> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte mit dem Thema Sommer-"Sommergedichte" Teil 4

2013-06-04

Gedichte mit dem Thema Sommer-"Sommergedichte" Teil 4








Gottfried Keller


Das ist doch eine üppige Zeit,
Wo alles so schweigend blüht und glüht
Und des Sommers stolze Herrlichkeit
Still durch die grünenden Lande zieht.


Das Himmelblau und der Sonnenschein,
Die zehren und trinken mich gänzlich auf!
Ich welke dahin in müßiger Pein,
In Rosen versiegt mein Lebenslauf!

Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,
Nachdenklich und düster auf brennender Au!
Ich höre ein heimliches Dröhnen gehn
Rings in der Berge dämmerndem Blau.

Ich sehne mich nach Gewitternacht,
Nach Sturm und Regen und Donnerschlag!
Nach einer tüchtigen Freiheitsschlacht
Und einem entscheidenden Völkertag!
 Theodor Storm 

An einem schönen Sommerabende
Lieblich senkt die Sonne sich, 
Alles freut sich wonniglich
In des Abends Kühle! 
Du gibst jedem Freud und Rast,
Labst ihn nach des Tages Last
Und des Tages Schwüle.

Horch, es lockt die Nachtigall,
Und des Echos Widerhall
Doppelt ihre Lieder!  
Und das Lämmchen hüpft im Tal,  
Freude ist jetzt überall,
Wonne senkt sich nieder! 

Wonne in des Menschen Brust,
Der der Freud ist sich bewusst,
Die ihm Gott gegeben, 
Die du jedem Menschen schufst,
Den aus nichts hervor du rufst  
Auf zum ew'gen Leben.
 Georg Trakl 

Sommer
    
Am Abend schweigt die Klage 
Des Kuckucks im Wald. 
Tiefer neigt sich das Korn, 
Der rote Mohn.
    
Schwarzes Gewitter droht 
Über dem Hügel. 
Das alte Lied der Grille 
Erstirbt im Feld.
    
Nimmer regt sich das Laub 
Der Kastanie.  levrai.de 
Auf der Wendeltreppe 
Rauscht dein Kleid.
    
Stille leuchtet die Kerze 
Im dunklen Zimmer; 
Eine silberne Hand    
Löschte sie aus;

Eduard von Bauernfeld

In Sommer

Ich ging mit meinem Mädchen
Auf einsamen Pfade,
Spätsommer zog silberne Fädchen,
Es zirpte die Cicade.

Ich thät' das liebe herzige Kind
In meine Arme schließen —
Es wehte die Luft so mild, so lind!
Das nennt man den Sommer genießen.


Ernst Stadler

Sommer

Mein Herz steht bis zum Hals in gelbem Erntelicht
wie unter Sommerhimmeln schnittbereites Land.
Bald läutet durch die Ebenen Sichelsang:
mein Blut lauscht tief mit Glück gesättigt
in den Mittagsbrand.
Kornkammern meines Lebens, lang verödet,
alle eure Tore sollen nun wie Schleusenflügel offen stehn,
Über euern Grund wird wie Meer
die goldne Flut der Garben gehn.



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