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2013-06-06

Gedichte deutscher Dichter zum Thema Abend Teil 3






Theodor Storm

Abends

Die Drossel singt, im Garten scheint der Mond;
Halb träumend schwankt im Silberschein die Rose.
Der Abendfalter schwingt sich sacht heran,
Im Flug zu ruhn an ihrem zarten Moose.

Nun schwirrt er auf - doch sieh! er muß zurück;
Die Rose zwingt ihn mit gefeitem Zügel.
An ihrem Kelche hängt der Schmetterling,
Vergessend sich und seine bunten Flügel. --

Die Drossel singt, im Garten scheint der Mond;
Halb träumend wiegst du dich in meinen Armen.
O gönne mir der Lippen feuchte Glut,
Erschließ den Rosenkelch, den liebewarmen!

Du bist die Blume, die mich einzig reizt!
Dein heller Blick ist ein gefeiter Zügel!
An deinen Lippen hängt der Schmetterling,
Sich selbst vergessend und die bunten Flügel.


Detlev von Liliencron

Der Abend sinkt

Ich sehne mich, am Schluß der Dissonanzen,
Die auch den sommerhellsten Tag verschneien,
Nach frohen Stunden endlich, bürdefreien,
Um hinter guten Wein mich zu verschanzen.

Nach Witz und freiem Wort, statt Schild und Lanzen,
Nach warmen Schüsseln, Firlefanzereien,
Nach schönen Frauen, Liedern und Schalmeien,
Nach Tänzerinnen, die Fandango tanzen.

Auf Polstern liegend mit dem Nargileh,
Vertreib ich, wie die Hummeln aus dem Klee,
Mit blauem Rauch die letzten Sorgensummer.

Im Garten draußen heult, ganz ohne Kummer,
Der Sturm und stemmt den ungeschlachten Nacken
An meine Klause, daß die Pfosten knacken.


Heinrich Seidel

Am Abend

Sinkt der Tag in Abendgluthen,
Schwimmt das Thal in Nebelfluthen.

Heimlich aus der Himmelsferne
Blinken schon die goldnen Sterne.

Flieg’ zu Nest und schwimm’ zum Hafen!
Gute Nacht, die Welt will schlafen!


Johann Meyer

Abend

Schon schläft mit leisem Dunkeln
Die große Welt in Frieden ein,
Und traut am Himmel funkeln
Die gold'nen Sternelein.

Es flüstern rings die Bäume,
Es schlägt im Hain die Nachtigall,
Und tausend süße Träume
Durchschweben still das All.

Ob sie aus Blüten wallen,
Ob sie ein Herz voll Weh gesandt,
Es winkt und lächelt allen
Der Liebe Heimatland.

O, du mein Herz, nun wiege
Das Heimweh, das dich quält, zur Ruh'
Und still im Traume fliege
Dem Ziel der Sehnsucht zu!


Paul Heyse

Abend auf der Heide

Überm Moorgrund still und schaurig
Wie der Tag so rot verglüht!
Fern ein Vogel pfeift noch traurig,
Heimwehbange, wandermüd.

Nun die bleichen Nebel geisten
Wie Gespenster heimatlos,
Eilen nestwärts all die dreisten
Waldestiere klein und groß.

Nur der Hirsch, so scheu am Tage,
Tritt hervor am Waldeshang,
In dem ernsten Aug die Frage:
Wird denn dir nicht heimwehbang?

Weißt du nicht, daß jetzt in diesen
Weiten böser Spuk beginnt?
Wagst du's mit den Schattenriesen,
Aberwitzig Menschenkind?

Sieh, ich selbst, der Fürst der Heide,
Ducke schauernd mein Geweih,
Stürmt im grauen Zottenkleide
Nachts der Nebelwolf vorbei.

Schlürfend trinkt er aus den Lachen,
Trabt dahin auf dunkler Spur,
Und die Föhrenäste krachen,
Und es bebt die Kreatur.

Wehe, wer ihm kreuzt die Pfade!
Eisig pfaucht sein Schlund ihn an.
Siehst du? – dort! – daß Gott dir gnade! – –
Pfeilschnell flieht der Hirsch vondann.


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