> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Flüsse, Seen und Meer Teil 3

2013-05-21

Die deutsche Heimat- Gedichte- Flüsse, Seen und Meer Teil 3






Emanuel Geibel


Aus den Ostseeliedern

Im Mittag glänzt die Sonne,
Es schweigt die See und ruht;
Blaugrün wie eines Pfauen Hals
Herschillert ihre Flut. 

Ich lieg' auf warmer Düne,

Vom feuchten Hauch gekühlt,
Und kann nicht satt mich schauen,
Wie Farb' in Farbe spült;

Wie blendend ihre Schwingen
Die Möwe senkt und hebt,
Und traumhaft fern am Horizont
Des Dampfschiffs Säule schwebt.


Es rauscht das Meer gelinde,
Gewölkumschleiert sinkt der Tag,
Und lockend ziehn im Winde
Gesang und Harfenschlag.

O laß dich nicht bezwingen,
Wie sehnsuchtsvoll dein Herz erbebt!
Das ist der Meerfrau Singen,
Das überm Wasser schwebt.

Sie sang dieselbe Weise,
Da sie hernieder ins Gewog
Mit Liebesarmen leise
Den König Harald zog.






Sanft verglimmt des Tages Helle
Und, vom letzten Strahl geküßt,
Liegt die glatte Meereswelle
Wie geschmolzner Amethyst.

Kaum ein Lüftchen rührt die Schwingen,
Schweigen rings und Abendglut!
Nur der Fischer leises Singen
Schwebt verhallend auf der Flut.

Jetzt erstirbt's; ihr Nachen gleitet
Ohne Laut dem Hafen zu,
Und um meine Seele breitet
Sich dein Zauber, Meeresruh'.





Heinrich Heine

Aus den Zyklen „Die Nordsee“

Abenddämmerung

Am blassen Meeresstrande
Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
Die Sonne neigte sich tiefer, und warf
Glührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und näher -
Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,
Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,
Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen -
Mir war, als hört ich verschollne Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst, als Knabe,
Von Nachbarskindern vernahm,
Wenn wir am Sommerabend,
Auf den Treppensteinen der Haustür,
Zum stillen Erzählen niederkauerten,
Mit kleinen horchenden Herzen
Und neugierklugen Augen; -
Während die großen Mädchen,
Neben duftenden Blumentöpfen,
Gegenüber am Fenster saßen,
Rosengesichter,
Lächelnd und mondbeglänzt.





Annette von Droste- Hülshoff

Der Weiher

Er liegt so still im Morgenlicht,
So friedlich, wie ein fromm Gewissen;
Wenn Weste seinen Spiegel küssen,
Des Ufers Blume fühlt es nicht;
Libellen zittern über ihn,
Blaugoldne Stäbchen und Karmin,
Und auf des Sonnenbildes Glanz
Die Wasserspinne führt den Tanz;
Schwertlilienkranz am Ufer steht
Und horcht des Schilfes Schlummerliede;
Ein lindes Säuseln kommt und geht,
Als flüstre's: Friede! Friede! Friede! -






    Das Schilf

»Stille, er schläft! stille, stille!
Libelle, reg' die Schwingen sacht,
Daß nicht das Goldgewebe schrille,
Und, Ufergrün, halt gute Wacht,
Kein Kieselchen laß niederfallen.
Er schläft auf seinem Wolkenflaum,
Und über ihn läßt säuselnd wallen
Das Laubgewölb' der alte Baum;
Hoch oben, wo die Sonne glüht,
Wieget der Vogel seine Flügel,
Und wie ein schlüpfend Fischlein zieht
Sein Schatten durch des Teiches Spiegel.
Stille, stille! er hat sich geregt,
Ein fallend Reis hat ihn bewegt,
Das grad zum Nest der Hänfling trug;
Su, Su! breit', Ast, dein grünes Tuch -
Su, Su! nun schläft er fest genug.«

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