> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Mythen und Sagen Teil 7

2013-05-22

Die deutsche Heimat- Gedichte- Mythen und Sagen Teil 7

Kyfhäuser- Mythen und Sagen




Clemens Brentano

Die Lore Lay


Zu Bacharach am Rheine 
Wohnt' eine Zauberin, 
Sie war so schön und feine 
Und riß viel Herzen hin.

Und brachte viel' zu Schanden
Der Männer ringsumher, 
Aus ihren Liebesbanden 
War keine Rettung mehr.

Der Bischof ließ sie laden 
Vor geistliche Gewalt - 
Und mußte sie begnaden, 
So schön war ihr' Gestalt-



Er sprach zu ihr gerühret: 
"Du arme Lore Lay! 
Wer hat dich denn verführet 
Zu böser Zauberei?"

"Herr Bischof, laßt mich sterben, 
Ich bin des Lebens müd, 
Weil jeder muß verderben, 
Der meine Augen sieht.

Die Augen sind zwei Flammen, 
Mein Arm ein Zauberstab - 
O legt mich in die Flammen! 
O brechet mir den Stab!"

"Ich kann dich nicht verdammen, 
Bis du mir erst bekennt, 
Warum in deinen Flammen 
Mein eignes Herz schon brennt!

Den Stab kann ich nicht brechen, 
Du schöne Lore Lay! 
Ich müßte dann zerbrechen 
Mein eigen Herz entzwei."

Herr Bischof, mit mir Armen 
Treibt nicht so bösen Spott, 
Und bittet um Erbarmen 
Für mich den lieben Gott!

Ich darf nicht länger leben, 
Ich liebe keinen mehr - 
Den Tod sollt Ihr mir geben, 
Drum kam ich zu Euch her.

Mein Schatz hat mich betrogen, 
Hat sich von mir gewandt, 
Ist fort von mir gezogen, 
Fort in ein fremdes Land.

Die Augen sanft und wilde, 
Die Wangen rot und weiß, 
Die Worte still und milde, 
Das ist mein Zauberkreis.

Ich selbst muß drin verderben, 
Das Herz tut mir so weh, 
Vor Schmerzen möcht ich sterben, 
Wenn ich mein Bildnis seh.

Drum laßt mein Recht mich finden, 
Mich sterben wie ein Christ! 
Denn alles muß verschwinden, 
Weil er nicht bei mir ist."

Drei Ritter läßt er holen: 
"Bringt sie ins Kloster hin! 
Geh, Lore! -Gott befohlen 
Sei dein bedrückter Sinn.

Du sollst ein Nönnchen werden, 
Ein Nönnchen schwarz und weiß, 
Bereite dich auf Erden 
Zu deines Todes Reis'!"


Zum Kloster sie nun ritten, 
Die Ritter alle drei, 
Und traurig in der Mitten 
Die schöne Lore Lay.

"O Ritter, laßt mich gehen 
Auf diesen Felsen groß, 
Ich will noch einmal sehen 
Nach meines Lieben Schloß.


Ich will noch einmal sehen 
Wohl in den tiefen Rhein 
Und dann ins Kloster gehen 
Und Gottes Jungfrau sein." 


Der Felsen ist so jähe, 
So steil ist seine Wand, 
Doch klimmt sie in die Höhe, 
Bis daß sie oben stand.


Es binden die drei Reiter 
Die Rosse unten an 
Und klettern immer weiter 
Zum Felsen auch hinan.


Die Jungfrau sprach:"Da gehet 
Ein Schifflein auf dem Rhein; 
Der in dem Schifflein stehet, 
Der soll mein Liebster sein!


Mein Herz wird mir so munter, 
Er muß mein Liebster sein!"

Da lehnt sie sich hinunter 
Und stürzet in den Rhein.


Die Ritter mußten sterben, 
Sie konnten nicht hinab, 
Sie mußten all verderben 
Ohn Priester und ohn Grab.

Wer hat dies Lied gesungen? 
Ein Schiffer auf dem Rhein, 

Und immer hats geklungen 
Von dem Dreiritterstein:


Lore Lay! 
Lore Lay! 
Lore Lay! 
Als wären es meiner drei.

Ludwig Bechstein



Vom Kyffhäuser



Ich steh' auf dem Kyffhäuser

Und schaue den alten Bau,
Darunter wohnt der Kaiser,
Der Barbarossa grau.

Kommt, wie zu jenem Knaben
Nicht ein verschrumpfter Zwerg,
Mich köstlich zu begaben,
Und öffnet mir den Berg?

Und führt mich in die Hallen
Voll wunderbarer Pracht,
Wo aus den Truhen allen
Mir Gold entgegen lacht?

Und heisst mit beiden Händen
Mich saßen, so viel ich kann?
Ein Zwerg mit solchen Spenden
Wär' mir ein lieber Mann! —

Es klingen nicht Metalle,
Nicht Silber, Gold und Erz,
Doch wird es in der Halle
Mir wunderbar um's Herz.

Es klingen alte Sagen
Im Innern Mir empor,
Die schon in Kindertagen
Vernahm mein lauschend Ohr.

Ich konnte sie nicht fassen,
Doch rührt' es mich gar tief,
Daß unter'm Berg, verlassen,
Der alte Kaiser schlief.

Daß seines Bartes Haare
Geworden zu Silberstein,
Gewachsen im Lauf der Jahre
Durch seinen Tisch von Stein.

Und daß er sich ermunt're
All' hundert Jahr', der Mann,
Kopfschüttelnd sich verwundre,
Und wieder schlaft dann.

Tief unten die grünen Räume,
Hoch oben Sturmeswehn!
Ich stehe, sinne, säume,
Und möchte nicht wieder gehn.

Hinunter möcht' ich steigen,
Und knien am Steinaltar,
Mich tief vor dem Greise neigen,
Und küssen sein Silberhaar.

Mußt bleiben noch, begraben,
Tief unter dem alten Thurm,
Es fliegen noch die Raben

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