> Gedichte und Zitate für alle: Geistliche und weltliche Gedichte zu Pfingsten Teil 2

2013-03-02

Geistliche und weltliche Gedichte zu Pfingsten Teil 2

Taubenpaar- Pfingstgedichte







Pfingstgesang

Tag der Pfingsten! Glockenklang
Schallt aus allen Tälern wider.
Hoch vom grünen Bergeshang
Jubeln Wand'rer frohe Lieder,

Glühend ruht dein bräutlich Licht
Ausgegossen auf den Fluren –
Zeigt der Schöpfung Angesicht
Deines Wandels Flammenspuren.

Funkelnd in des Lichte Kuss
Rauscht der Strom entlang den Borden,
Wo der Schönheit Genius
Duft'ger Blumenreiz geworden.

Willst du nicht in dieser Pracht
Aller Welt den Geist verkünden,
Der da hieß in Geistesnacht
Sich den Geistestag entzünden.

Der in Flammen niederfuhr,
Seine Jünger sich zu küren,
Auf des Geistes Feuerspur
Uns zum Heil zurückzuführen?

Ströme nieder, heilig Licht!
Tauf' die Welt in deinen Gluten,
Laß in dumpfen Qualen nicht
Länger mehr die Menschheit bluten!

Wirf vernichtend deinen Blitz
›Wahrheit‹ in des Truges Wolke,
Auf der Lüge Herrschersitz
Nah' erlösend allem Volke!

Schleudre deines Feuers Strahl
In die Zwingburg freien Lebens!
Gib der Freiheit Sieg einmal
In dem Kampf des Völkerstrebens!

Laß der Nationen Streit
Sich im Geistessieg versöhnen,
In dem Sieg der Menschlichkeit
Und des Guten, Wahren, Schönen!

Liebe, die willkommen heißt
Auch den Bruder im Geringsten
Weck' in uns: Dann, Menschengeist,
Feierst wahrhaft du die Pfingsten!

Ludwig Auerbach
Komm, Gott Schöpfer

Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist,
Besuch das Herz der Menschen dein.
Mit Gnaden sie füll, wie du weißt,
Daß dein Geschöpf vorhin sein.

Denn du bist der Tröster genannt,
Des allerhöchsten Gabe teur,
Ein geistlich Salb an uns gewandt,
Ein lebend Brunn, Lieb und Feur.

Zünd uns ein Licht an im Verstand,
Gib uns ins Herz der Liebe Brunst,
Das schwach Fleisch in uns, dir bekannt,
Erhalt fest dein Kraft und Gunst.

Du bist mit Gaben siebenfalt
Der Finger an Gottes rechter Hand,
Des Vaters Wort gibst du gar bald
Mit Zungen in alle Land.

Des Feindes List treib von uns fern,
Den Fried schaff bei uns deine Gnad,
Daß wir deim Leiten folgen gern
Und meiden der Seelen Schad.

Lehr uns den Vater kennen wohl,
Dazu Jesu Christ, seinen Sohn,
Daß wir des Glaubens werden voll,
Dich, beider Geist, zu verstehen.

Gott Vater sei Lob und dem Sohn,
Der von den Toten auferstund,
Dem Tröster sei dasselb geton
In Ewigkeit alle Stund.

Martin Luther
Pfingstbestellung

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
ins Neue, ins Grüne.
Wenn sich der Himmel grau bezieht,
mich stört's nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
der merkt doch: Es ist Pfingsten.
Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
wie Hühner Eier legen,
und gehe festlich und geschmückt -
Pfingstochse meinetwegen -
dem Honorar entgegen.

Joachim Ringelnatz
Pfingsten, das liebliche Fest
Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken.
Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen.
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Johann Wolfgang von Goethe
 Gott Vater, sende deinen Geist,
den uns dein Sohn erbitten heißt,
aus deines Himmels Höhen.
Wir bitten, wie er uns gelehrt:
lass uns doch ja nicht unerhört
von deinem Trone gehen.

 Dein Geist hält unsers Glaubens Licht,
wenn alle Welt da wider ficht
mit Sturm und vielen Waffen;
und wenn auch gleich der Fürst der Welt
selbst wider uns sich legt ins Feld,
so kann er doch nichts schaffen.

 Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg;
wo dieser hilft, da wird der Krieg
gewisslich wohl ablaufen.
Was ist doch Satans Reich und Stand?
Wenn Gott, der Herr, erhebt die Hand,
fällt alles übern Haufen.

