> Gedichte und Zitate für alle: Die vier Jahreszeiten- Deutsche Gedichte- Der Frühling Teil 1

2013-05-22

Die vier Jahreszeiten- Deutsche Gedichte- Der Frühling Teil 1

Frühling tanzende frauen





Johann Wolfgang von Goethe


Osterspaziergang


Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt's im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus den Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluß in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Alle Vögel sind schon da,
alle Vögel, alle.
Welch ein Singen, Musiziern,
Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern!
Frühling will nun einmarschiern,
kommt mit Sang und Schalle.

Wie sie alle lustig sind,
flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
und die ganze Vogelschar
wünschen dir ein frohes Jahr,
lauter Heil und Segen.

Was sie uns verkünden nun,
nehmen wir zu Herzen:
Wir auch wollen lustig sein,
lustig wie die Vögelein,
hier und dort, feldaus, feldein,
singen, springen, scherzen.

Heinrich Heine

Leise zieht durch mein Gemüt

Leise zieht durch mein Gemüt 
Liebliches Geläute. 
Klinge, kleines Frühlingslied. 
Kling hinaus ins Weite.
Kling hinaus, bis an das Haus, 
Wo die Blumen sprießen. 
Wenn du eine Rose schaust, 
Sag, ich laß sie grüßen.
Ludwig Uhland

Mailied

Wenig hab`ich noch empfunden
Von der werthen Frühlingszeit;
All die Luft und Liebigkeit
hat zu mir nicht Bahn gefunden.
Ach, was soll ein Herz dabei,
Das sich so zerrissen fühlet?
Jetzt empfind`ich erst den Mai,
Seit der Sturm in Blüthen wühlet.

Detlef von Liliencron

Märztag

Wolkenschatten fliehen über Felder,
blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen
überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;
kurzes Glück träumt durch de weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen“
wollt’ es halten, mußt’ es schwimmen lassen.






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