> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Flüsse, Seen und Meer Teil 4

2013-05-21

Die deutsche Heimat- Gedichte- Flüsse, Seen und Meer Teil 4







Detlef von Liliencron


Aus dem Zyklus „Auf dem Deiche“

Es ebbt. Gemach dem Schlamm und Schlick umher
Entragen alte Wracks und Besenbaken, 
Und traurig hüllt ein graues Nebellaken
Die Hallig ein, die Watten und das Meer.

Der Himmel schweigt, die Welt ist freudenleer.
Nachrichten, Teufel, die mich oft erschraken,
Sind Engel gegen solchen Widerhaken,
Den heut im Herzen wühlt ein rauher Speer.

Wie sonderbar! Ich wollte schon verzagen
Und mich ergeben, ohne Manneswürde,
Da blitzt ein Bild hervor aus fernen Tagen:

Auf meiner Stute über Heck und Hürde
Weit der Schwadron voran seh' ich mich jagen
In Schlacht und Sieg, entlastet aller Bürde.




Halt, Mädchen, halt! und sieh dich um geschwind,
Viel Schiffe schaukeln westwärts durch die Wellen,
Viel hundert bugumspritzte Sturmgesellen,
Hengist und Horst befahlen Weg und Wind.

Du lachst mich aus und zeigst dich völlig blind,
So mögen aneinander sie zerschellen.
Hier aber blitzen Fliegen und Libellen,
Verzieh ein Stündchen, frisches Friesenkind.

Auch uns hat heut der Juni eingewiegt,
Und Schmetterlinge selbst, die Gauklerbande,
Sind durch die Frühlingsstürme nicht besiegt.

Auch hier ein Sommertag, an diesem Strande,
Wo alles schwirrt und flirrt und flitzt und fliegt,
Aus Freude flimmert selbst der Stein im Sande.




Theodor Storm

Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe, 
Und Dämmerung bricht herein; 
über die feuchten Watten 
Spiegelt der Abendschein.
Graues Geflügel huschet 
Neben dem Wasser her; 
Wie Träume liegen die Inseln 
Im Nebel auf dem Meer.
Ich höre des gärenden Schlammes 
Geheimnisvollen Ton, 
Einsames Vogelrufen - 
So war es immer schon.
Noch einmal schauert leise 
Und schweiget dann der Wind; 
Vernehmlich werden die Stimmen, 
Die über der Tiefe sind.



Franz Dingelstedt

Die Weser

Ich kenne einen deutschen Strom,
Der ist mir lieb und wert vor allen,
Umwölbt von ernster Eichen Dom,
Umgrünt von kühlen Buchenhallen.
Ihn hat nicht, wie den großen Rhein
Der Alpe dunkler Geist beschworen,
Ihn hat der friedliche Verein
Verwandter Ströme still geboren.

So taucht die Weser kindlich auf,
Von Bergen traulich eingeschlossen,
Und kommt in träumerischem Lauf
Durch grüne Aue herabgeflossen;
So windet sie mit leisem Fuß
Zum fernen Meere sich hiernieder
Und spiegelt mit geschwätzigem Gruß
Dem Ufer sanften Frieden wieder.

Doch hat sie in der Zeiten Flug
Gar manche große Mär’ erfahren,
Und ihre stille Woge trug
Viel Herrliches zu fernen Jahren.
Sie sah in ihrer Wälder Schoß
Zum ersten Mal den Adler wanken
Und von der deutschen Arme Stoß
Der ew’gen Roma Säulen schwanken.

Und als mit fester Eisenhand
Held Karl den deutschen Zepter führte,
Ha! wie sich da im Weserland
So manche Stimme kräftig rührte!
Da hörte man des Kreuzes Ruf
Mit hellem Klang an den Gestaden
Und sah der Frankenrosse Huf
Sich in den nord’schen Wellen baden.

So kündet sie euch manchen Traum
Aus ihrer Vorzeit grauen Tagen
Und sieht dabei des Lebens Baum
Stets frisch an ihren Ufern ragen.
Es glänzen in der lichten Flut
Der Klöster und der Burgen Trümmer,
Des Mondes Schein, der Sonne Glut,
Des Turmes und der Segel Schimmer.

Und meerwärts durch ihr Felsentor,
Durch immer wechselnde Gefilde
Geußt sie die Wellen leicht hervor
Wie jugendliche Traumgebilde.
In ihren Tiefen klar und rein
Hört ihr es seltsam wehn und rauschen
Und mögt bei stillem Abendschein

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