> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Der deutsche Wald Teil 2

2013-05-20

Die deutsche Heimat- Gedichte- Der deutsche Wald Teil 2





Joseph von Eichendorff

Abendlich schon rauscht der Wald

Abendlich schon rauscht der Wald 
Aus den tiefsten Gründen, 
Droben wird der Herr nun bald 
An die Sternlein zünden.
Wie so stille in den Schlünden,
Abendlich nur rauscht der Wald.

Alles geht zu seiner Ruh. 
Wald und Welt versausen, 
Schauernd hört der Wandrer zu, 
Sehnt sich recht nach Hause. 
Hier in Waldes stiller Klause, 
Herz, geh endlich auch zur Ruh.


Eduard Mörike

Am Walde

Am Waldsaum kann ich lange Nachmittage,
Dem Kuckuck horchend, in dem Grase liegen;
Er scheint das Tal gemächlich einzuwiegen
Im friedevollen Gleichklang seiner Klage.

Da ist mir wohl, und meine schlimmste Plage,
Den Fratzen der Gesellschaft mich zu fuegen,
Hier wird sie mich doch endlich nicht bekriegen,
Wo ich auf eigne Weise mich behage.

Und wenn die feinen Leute nur erst dächten,
Wie schön Poeten ihre Zeit verschwenden,
Sie würden mich zuletzt noch gar beneiden.

Denn des Sonetts gedrängte Kränze flechten
Sich wie von selber unter meinen Händen,
Indes die Augen in der Ferne weiden.
Theodor Storm

Im Walde

Hier an der Bergeshalde
Verstummet ganz der Wind;
Die Zweige hängen nieder,
Darunter sitzt das Kind.
Sie sitzt in Thymiane,
Sie sitzt in lauter Duft;
Die blauen Fliegen summen
Und blitzen durch die Luft.
Es steht der Wald so schweigend,
Sie schaut so klug darein;
Um ihre braunen Locken
Hinfließt der Sonnenschein.
Der Kuckuck lacht von ferne,
Es geht mir durch den Sinn:
Sie hat die goldnen Augen
Der Waldeskönigin.


Georg Trakl

Winkel am Wald

Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute
In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.
Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,
Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.

Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;
Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.
Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.
Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.

In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.
Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.
Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;
Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.

Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.
Bescheiden ist ihre Stätte wohl bereitet.
Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;
Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.


Karl Ernst Knodt

An den deutschen Wald

Ich hab in vielen Landen
Der weiten Welt gestanden.
Auf leichtbeschwingten Schritten
Durchflog Europas Mitten
Der wanderfrohe Fuss.

Ich sah Italiens Sonne,
Des hellen Hellas Wonne.
Ans Meer bin ich geflohen
- Doch gilt vor allem Hohen
Dem deutschen Wald mein Gruß.

Dem tiefen deutschen Walde
Auf hoher Bergeshalde,
Den Buchen und den Eichen
Kann sich auch nichts vergleichen,
Kein Fels, kein Firn, kein Fluss.

Das alles mag erheben,
Doch will sich deutsches Leben
Nur an den Wald gewöhnen:
Drum gilt vor allem Schönen
Dem deutschen Wald mein Gruß.

Im stillen Wälderträumen
Muss wildes Weh verschäumen.
Im frommen Waldgeniessen
Darf ich die Augen schliessen
Zu höchstem Hochgenuss.

Dass wir in Andacht neigen
Das Herz, lehrt Waldesschweigen;
Ja, dass ich Hände falte,
Lernt ich zuerst im Walde:

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