> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Mythen und Sagen Teil 8

2013-05-22

Die deutsche Heimat- Gedichte- Mythen und Sagen Teil 8






August Kopisch


Die Heinzelmännchen zu Köln

Wie war zu Köln es doch vor dem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
    Da kamen bei Nacht,
    Ehe man’s gedacht,
  Die Männlein und schwärmten
  Und klappten und lärmten,
      Und rupften
      Und zupften,
  Und hüpften und trabten
  Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän’ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
    Nahm Meißel und Beil
    Und die Säg’ in Eil,
  Und sägten und stachen
  Und hieben und brachen,
      Berappten
      Und kappten,
  Visierten wie Falken
  Und setzten die Balken...
Eh sich’s der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich -
    Und ächzten daher
    Mit den Säcken schwer!
  Und kneteten tüchtig
  Und wogen es richtig,
      Und hoben
      Und schoben,
  Und fegten und backten
  Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
    Das ging so geschwind
    Wie die Mühl’ im Wind!
  Die klappten mit Beilen,
  Die schnitzten an Speilen,
      Die spülten,
      Die wühlten,
  Und mengten und mischten
  Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
    Und schwefelten fein
    Alle Fässer ein,
  Und rollten und hoben
  Mit Winden und Kloben,
      Und schwenkten
      Und senkten,
  Und gossen und panschten
  Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt’ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
    Das schlüpften sie frisch
    In den Schneidertisch;
  Da schnitten und rückten
  Und nähten und stickten,
      Und faßten
      Und paßten,
  Und strichen und guckten
  Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
    Eins fähret nun aus,
    Schlägt hin im Haus,
  Die gleiten von Stufen
  Und plumpen in Kufen,
      Die fallen
      Mit Schallen,
  Die lärmen und schreien
  Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
    Ein jeder muß fein
    Selbst fleißig sein,
  Und kratzen und schaben
  Und rennen und traben
      Und schniegeln
      Und biegeln,
  Und klopfen und hacken
  Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!







August Schnezler

Zu Konstanz auf dem Dome

Zu Konstanz auf dem Dome
stand ich voll Lust und Weh,
durchwallt vom grünen Strom
weitum der blaue See,
und in den Abendgluten
hob rosig aus den Fluten
Tirol der Alpen Schnee.

Horch! klang´s nicht aus den Tiefen
und von des Ufers Kranz,
als ob sich Nixen riefen
zum Abendringeltanz?
„Herab zu mir, du Wandrer!
Hier unten blüht ein andrer,
ein frischerer Lebensglanz“-

Die Glocke von dem Dome
klang mich so traurig an;
da schwamm im Sternenstrome
der Fürst der Nacht heran:
Sanft lächelnd durch die Wogen
kam still der Mond gezogen
in seinem Wolkenkahn.

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