> Gedichte und Zitate für alle: Die vier Jahreszeiten- Deutsche Gedichte- Der Sommer Teil 2

2013-05-22

Die vier Jahreszeiten- Deutsche Gedichte- Der Sommer Teil 2







Heine Heine

Dämmernd liegt der Sommerabend
Über Wald und grünen Wiesen; 
Goldner Mond, im blauen Himmel
Strahlt herunter, duftig labend. 

An dem Bache zirpt die Grille,
Und es regt sich in dem Wasser,
Und der Wandrer hört ein Plätschern
Und ein Atmen in der Stille. 


Dorten, an dem Bach alleine,
Badet sich die schöne Elfe;
Arm und Nacken, weiß und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.
   

Eduard von Bauernfeld

In Sommer

Ich ging mit meinem Mädchen
Auf einsamen Pfade,
Spätsommer zog silberne Fädchen,
Es zirpte die Cicade.

Ich thät' das liebe herzige Kind
In meine Arme schließen —
Es wehte die Luft so mild, so lind!
Das nennt man den Sommer genießen.
Detlev von Liliencron 

Sommer
     
Zwischen Roggenfeld und Hecken 
Führt ein schmaler Gang; 
Süßes,  seliges Verstecken 
Einen Sommer lang.  
     
Wenn wir uns von ferne sehen, 
Zögert sie den Schritt,
Rupft ein Hälmchen sich im Gehen, 
Nimmt ein Blättchen mit.    
     
Hat mit Ähren sich das Mieder 
Unschuldig geschmückt, 
Sich den Hut verlegen nieder 
In die Stirn gedrückt.    
     
Finster kommt sie langsam näher, 
Färbt sich rot wie Mohn; 
Doch ich bin ein feiner Späher, 
Kenn die Schelmin schon.     
     
Noch ein Blick in Weg und Weite, 
Ruhig liegt die Welt, 
Und es hat an ihre Seite 
Mich der Sturm gestellt. 

Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang;
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.

  

Theodor Storm

An einem schönen Sommerabende
Lieblich senkt die Sonne sich, 
Alles freut sich wonniglich
In des Abends Kühle! 
Du gibst jedem Freud und Rast,
Labst ihn nach des Tages Last
Und des Tages Schwüle. 
Horch, es lockt die Nachtigall,
Und des Echos Widerhall
Doppelt ihre Lieder!  
Und das Lämmchen hüpft im Tal,  
Freude ist jetzt überall,
Wonne senkt sich nieder! 
Wonne in des Menschen Brust,
Der der Freud ist sich bewusst,
Die ihm Gott gegeben, 
Die du jedem Menschen schufst,
Den aus nichts hervor du rufst  
Auf zum ew'gen Leben.



Karl Gerok

Sommers Neige.

Schon sind die längsten Tage
Voll Duft und Glanz verglüht,
Schon am bestaubten Hage
Die Rosen abgeblüht,
Auch dieses Sommers Wonnen,
Im Flug gekostet kaum,
Verschwunden und zerronnen,
Vorüber, wie ein Traum!

Ein Heer von Rosen blühte,
Nicht Eine ward gepflückt,
Der längste Tag verglühte,
Kaum hab ich ihn erblickt;
Das Lied der Nachtigallen,
Kaum hab ich ihm gelauscht,
Mit seinen Wonnen allen
Ist bald das Jahr verrauscht.

In meinen Kinderzeiten
Wie endlos war ein Jahr,
Wo neue Seligkeiten
Ein jeder Tag gebar!
Wie in der Rose Grunde
Die Biene sich vergräbt,
So hab ich jede Stunde
Durchkostet und durchlebt.

Nun aber fliehn wie Schatten
In trübem Einerlei
Die Jahre mir am matten,
Am satten Geist vorbei;
Die Klage tönt vergebens,
Nur schneller ohne Ruh
Drängt sich der Strom des Lebens
Dem letzten Sturze zu.

Wohlan, mein Strom, so stürze
Dich mutig in dein Grab,
Wohlan, mein Gott, so stürze
Der Rage Rest mir ab,
Verklungen und gewesen
Ist dann so Lust, als Leid,
Und, von der Zeit genesen,

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