> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zum Thema Monat Mai Teil 4 (Overbeck, Busch, Hölty, Bierbaum)

2013-03-18

Gedichte zum Thema Monat Mai Teil 4 (Overbeck, Busch, Hölty, Bierbaum)







Komm, lieber Mai, und mache ...

Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün,
Und lass uns an dem Bache
Die kleinen Veilchen blüh'n!
Wie möchten wir so gerne
Ein Blümchen wieder seh'n,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren geh'n.
Zwar Wintertage haben
Wohl auch der Freuden viel,
Man kann im Schnee frisch traben
Und treibt manch Abendspiel.
Baut Häuserchen von Karten,
Spielt Blindekuh und Pfand,
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Aufs liebe freie Land.

Doch wenn die Vöglein singen,
Und wir dann froh und flink
Auf grünem Rasen springen,
Das ist ein anderes Ding.
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel steh'n;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Schmutz nicht geh'n.

Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid,
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Blumenzeit.
Umsonst hol ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie's Hühnchen auf dem Ei.

Ach, wenn's doch erst gelinder
Und Grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
Wir bitten gar zu sehr!
O komm und bring vor allem
Uns viele Veilchen mit,
Bring auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit.

Christian Adolph Overbeck 
Sei mir gegrüßt, du lieber Mai, mit Laub und Blüten mancherlei!
Seid mir gegrüßt, ihr lieben Bienen, vom Morgensonnenstrahl beschienen!
Wie fliegt ihr munter ein und aus in Imker Dralles Bienenhaus
und seid zu dieser Morgenzeit so früh schon voller Tätigkeit.
Für Diebe ist hier nichts zu machen, denn vor dem Tore stehn die Wachen.
Und all´ die wacker´n Handwerksleute die hauen, messen stillvergnügt,
bis daß die Seite sich zur Seite schön sechsgeeckt zusammenfügt.
Schau! Bienenlieschen in der Frühe bringt Staub und Kehricht vor die Tür;
Ja! Reinlichkeit macht viele Mühe, doch später macht sie auch Pläsier.

Wilhelm Busch
Der erste Mai

Der erste Tag im Monat Mai
Ist mir der glücklichste von Allen.
Dich sah ich und gestand dir frei,
Denn ersten Tag im Monat Mai,
Dass dir mein Herz ergeben sein,
Wenn mein Geständnis dir gefallen,
So ist der erste Tage im Mai für mich
der glücklichste von allen.

Friedrich Hagedorn 
Süßer Mai, du Quell des Lebens
bist so süßer Blumen voll
Liebe sucht auch nicht vergebens
wem sie Kränze winden soll.

Clemens Brentano 
Frühlingslied

Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühen
und Schlüsselblumen drunter;
der Wiesengrund ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,
die diese Pracht hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.

Ludwig Heinrich Christoph Hölty 
Erste Blüten

Lange schlug das Herz mir dumpf
Und in faulen Schlägen,
War ein tangbedeckter Sumpf
Ohne Wellenregen.

Bunte Blumen blühten rings,
Und ich ging vorüber,
Wissenschaft, die graue Sphinx,
Gab mir Nasenstüber.

Wissenschaft, die graue Sphinx,
Mag der Teufel holen;
Euch, ihr Blüheblumen rings,
Sei mein Herz befohlen.

Sonnevoll ist mein Gemüt,
Eine grüne Wiese,
Drauf es singt und springt und blüht,
Wie im Paradiese.

Eine Geige klingt in mir,
Glockenklar und leise ...
»Oh du allerschönste Zier! ...«
Wundersame Weise.

Glück und Glanz und Glorienschein
Über allem Leben,
Und die ganze Welt ist mein,
Mir zu Lehn gegeben.

Und mein Herz haucht Liebe aus,
Alle Not verendet,
Sorge, Sünde, Haß und Graus
Sind in Glück gewendet.

Dumme, holde Träumerei,
Immer kehrst du wieder:
Erste Blüten, erster Mai,
Schwärmerische Lieder.

Otto Julius Bierbaum






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