> Gedichte und Zitate für alle: Die deutsche Heimat- Gedichte- Städte und Ortschaften Teil 5

2013-05-21

Die deutsche Heimat- Gedichte- Städte und Ortschaften Teil 5

Fluß und Stadt






Friedrich Hölderlin

Heidelberg



Lange lieb' ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,

Mutter nennen, und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
         Ländlichschönste, so viel ich sah.
Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
   Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
      Leicht und kräftig die Brücke,
         Die von Wagen und Menschen tönt.
Wie von Göttern gesandt, fesselt' ein Zauber einst
   Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging,
      Und herein in die Berge
         Mir die reizende Ferne schien,
Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
   Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
      Liebend unterzugehen,
         In die Fluten der Zeit sich wirft.
Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
   Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
      All' ihm nach, und es bebte
         Aus den Wellen ihr lieblich Bild.
Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
   Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
      Von den Wettern zerrissen;
         Doch die ewige Sonne goss
Ihr verjüngendes Licht über das alternde
   Riesenbild, und umher grünte lebendiger
      Efeu; freundliche Wälder
         Rauschten über die Burg herab.
Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
   An den Hügel gelehnt, oder dem Ufer hold,
      Deine fröhlichen Gassen
         Unter duftenden Gärten ruhn.


J. W. v. Goethe



Dornburg

September 1828

Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten
Nebelschleiern sich enthüllen,
Und dem sehnlichsten Erwarten
Blumenkelche bunt sich füllen,
Wenn der Äther, Wolken tragend,
Mit dem klaren Tage streitet,
Und ein Ostwind, sie verjagend,
Blaue Sonnenbahn bereitet,
Dankst du dann, am Blick dich weidend,
Reiner Brust der Großen, Holden,
Wird die Sonne, rötlich scheidend,
Rings den Horizont vergolden.
Gerrit Engelke

Stadt

Zehntausend starre Blöcke sind im Tal errichtet,
Aus: Stein auf Stein um Holz- und Eisenroste hochgeschichtet;
Und Block an Block zu einem Berg gedrückt,
Von Dampfrohr, Turm und Bahn noch überbrückt,
Von Draht, der Netz an Netze spinnt.
Der Berg, von vielen Furchen tief durchwühlt:
Das ist das große Labyrinth,
Dadurch das Schicksal Mensch um Menschen spült.

Fünfhunderttausend rollt im Kreis das große Leben
Durch alle Rinnen fort und fort in ungeheurem Streben:
In Kaufhaus, Werkstatt, Saal und Bahnhofshalle,
In Schule, Park, am Promenadenwalle,
Im Fahrstuhlschacht, im Bau am Krahn,
Treppauf und ab, durch Straßen über Plätze,
Auf Wagen, Rad und Straßenbahn:
Da schäumt des Menschenstrudels wirre Hetze.

Fünfhunderttausend Menschen rollt das große Leben
Durch alle Rinnen fort und fort in ungeheurem Streben.
Und karrt der Tod auch Hundert täglich fort,
Es braust der Lärm wie sonst an jedem Ort.
Schleppt er vom Hammer-Block den Schmied,
Schleppt er vom Kurven-Gleis den Wagenleiter:
Noch stärker brüllt das Straßenlied:

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