> Gedichte und Zitate für alle: Die vier Jahreszeiten- Deutsche Gedichte- Der Winter Teil 4

2013-05-22

Die vier Jahreszeiten- Deutsche Gedichte- Der Winter Teil 4

Winter und alte Leute-Gedichte





Max von Schenkendorf


Im Winter

Die Tage sind so dunkel,

Die Nächte lang und kalt,
Doch übet Sternenfunkel 
Noch über uns Gewalt.

Und sehen wir es scheinen
Aus weiter, weiter Fern,
So denken wir, die Seinen,
Der Zukunft unsres Herrn.

Er war einmal erschienen
In ferner sel'ger Zeit,
Da waren, ihm zu dienen,
Die Weisen gleich bereit.

Der Lenz ist fortgezogen,
Der Sommer ist entflohn:
Doch fließen warme Wogen,
Doch klingt ein Liebeston.

Es rinnt aus Jesu Herzen,
Es spricht aus Jesu Mund,
Ein Quell der Lust und Schmerzen,
Wie damals, noch zur Stund'.

Wir wollen nach dir blicken,
O Licht, das ewig brennt,
Wir wollen uns beschicken
Zum seligen Advent!

Adelbert von Chamisso


Der erste Schnee

Der leise schleichend euch umsponnen 
Mit argem Trug,  eh  ihr' s gedacht,  
Seht,  seht den Unhold! über Nacht 
Hat er sich andern Rat ersonnen. 
Seht,  seht den Schneenmantel wallen! 
Das ist des Winters Herrscherkleid,
Die Larve lässt der Grimme fallen; – 
Nun wisst ihr doch,  woran ihr seid.
Er hat der Furcht euch überhoben,  
Lebt auf zur Hoffnung und seid stark; 
Schon zehrt der Lenz an seinem Mark. 
Geduld, und mag der Wütrich toben 
Geduld, schon ruft der Lenz die Sonne,  
Bald weben sie ein Blumenkleid,  
Die Erde träumet neue Wonne,  – 
Dann aber träum'  ich neues Leid!




Friedrich Rückert

Statt Blatt und Blüten, die vom nackten Leibe 
Der Nordwind abgeschüttelt hat den Bäumen, 
Statt Blum und Gras, die von des Rockes Säumen 
Herbst hat entpflückt Natur, dem armen Weibe, 
Sät jetzt der Winter an des Fensters Scheibe 
Frostblumen aus und auf den öden Räumen 
Schneeblüten, dass damit, als blassen Träumen 
Vom Lenz, ihr Spiel des Lenzes Sehnsucht treibe. 
Die Sehnsucht aber sitzt bei mir im Zimmer, 
Blickt aus nach dem von ihr getrennten Lenze, 
Den sie dort sitzen sieht in einem Stübchen; 
Dort sitzt er hell im eignen Sonnenschimmer, 
Auf seinen Locken alle Liebeskränze, 
Und alle Rosen um der Wange Grübchen.
Müller Wilhelm

Mut!

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl' ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing' ich hell und munter.

Höre nicht, was es mir sagt, 
Habe keine Ohren;
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.

Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,

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