> Gedichte und Zitate für alle: Das Glück in Gedichten deutscher Dichter Teil 2

2013-06-07

Das Glück in Gedichten deutscher Dichter Teil 2








August Heinrich Hoffmann von Fallersleben


Statistische Glückseligkeit

Unsers ganzen Wohlstands Quellen

Siehst du alle hell und klar

Uebersichtlich in Tabellen
Jahr für Jahr und bis auf's Haar.



Hier zehn Schafe mehr geschoren,
Dort ein neues Lagerbier,
Dort drei Ochsen mehr geboren,
Und ein Drittel Seele hier.

Welch ein Wachsthum zum Entzücken!
Lauter höhere Cultur,
Lauter Streben zum Beglücken!
Und wir sind das Glückskind nur.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Glücklich, wer auf Gott vertraut

Glücklich, wer auf Gott vertraut
Und bei trüben Tagen
In die fernste Zukunft schaut
Sonder Angst und Zagen.

Nichts hat in der Welt Bestand:
War da kommt, muß scheiden,
Und so reichen sich die Hand
Immer Freud 'und Leiden.

Hat der Himmel Müh 'und Schmerz
Einmal Dir beschieden -
Sei getrost! Ein jedes Herz
Findet seinen Frieden.

Detlev von Liliencron 

Glückes genug

Wenn sanft du mir im Arme schliefst,
Ich deinen Atem hören konnte,
Im Traum du meinen Namen riefst,
Um deinen Mund ein Lächeln sonnte -
Glückes genug.

Und wenn nach heißem, ernstem Tag
Du mir verscheuchtest schwere Sorgen,
Wenn ich an deinem Herzen lag
Und nicht mehr dachte an ein morgen -
Glückes genug.
Otto Julius Bierbaum

Glück

Ich bin so voll von Liebe,
Wie die Traube ist voll von Süße,
Mein Herz ist wie im Sommer
Der volle Apfelbaum.

Ich gehe stille Wege
Mit ruhigem Gemüte,
Der hohe blaue Himmel
Ist mir kein leerer Raum.

Ich bin mit allem Leben
Verwurzelt und verwachsen,
Die Sonne ist meine Mutter,
Gott ist mein schönster Traum.


Eduard von Bauernfeld

Das Glück

"Ei, was stürmst du doch so gerne
Auf dem hohen Roß dahin?
Trägt dich wieder in die Ferne,
Sprich, dein ungemessner Sinn?

"Freund, mein Freund, mir ewig theuer
Bist so frisch und jung und stark,
Und doch zehrt ein fressend Feuer.
Scheint's, an deines Lebens Mark." -

"Wenn es zehrt, so laß es zehren;
Willst du wissen, was mich quält?
Liebe, glühendes Begehren
Ist's, das in der Haft mich hält."

Mit dem Worte sprengt er weiter.
Und der Freund, sein Angesicht
Wendend nach dem wilden Reiter,
Lächelnd, doch mit Milde, spricht:

"Was nicht ist, das kann noch werden,
Nimmer dauert Liebespein;
Viele Mädchen gibt's auf Erden,
Muß es grade diese sein?"


"Nun, mein Freund, die Jahre schwanden,
Und ich finde dich zu Haus;
Finde dich in süßen Banden,
Doch du siehst nicht glücklich aus." —

"Glücklich? Hm! Ich bin's." — "Bisweilen!
Aber etwas fehlt dir doch.
Will dein krankes Herz nicht heilen?
Oder drückt das Ehejoch?" —

"Nein, du irrst! Von dieser Seite
Bin ich glücklich, bin beglückt;
Und doch ist die Brust im Streite
Mit dem Kummer, der sie drückt.

"Keine Arbeit will ich meiden,
Rastlos kämpfen Tag und Nacht;
Nur des Ruhms, den sie mir neiden,
Nur des Ruhms bin ich bedacht."

"Was nicht ist, das kann noch werden,
Gönn' dir Ruhe, gönn' dir Rast;
Nur wer ausharrt, wirkt auf Erden;
Drum genieße, was du hast."


Manches lange Jahr vergangen,
Kam der Freund. "Der Ruhm ist dein",
Rief er, "deine Sterne prangen;
Jetzt doch wirst du glücklich sein?"

"Glücklich? Ja, ich bin's! Doch Alle
Sollten's sein — mein Land ist's nicht!"
Jener drauf: „In diesem Falle
Schaffe, was dem Land gebricht."

"Ja, das will ich! Schaffen, schaffen,
Was kein Anderer zuvor;
Mit des Geistes stärksten Waffen
Heben sie zum Licht empor.

"Schon der Knabe wollt' es meinen,
So der Jüngling, so der Mann;
Glücklich preis ich nur den Einen,
Der ein Volk beglücken kann."

"Was nicht ist, das kann noch werden,
Völker sind wie Wolk' und Wind,
Und sie leben hin auf Erden
Glücklich, wie sie eben sind."


Viele, viele Jahre schwanden,
Und der Staatsmann, hoch geehrt,
Gab den vielverzweigten Landen
Was das Land, die Zeit begehrt.

Von der reinsten Glut getrieben,
War's ihr Glück, worauf er sann,
Und im Kreise seiner Lieben
Saß der kräftigalte Mann.

Und der Freund, so treu und bieder,
An dem Stabe kam gebückt;
"Herr", so rief er, "sieh mich wieder;
Bist du endlich nun beglückt?"

Jener faßte, kaum erkennend
Erst die wankende Gestalt,
Doch für Freundschaft heiß entbrennend,
Jenes Greisen Hand, so kalt.

Und sie dachten alter Zeiten,
Alten Schmerzes, alter Luft,
Dachten an das wilde Streiten
Der bewegten Jünglingsbrust.

"Ja, ich steh' am hohen Ziele",
Rief der Edle lebhaft aus,
"Und beglückt durch mich sind Viele,
Glücklich ist mein Land, mein Haus!

"Ob mir selbst das Glück beschieden?
Wechselnd ist des Menschen Sinn!
Run, ihr seid mit mir zufrieden,
Gilt's doch gleich, ob ich es bin.

"Aber deine Knie wanken,
Freund, dein Angesicht ist bleich.'" —
"Ei, ich war nur in Gedanken." —
"Schwindelt dir?" — "Es gibt sich gleich."

"Nimm den Arm!" — "Es wird sich geben,
Sag' erst, ob du glücklich bist?" —
"Glücklich? Ach, wer ist's im Leben?
Und wer glaubt es, wenn er's ist?

"Nur im ewig Weiterschreiten,
Ja, im Streben nur ist Glück;
Drum gib jene frühern Zeiten,
Gib die Jugend mir zurück!" —

Was nicht ist, das kann noch werden,
Abendroth — ist Morgenroth."
Lächelnd sinkt der Greis zur Erden,
Die die letzte Rast ihm bot.






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