 Er reißt der Höllen Band entzwei;
er tröst´ und macht das Herze frei
von allem, was uns kränket.
Wenn uns des Unglücks Wetter schreckt,
so ist ers, der uns schützt und deckt
viel besser, als man denket.

 Er macht das bittre Kreuze süß,
ist unser Licht in Finsternis,
führt uns als seine Schafe,
hält über uns sein Schild und wacht,
dass seine Herd in tiefer Nacht
mit Ruh und Frieden schlafe.

 Er macht geschickt uns rüstet aus
die Diener, die des Herren Haus
in diesem Leben bauen;
er ziert ihr Herz, Mund und Verstand,
und lässt sie, was uns unbekannt,
zu unserm Besten schauen.

 Er öffnet unsers Herzens Tor,
wenn sie sein Wort in unser Ohr
als edlen Samen streuen,
er gibet Kraft demselben Wort,
und wenn es fället, bringt ers fort
und läßets wohl gedeihen.

 Er lehret uns die Furcht des Herrn
liebt Reinigkeit und wohnet gern
in frommen, keuschen Seelen.
Was niedrig ist, was Tugend ehrt,
was Buße tut und sich bekehrt,
das pflegt er zu erwählen.

 Er ist und bleibet stets getreu
und steht uns auch im Tode bei,
wenn alle Ding abstehen;
er lindert unsre letzte Qual,
lässt uns hindurch zum Himmelsaal
getrost und fröhlich gehen.

 O selig, wer in dieser Welt
lässt diesem Gaste Haus und Zelt
in seiner Seel aufschlagen!
Wer ihn aufnimmt in dieser Zeit,
den wird er dort zur ewgen Freud
in Gottes Hütte tragen.

 Nun, Herr und Vater aller Güt,
hör unsern Wunsch: Gieß ins Gemüt
uns allen diese Gabe.
Gib deinen Geist, der uns allhier
regiere und dort für und für
im ewgen Leben labe.

Paul Gerhardt
Zu Pfingsten sang die Nachtigall

Zu Pfingsten sang die Nachtigall
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird`sche Mal der Geist
des Herrn ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger groß und klein
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zung` am Baum
Kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum
als sei`s voll süßen Weines.

Oh, Ihr Apostel gehet aus
Und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau`n geschrieben,
daß er uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
Und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

Friedrich Rückert
Pfingsten

Zwischen Tulpenflammen und Narzissen
Springen unter schweren Fliederbüschen
Kleine Mädchen losen Haars im Garten.
Lerne, Herz! Die kleinen Mädchen wissen
Mehr vom Glück, als du; mit ihrem Springen
Loben sie den heiligen Geist der Pfingsten
Zwischen Tulpenflammen und Narzissen.

Denn der heilige Geist ist ausgegossen
In den glutenbunten Tulpenflammen,
Und er heißt: Seid fröhlich, Menschenkinder!
Jede Blume, glorienumflossen,
Ist, dem Haupt Mariens gleich, ein Abbild
Milder, tiefer, süßer Gottesliebe ...
Denn der heilige Geist ist ausgegossen.

Otto Julius Bierbaum
Pfingsten

Pfingsten, das heißt: das Neuste vom Schneider,
Helle Hosen und weiße Kleider,
Neue Sonnenschirme und neue Hüte
Mit Bändern und Blumen, jeder Güte.

Pfingsten, das heißt: sich drängen und stoßen,
Und quetschen und schieben, die Kleinen und Großen,
Besetzte Bahnen, Tramways und Breaks,
Heißt: Schinken und Spargel und Rührei und Steaks,
Maibowle, Bier, frohe Gesichter
Und ab und zu ein lyrischer Dichter.

Pfingsten heißt auch: Fiedel und Flöte,
Ein Zitat aus Reineke Fuchs von Goethe,
Heißt Tanz und Predigt, heißt Kirche und Schenke.
Was heißt Pfingsten nicht alles, wenn ichs bedenke.

Eins noch vor allem, vom ganzen Feste
Ist das das Schönste, ist das Beste:
Das junge lachende Maienlaub,
Hell wimpelnd über Lärm und Staub,
Des Lebens grüne Standarte. Hurra!
Freue dich, Mensch! Pfingsten ist da!

Keine Kommentare: