> Gedichte und Zitate für alle: Politische deutsche Gedichte Teil 7 Hoffmann von Fallersleben Teil 3 (Unpolitische Lieder)

2013-04-21

Politische deutsche Gedichte Teil 7 Hoffmann von Fallersleben Teil 3 (Unpolitische Lieder)





August Heinrich Hoffmann von Fallersleben-Unpolitische Lieder (Auswahl)

Aus dem 1. Band/Fünfte und Sechste Sitzung



Fünfte Sitzung




Die liberalen Modegecken

Du schwörest allem Untergang
Was je dich hemmt in deinem Frieden,
Verfluchest den Gewissenszwang
Und Geistesdruck hienieden;

Du schreist nach Freiheit, schreist nach Recht
Im Anblick großer Kriegesheere,
O du großmäuliges Geschlecht,
Und dich beherrscht die Schneiderscheere!

Die Ausgepressten

Ach, aus dem Leben wird verschwinden
Des Geistes und des Herzens Saat!
Wo ist doch künftig noch zu finden
Lebend'ges Wort und frische Tat?

Wie's Korn der Müller auf die Mühle,
So schicken wir zur Presse hin
Den Vorrat frischester Gefühle
Und neuesten Ideengewinn.

Und wenn uns so das Tagsinteresse
Tagtäglich an die Presse weist,
Sehn wir auf Leipzigs Büchermesse
Bald nur noch Deutschlands Herz und Geist.

Die Europamüden

 Den Mädchen und den Flaschen
Ward eure Jugendfrische,
Ihr geht mit leeren Taschen
Beim Alter jetzt zu Tische.

Sehnsüchtig nach dem Schlummer
Sitzt ihr in eurer Kammer,
Und euer letzter Kummer –
Es ist ein Katzenjammer.

Sechste Sitzung

Das alte Lied

Das alte Lied, das alte Lied,
Das ew'ge Lied vom Unterschied:
Wer nicht des Staates Glauben hat,
An den auch glaubet nicht der Staat.

Du ewig Lied vom Unterschied,
Du altes unausstehlich Lied!
Wann beugt doch Engel, Mensch und Vieh
Vor Einem einz'gen Gott das Knie

Oeffentliche Meinung

 Sag an, du öffentliche Meinung,
Sag an, wie lange schweigst du still?
Wann bringst du endlich zur Erscheinung
Was Deutschland soll und muß und will?

Zeig deines Volkes Wundenmale,
Zeig seine Blut- und Tränensaat,
Und wieg auf deiner Wageschale
Des Volkes Lohn, der Fürsten That!

Du willst nicht Aufruhr, nicht Zerwürfnis,
Träumst nicht von Hochverrath und Mord –
Dein Wunsch ist nur das Zeitbedürfniß,
Und Recht und Wahrheit ist dein Wort.

Der Wehrstand

Gott grüß euch, lieben Kriegesknechte!
Ihr seid die Friedensherren nun,
Wo sind noch Schlachten, wo Gefechte,
Seit Völkerhaß und Zwietracht ruhn?

Was wart ihr einst im deutschen Reiche?
Ein Eichwald schier mit Schwert und Speer;
Jetzt seid ihr an der deutschen Eiche
Die Mistel nur und sonst nichts mehr.






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