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2013-06-03

Gedichte zum Thema Gewitter, Unwetter Teil 2






Nikolaus Lenau

Gewitter


Der Seele klarer Himmel hängt
Voll zürnender Gedanken,
Und mancher laute Seufzer drängt
Sich aus der Brust, der kranken.

Unheimlich blitzt des Auges Stern
Und sucht umsonst nach Zielen.
Laß ab! ich weiß, du möchtest gern
Dich an der Träne kühlen.

Sie blinkt nicht mehr im Auge hohl,
An dem die Gluten zehren! –
Doch jetzt, wie wirds der Brust so wohl!
Darf sie vom Schmerz sich leeren?

Im Auge glüht das Abendrot,
Die Wolken sind zerrissen.
Verspricht dies Leben oder Tod?
Die bange Brust möchts wissen.

Verklärten sich die Wolken nur,
Den Tod mir anzusagen?
Ach! oder ists die erste Spur
Von schönern Erdentagen? 

Von neuem Glück! Die Glut erlischt,
Sie soll nichts mehr verheeren;
Denn in die junge Freude mischt
Sich mild der Tau der Zähren!

Johann Kleinfercher

Ungewitter

Horch und sieh! Die Blitze dröhnen
Und die dumpfen Täler stöhnen,
Die Natur im Fiebertraum
Wälzt Gewitter durch den Raum.

Wenn mich das Gewirr umschauert,
In der Luft der Zufall kauert,
Mahnt ein Götterbote mich:
"Daß du Mensch bist, freue dich!

Sollen all´ die Graungewalten
Zur Bedeutung sich gestalten,
Müssen sie, dir untertan,
Deiner Macht sich schmiegen an.

Du nur schaffst durch dein Beraten
Dieses Wurfspiel um zu Taten,
Hauchst in den verworrnen Drang
Sprache, Geist und Seelenklang!"

Gottfried Keller

Gewitterabend
       
Es dämmert und dämmert den See herab,
Die Wasser sind gar so dunkel;
Doch wenn ob den Bergen der Blitzstrahl zuckt,
Was ist das für ein Gefunkel?

Dann tun dem Schiffer die Augen weh,
Er sputet sich ängstlich zu Lande,
Wo gaffend der Feierabend steht
Am grell erleuchteten Strande.

Die Leute freuen und fürchten sich
Und wünschen ein gutes Ende
Und dass der Herr kein Hagelgericht
In ihren Krautgarten sende.

Jetzt zischt der Strahl in die laue Flut,
Rings spannen sich feurige Ketten;
Der blöde Haufen ergreift die Flucht,
Sie verkriechen sich in die Betten.

Wenn Gott einen guten Gedanken hat,
Dann raunt man: es wetterleuchtet!
Pass' auf, Gesindel, dass nicht einmal
Er in die Wirtschaft dir leuchtet!
Georg Trakl

Der Gewitterabend

O die roten Abendstunden!
Flimmernd schwankt am offenen Fenster
Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
Drinnen nisten Angstgespenster.

Staub tanzt im Gestank der Gossen.
Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
Einen Zug von wilden Rossen
Blitze grelle Wolken treiben.

Laut zerspringt der Weiherspiegel.
Möven schrein am Fensterrahmen.
Feuerreiter sprengt vom Hügel
Und zerschellt im Tann zu Flammen.

Kranke kreischen im Spitale.
Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
Glitzernd braust mit einem Male
Regen auf die Dächer nieder.








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