> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Der deutsche Wald Teil 1

2013-05-20

Die deutsche Heimat- Gedichte- Der deutsche Wald Teil 1

Wald mit Dorf





Johann Gottfried Herder


Der Wald und der Wanderer



 Der Wald



Komm, o komm in meine Schatten,

In der Ruhe Aufenthalt,
Wanderer der heißen Straße,
Wo Dein Herz unruhig wallt!

Meine frischen Zweige wehen
Lebenskraft dem Matten zu,
Und mein Atem duftet Balsam,
Neuen Mut und süße Ruh.

Schöner geht die Sonne nieder
Hinter meiner grünen Nacht;
Schöner kommt der Morgen wieder,
Wenn der Vögel Chor erwacht.

Schöner blinkt in mir die Quelle
Und der einsam stille See,
Wo die treue Turteltaube
girret deines Herzens Weh.

Der Wanderer

Rauschen Geister in den Lüften?
Spricht die Nymphe mir im Quell?
Oder steigen Götter nieder?
Denn mein Blick wird rein und hell.

Mit der Fichte Gipfel steiget
Meine Seele himmelwärts;
Mit der Birke Zweigen neiget
Sanft zur Ruhe sich mein Herz.

Und die grüne Fußtapete
Wiegt mich ein auf seidnem Moos;
Neben dieser goldnen Blume
Bin ich selig, und wie groß!

 Horch! aus jener alten Eiche
Tönt ein Bardenton hervor,
Und der Fichten Gipfel sausen
himmlischer; der Wald wird Chor:

»Wir, des Paradieses Geister,
In der Ruhe Aufenthalt,
segnen dich. Genieße fröhlich
unsern heil'gen stillen Wald!«


Max von Schenkendorf

Der Schwarzwald

Wie fröhlich hier im reichen Tal
die lieben Bäume stehn.
gereift an Gottes mildem Strahl,
geschützt von jenen Höh'n.

Ihr Kirschen und ihr Kästen sollt
noch manches Jahr gedeihn,
auch du Gutedel, fließend Gold,
auch du, Markgrafenwein.

Doch höher, immer höher zieht,
zum Walde zieht mich's hin,
dort nach dem dunkeln Gipfel sieht
ein liebetrunkner Sinn.

O Dreisam, süßer Aufenthalt,
o Freiburg, schöner Ort,
mich ziehet nach dem höchsten Wald
die höchste Sehnsucht fort.

Nicht schrecket mich im Höllenthor,
der grause Felsensteg,
weit über Land und Fels empor
zum Gipfel geht mein Weg.

Dein Wasser schöpf' ich in der Hand,
o Donau, frohe Fahrt!
verkünde nur im Morgenland
der Deutschen Sinn und Art.

Du mit dem weißen Wälderhut
und mit dem schwarzen Band,
o Mägdlein sittig, schön und gut,
grüß mir das deutsche Land.

Ich muß hinauf zum schwarzen Wald,
so liebend und allein,
dort soll fortan mein Aufenthalt
und meine Kirche sein.

Euch Bäume hat kein Mensch gestreut,
euch sä'te Gottes Hand,
ihr alten hohen Tannen seid
mir meines Gottes Pfand.

Durch eure schlanken Wipfel geht
sein wunderbarer Gang,
in euren grünen Zweigen weht
ein schauervoller Klang.

Das ist ein ferner Liebeston,
er klingt wohl tausend Jahr,
von Geistern, deren Zeit entflohn
und deren Burg hier war.-

Johann Wolfgang von Goethe

Gefunden

Ich ging im Walde 
So vor mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich 
Ein Blümlein stehn, 
Wie Sterne leuchtend, 
Wie Äuglein schön. 

Ich wollt es brechen, 
Da sagt' es fein: 
Soll ich zum Welken 
Gebrochen sein? 

Ich grub`s mit allen 
Den Würzlein aus, 
Zum Garten trug ich`s
Am hübschen Haus.

Ich pflanzt es wieder
Am kühlen Ort; 
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Joseph von Eichendorf

Abschied

O Täler weit, o Höhen, 
O schöner, grüner Wald, 
Du meiner Lust und Wehen 
Andächt'ger Aufenthalt! 
Da draußen, stets betrogen, 
Saust die geschäftge Welt, 
Schlag noch einmal die Bogen 
Um mich, du grünes Zelt! 

Wenn es beginnt zu tagen, 
Die Erde dampft und blinkt, 
Die Vögel lustig schlagen, 
Daß dir dein Herz erklingt: 
Da mag vergehn, verwehen 
Das trübe Erdenleid, 
Da sollst du auferstehen 
In junger Herrlichkeit! 

Da steht im Wald geschrieben 
Ein stilles, ernstes Wort 
Von rechtem Tun und Lieben, 
Und was des Menschen Hort. 
Ich habe treu gelesen 
Die Worte, schlicht und wahr, 
Und durch mein ganzes Wesen 
Wards unaussprechlich klar. 

Bald werd ich dich verlassen, 
Fremd in der Fremde gehn, 
Auf buntbewegten Gassen 
Des Lebens Schauspiel sehn; 
Und mitten in dem Leben 
Wird deines Ernsts Gewalt 
Mich Einsamen erheben, 

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