugène Pottier


Die Arbeiter


Sturm und Gewalt ist in unseren Händen,
stehn wir im räderdurchdonnerten Raum;
doch in dem keuchenden Beugen der Lenden
sind wir gar oftmals nur Andacht und Traum.

In dunkler Berge verlorner Kaverne
sind wir die Brüder der strahlenden Tage;
türmen wir Steine im Antlitz der Sterne,
lebt Gottes Sehnsucht in unserer Plage.

Unser Wille erschüttert die Erde,
und der heiligsten Unruhe voll
schenken wir ihr durch die stete Beschwerde
Ewigkeit, die unserm Schaffen entquoll.

Alfons Petzold


An die deutschen Arbeiter

Der alte Mann in Rom befiehlt.
Wem? Euch! Was hat er zu befehlen?
Gehören willenlos die Seelen
Dem Papste, dass er mit euch spielt?

So überlegt: Was weiß sie nur.
Die ihn beherrscht, die Pfaffenclique,
Von eurem Wollen, vom Geschicke,
Von eurer Arbeit Wegespur?

Was will der Fremde? Darf er dreist
Sich hier so als Gebieter geben?
Was ist er euch ? Was eurem Leben ?
Was eurem Ziel der Pfaffengeist?

Zürnt ihnen nicht! Nein, lacht sie aus!
Sie glauben, mit geschriebnen Fetzen,
Die treu sich bleiben, zu verhetzen,
Und" drängen plump sich uns ins Haus.

Am Ende — ja — uns dauert schier
Der alte Herr mit den Erlassen,
Die, wie er glaubt, die Welt umfassen.
Und sind doch wirklich nur— Papier.

Ludwig Thoma





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