> Gedichte und Zitate für alle: Abschied und Abschiedslieder in Gedichten Teil 3

2013-06-06

Abschied und Abschiedslieder in Gedichten Teil 3









Gottfried Keller

Abschiedslied

Von Berg und grünen Weiden
Steigt nieder der Genoß,
Und wieder heißt es meiden,
Was treue Lieb umschloß!
Die letzten Jugendtage
Sind eben nun verrauscht, 
Mit rauhem Flügelschlage 
Der Wind ein Segel bauscht.

So geh zu Schiff, Geselle!
Und fahre deine Bahn!
Das mutige Wehen schwelle
Dir alle Segel an!
Doch stet, wie deine Ehre,
Und treulich, wie dein Sinn,
So tragen dich die Meere
Zu der Atlantis hin!

An Weltmeers Silberschäumen,
Durch fernes Palmengrün
Such nicht in wehem Träumen
Der Heimat Firnenglühn!
Doch siehst du bang sich sehnen
Verlaßnes Schweizerblut,
Da hilf und still die Tränen:
Das steht den Schweizern gut!

So schreite fest, umwandre
Die Welt an Wundern reich!
Kehr einst und find uns andre,
Will's Gott, uns selber gleich!
Du kennst die besten Bande,
Die Altes binden neu:
Bleib treu dem Vaterlande,
So bleibst dir selber treu!


Gustav Falke

Abschied

Lebewohl, Annegret, einen letzten Kuß!
Jetzt geht es zum Dorf hinaus.
Und hoch das Gesicht! Und jetzt mach Schluß
und wisch dir die Augen aus.

Dein rotes Röselein aber hüt,
Annegret, und bleibe mir treu,
und wenn - und wenn es auch bald verblüht,
übers Jahr blüht's wieder neu.

Und wenn - und wenn ich nicht wiederkehr,
übers Jahr Annegret, übers Jahr,
so weine du nicht gar zu sehr,
Soldaten sind nicht rar.

Ein andrer faßt dich bei der Hand,
Musketier oder Kanonier,
dieweil ich träum im welschen Sand
von Deutschland und von dir.

Wilhelm Busch

Ach, wie eilte so geschwinde
Dieser Sommer durch die Welt:
Herbstlich rauscht es in der Linde,
Ihre Blätter mit dem Winde
Wehen übers Stoppelfeld.

Hörst du in den Lüften klingend
Sehnlich klagend das Kuru?
Wandervögel, flügelschwingend,
Lebewohl der Heimat singend,
Ziehn dem fremden Lande zu.

Morgen muß ich in die Ferne.
Liebes Mädchen, bleib mir gut.
Morgen lebt in der Kaserne,
Daß er exerzieren lerne,
Dein dich liebender Rekrut.


Rainer Maria Rilke

Abschied

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ.
Zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes –, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.


Alfred Lichtenstein

Abschied

Wohl war ganz schön, ein Jahr Soldat zu sein.
Doch schöner ist, sich wieder frei zu fühlen.
Es gab genug Verkommenheit und Pein
In diesen unbarmherzgen Menschenmühlen.

Sergeanten, Bretterwände, lebet wohl.
Lebt wohl, Kantinen, Marschkolonnenlieder.
Leichtherzig laß ich Stadt und Kapitol.
Der Kuno geht, der Kuno kommt nicht wieder.

Nun, Schicksal, treib mich, wohin dir gefällt.
Ich zerre nicht an meiner Zukunft Hüllen.
Ich hebe meine Augen in die Weit.
Ein Wind fängt an. Lokomotiven brüllen.

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