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2013-06-16

Gedichte zum Thema Nacht- Nachtgedichte Teil 2 Von J.W.v.Goethe bis L.Tieck









Johann Wolfgang von Goethe

Die Nacht

Gern verlaß ich diese Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Tritte
Durch den ausgestorbnen Wald.
Luna bricht die Nacht der Eichen,
Zephyrs melden ihren Lauf,
Und die Birken streun mit Neigen 
Ihr den süß'ten Weihrauch auf. 


Schauer, der das Herze fühlen,
Der die Seele schmelzen macht,
Flüstert durchs Gebüsch im Kühlen.
Welche schöne, süße Nacht!
Freude! Wollust! kaum zu fassen!
Und doch wollt ich, Himmel, dir
Tausend solcher Nächte lassen,
Gäb mein Mädchen eine mir.


Adelbert von Chamisso

Nacht und Winter

Von des Nordes kaltem Wehen
Wird der Schnee dahergetrieben,
Der die dunkle Erde decket;

Dunkle Wolken zieh'n am Himmel,
Und es flimmern keine Sterne,
Nur der Schnee im Dunkel schimmert.

Herb' und kalt der Wind sich reget,
Schaurig stöhnt er in die Stille;
Tief hat sich die Nacht gesenket.

Wie sie ruh'n auf dem Gefilde,
Ruh'n mir in der tiefsten Seele
Dunkle Nacht und herber Winter.

Herb' und kalt der Wind sich reget, 
Dunkle Wolken zieh'n am Himmel,
Tief hat sich die Nacht gesenket.

Nicht der Freude Kränze zieren
Mir das Haupt im jungen Lenze,
Und erheitern meine Stirne:

Denn am Morgen meines Lebens,
Liebend und begehrend Liebe,
Wandl' ich einsam in der Fremde,

Wo das Sehnen meiner Liebe,
Wo das heiße muß, verschmähet,
Tief im Herzen sich verschließen.

Herb' und kalt der Wind sich reget.
Dunkle Wolken zieh'n am Himmel,
Und es flimmern keine Sterne.

Wie sie ruh'n auf dem Gefilde,
Ruh'n mir in der tiefsten Seele
Dunkle Nacht und herber Winter.

Leise hallen aus der Ferne
Töne, die den Tag verkünden.-
– Wird der Tag denn sich erhellen?

Freudebringend dem Gefilde
Wird er strahlen, Nacht entschweben,
Herber Winter auch entfliehen,

Und des Jahres Kreis sich wenden,
Und der junge Lenz in Liebe
Nahen der verjüngten Erde.

Mir nur, mir nur ew'ger Winter,
Ew'ge Nacht, und Schmerz und Thränen,
Kein Tag, keines Sternes Flimmer!

 Ludwig Eichrodt

Holde Nacht

Ich weiß in grünem Garten
Den allerschönsten Ort,
Die stillen Sterne warten
Auf liebende Herzen dort.

Es spielen durch die Lauben
Die Lichter des Mondenscheins,
Es flüstern durch die Trauben
Die Geister süßen Weins.

Es wispern leis und linde
Die Abendwinde, die laun,
Und durch die schlanken Gewinde
Verliebte Blumen schaun.

Vom Hügel rauschet nieder
Der dunkle Kastanienwald,
Du hörest Schlummerlieder
Voll zaubrischer Gewalt.

Die Sterne des Himmels erwarten
Zwei liebende Herzen dort,
Ich weiß in grünem Garten
Den allerschönsten Ort.


Ludwig Tieck

Geht dort ein Wandersmann,
Er seufzt und weint und schleicht so sacht,
Und ruft die Sterne an:

Mein Busen pocht, mein Herz ist schwer,
In stiller Einsamkeit,
Mir unbekannt, wohin, woher,
Durchwandl' ich Freud' und Leid;

Ihr kleinen goldnen Sterne,
Ihr bleibt mir ewig ferne,
Ferne, ferne,
Und ach! ich vertraut' euch so gerne.

Da klingt es plötzlich um ihn her,
Und heller wird die Nacht.
Schon fühlt er nicht sein Herz so schwer;
Er dünkt sich neu erwacht:

O Mensch, du bist uns fern und nah,
Doch einsam bist du nicht,
Vertrau' uns nur, dein Auge sah
Oft unser stilles Licht:

Wir kleinen goldnen Sterne
Sind dir nicht ewig ferne;
Gerne, gerne,
Gedenken ja deiner die Sterne.

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