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2013-06-19

Gedichte zum Thema Herz Teil 2





Novalis

Ihr Herz und Kuß

Mir wirds so weit im Busen drin,
So offen, hehr und frei,
Nie wars so hell in meinem Sinn
Und meiner Phantasei;

Mir glüht die Wange und die Stirn,
Mir schmückt der Himmel sich,
Und süßer dünkt der Weste Girrn
In jenen Eichen mich;

Um mich tanzt Blumentrift und Flur,
Und jedes Hälmchen lacht,
Und seliger blüht die Natur
Mir in der Frühlingstracht.

Der Mond, der dort voll Freundlichkeit
Sich sonnt, so hell und klar,
Ist mir noch eins so lieber heut,
Als er mir sonst wohl war.

Ha! wie sich schnell mein Rosenblut
Durch alle Adern rafft;
Wie jede Fiber schwellt von Mut
Und niegefühlter Kraft.

Doch weißt du, Freund, woher, woher?
Der Wonne Überfluß?
Sie gab mir heut von ohngefähr
Ihr Herz und einen Kuß.
Achim von Arnim

Kalte Hände, warmes Herz
Kalte Hände, warmes Herz,
Hab' ich wohl empfunden,
Nahe Thränen, fernen Schmerz
In den Abschiedsstunden;
In der Hände letztem Druck
Froren sie zusammen;
Doch das Herz war heiß genug,
Löste sie in Flammen.

Kalt, so fühl' ich deine Hand,
Noch in meiner liegen,
Und des Herzens heißen Brand
An mein Herz sich schmiegen:
Kalte Hände, warmes Herz
Mußt du mir erhalten,
Keinem drück' die Hand zum Scherz,
Daß nicht Herzen kalten.
Clemens Brentano

So bricht das Herz

 So bricht das Herz, so muß ich ewig weinen,
So tret' ich wankend auf die neue Bahn,
Und in dem ersten Schritte schon erscheinen
Die Hoffnungen, der Lohn ein leerer Wahn.
Mit Pflichten soll ich Liebe binden,
Die Liebe von der Pflicht getrennt;
Und frohe Kränze soll ich winden,
Die keine Blume kennt.

Der erste Blick muß schon in Tränen schwimmen,
Mir gegenüber steht das stille Haus,
Der Orgelton schwillt bang um helle Stimmen,
Die blassen Kerzen löschen einsam aus.
Ihr Stimmlein kann ich nicht erlauschen,
In Gottes Hand erlosch ihr Licht,
Und aus der schlanken Pappeln Rauschen
Die stumme Freundin spricht.
Nikolaus Lenau

Mein Herz

 Schlaflose Nacht, der Regen rauscht,
Sehr wach ist mir das Herz und lauscht
Zurück bald nach vergangnen Zeiten,
Bald horcht es, wie die künftgen schreiten.

O Herz, dein Lauschen ist nicht gut;
Sei ewig, Herz, und hochgemut!
Da hinten ruft so manche Klage,
Und vorwärts zittert manche Frage.

Wohlan! was sterblich war, sei tot!
Naht Sturm! wohlan! – wie einst das Boot
Mit Christus Stürme nicht zerschellten,
So ruht in dir der Herr der Welten.
Heinrich Heine

Lieb Liebchen, leg’s Händchen auf’s Herze mein;
Ach, hörst du, wie’s pochet im Kämmerlein?
Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg,
Der zimmert mir einen Todtensarg.

     Es hämmert und klopfet bei Tag und bei Nacht;
Es hat mich schon längst um den Schlaf gebracht.
Ach! sputet Euch, Meister Zimmermann,
Damit ich balde schlafen kann.
August Graf von Platen

 Tief ins Herz mir Feuerbrände
Werfen deine schönen Hände!
Zwischen Erd und Himmel kenn ich
Keine liebern Gegenstände:
Über diese könnten Dichter
Schreiben hunderttausend Bände!
Pfänder sind sie deiner Nähe,
Denen ich das Herz verpfände.
Wenn sie keusche Rosen pflücken
Längs der grünen Gartenwände,
Möcht ich selbst zur Rose werden,
Daß ich ihren Druck empfände!
Friedrich Rückert:

Unglaublich, wie erträgt ein Herz

Unglaublich, wie erträgt ein Herz,
Was schon zu denken unerträglich!
Hinhalten Hoffnungen den Schmerz,
Ihn brechend, den sie steigern täglich.

Man hofft und hofft, bis hoffnungslos
Geworden das geliebte Leben,
Dann gibt man auf die Hoffnung blos,
Das Leben war schon aufgegeben.


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