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2013-06-06

Gedichte zum Thema Abschied Teil 1






Johann Wilhelm Ludwig Gleim


Abschied

Liebes Hüttchen, lebe wohl!
Ich verlasse, weil ich soll,
Dich, mein Hüttchen! – Tausend Freuden
Gab der Freudengeber mir,
Ohne mein Verdienst, in dir;

Gab Geduld in allem Leiden,
Ewig dank' ich Ihm dafür!

Endlich soll ich von dir scheiden;
Hüttchen, liebstes, ach, ich soll,
Muß nun gehn aus dir heraus,
In ein andres kleines Haus:
Liebes Hüttchen, lebe wohl!

















Johann Martin Miller

Abschiedslied

Traurig sehen wir uns an,
Achten nicht des Weines!
Jeder schlägt die Augen nieder,
Und der hohen Freudenlieder
Schallet heute keines.

Nun so soll ein Trauerlied
Dir, o Freund, erschallen!
Trinket jeder ihm zur Ehre,
Ach, und laßt der Trennung Zähre
In den Becher fallen.

Zeuch in fernes Land, und denk
Unsers Bunds hienieden!
Dort am Sternenhimmel, Bester!
Knüpft die Ewigkeit ihn fester!
Leb indes in Frieden!

Edel warest du und treu,
Fromm und deutsches Herzens!
Bleib es, Lieber! Edeln Seelen
Kann's an Freuden nirgends fehlen!
Und vergiß des Schmerzens!

Heilig war uns mancher Tag,
Mancher Abend heilig!
Freundschaft gab uns alles Gutes,
Freundschaft macht' uns hohes Mutes!
Ach! und schwand so eilig!

Nun noch eins zu guter Letzt,
Unserm Freund zu Ehren!
Heute sind wir noch vereinet!
Morgen, wenn die Stund' erscheinet,
Fließen unsre Zähren!


















Joseph von Eichendorff

Abschied

Abendlich schon rauscht der Wald
Aus den tiefen Gründen,
Droben wird der Herr nun bald
An die Sterne zünden,
Wie so stille in den Schlünden,
Abendlich nur rauscht der Wald.

Alles geht zu seiner Ruh,
Wald und Welt versausen,
Schauernd hört der Wandrer zu,
Sehnt sich recht nach Hause,
Hier in Waldes grüner Klause
Herz, geh endlich auch zur Ruh!


















Abschied

Joseph von Eichendorff

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächtger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäftge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben
Ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Tun und Lieben,
Und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte, schlicht und wahr,
Und durch mein ganzes Wesen
Wards unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde gehn,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
Wird deines Ernsts Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt.

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