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2013-03-14

Satirische deutsche Gedichte Teil 13 Otto Julius Bierbaum





Ritter Hahn und Bauer Enterich


(Ein soziales Gespräch auf dem Miste; Herrn Th. Th. Heine zugeeignet.)


Der Haushahn, Herr von Stakelsteif,
Mit rotem Kamm und grünem Schweif,
Erhob ein laut Gekrähe;
Zerbarst sich schier den langen Hals,
Schrie, daß er statt des Düngerwalls
Gern etwas Reinres sähe.

»Ich trage Sporen,« sprach der Hahn,
»Und seht doch mein Gefieder an!
Ists nicht bewundernswürdig?
Ich bin von adeligem Stamm,
Mein zackig aufgeschwollener Kamm
Zeigt, daß ich ritterbürtig.«

»Mit Eurer Gnaden Permittenz«
Sprach drauf Herr Erpel Schwenkeschwenz,
»Ich bin zwar nur ein Bauer,
Jedoch, was Euch betrifft und Mist,
Weiß ich, was gut und dienlich ist,
Dem Mist und Euch, genauer.

Gewiß seid Ihr ein Edelmann
Der seine Sporen tragen kann
Und seine Farben zeigen.
Indessen: erst der Mist verleiht
Euch Eure hohe Adligkeit;
Vor ihm sollt Ihr Euch neigen.

Nur auf dem Mist seid Ihr Baron,
Und nur der Mist ist Euer Thron;
Wollt Ihr den Mist verlassen,
So wird Euch Heimweh nach dem Mist,
Der Eurer Ahnen Hochschloß ist,
Mistheimweh wird Euch fassen.

Ich bitt Euch, bleibt dem Mist getreu;
Ist er auch nur verdautes Heu,
Ist er doch weich und wärmlich.«
Da schüttelte den grünen Schweif
Der schöne Herr von Stakelsteif:
»Das Pack bleibt stets erbärmlich.

Ich weiß, weshalb der Bauer fleht:
Er braucht mich hier als Majestät,
Daß ich sein Sein beglänze.
Mon dieu, mon dieu, Kikerikih!
Es reibt die Aristokratie
Sich auf für Schwenkeschwenze.«


Waldvögel



Ein wohlbestelltes Mieder,
Die Backen rot gesund,
Den Schnabel voller Lieder
Und vorn und hinten rund.

Zwei Augen glutend blaue
Und eine kleine Hand,
Wohl mir, waldwilde Fraue,
Daß ich dich einsten fand.

Es war im tiefen Walde
Und Sommer war die Zeit,
In einem Wipfel balde
Nesthockten wir zu zweit

Und niemand hat gesehen
Das sondre Vogelpaar,
Das hoch im Windewehen
Vor Glücke schwindlig war.

Trinklied

Ich sitz in einem grünen Busch
Und trinke Wein,
Ein Finkenpaar läßt sich's im Husch
Hier gütlich sein.

Ziepiept und schlägt die Flügel sein -
- Jetzt ist es still ...
Ich sitz im Busch und trinke Wein,
Komm, was da will!


Er merkt etwas

-: "Ich hab dich lieb" ...
Ich hör das so.
Könnt ich es glauben,
Wär ich wohl froh.

-: "Ich hab dich lieb" ...
Welch holder Ton!
Wie Geig und Flöte ...
Ich hörte ihn schon.

-: "Ich hab dich lieb" ...
Sags immer, Kind!
Ich weiß, daß Lügen
Geschenke sind.

Das Lied vom bißchen Sonnenschein

Es ist ein bißchen Sonnenschein
Auf meinen Weg gefallen,
Da hört ich gleich des Glücks Schalmein
Aus allen Himmeln hallen
Und glaubte gleich,
Das Himmelreich,
Das Himmelreich sei mein.

Der Sonnenschein ist weggeglänzt,
Er galt nicht meinem Wege,
Ich habe mich zu früh bekränzt,
Nun kreischt des Grames Säge:
Der Winter naht,
Der Potentat,
Es hat sich ausgelenzt.

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