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2013-06-16

Gedichte zum Thema Nacht- Nachtgedichte Teil 5 Von G.Heym bis P.Heyse





Georg Heym

Die Nacht

Alle Flammen starben in Nacht auf den Stufen.
Alle Kränze verwehten. Und unten im Blute verloren
Seufzte das Grauen. Wie hinter Gestorbener Toren
Manchmal es fern noch hallt von dunkelen Rufen.


Eine Fackel noch oben bog aus den Gängen,
Lief im Chor. Und versank wie das Haar der Dämonen
Rot und rauchend. Doch draußen der Waldung Kronen
Wuchsen im Sturm und zerrten sich in die Länge.

Und in Wolken hoch kamen mit wilden Gesängen
Weiß die Greise der Stürme, und riesige Vögel scheuchten
Über den Himmel hinab, wie Schiffe mit feuchten
Segeln, die schwer auf den Wogen hängen.

Aber die Blitze zerrissen mit wilden und roten
Augen die Nacht, die Öde der Säle zu hellen,
Und in den Spiegeln standen mit Köpfen, den grellen,
Drohend herauf mit schwarzen Händen die Toten.

Bleibe bei mir. Daß unsere Herzen nicht stocken
Wenn die Türen sich auftun ins Finstere leise
Und in der Stille es steht. – Und sein Atem von Eise
Unsere Adern verdorrt und die Seelen macht trocken

Daß sie dünn wie ein Hauch aus der Tiefe sich lösen,
Flattern hinaus in die Nacht und sinken und fallen
Dürr wie die Blätter, die traurig am Boden wallen
Schlürfend ins Leere dahin, im Winde dem bösen.

Wenn der Donner Gelächter im Dunkel verhallen.

Georg Heym

Der graue Himmel hängt mit Wolken tief,
Darin ein kurzer, gelber Schein so tot
Hinirrt und stirbt, am trüben Ufer hin
Lehnen die alten Häuser, schwarz und schief

Mit spitzen Hüten. Und der Regen rauscht
In öden Straßen und in Gassen krumm.
Stimmen ferne im Dunkel. – Wieder stumm.
Und nur der dichte Regen rauscht und rauscht.

Am Wasser, in dem nassen Flackerschein
Der Lampen, manchmal geht ein Wandrer noch,
Im Sturm, den Hut tief in die Stirn hinein.

Und wenig kleine Lichter sind verstreut
Im Häuserdunkel. Doch der Strom zieht ewig
Unter der Brücke fort in Dunkel weit.

Hermann Löns

Die Nacht ist still ...

 Die Nacht ist still, ich stehe am Fenster,
Am Monde vorüber die Wolken fliehn,
Mit leisem Singen oben, hoch oben,
Den Augen nicht sichtbar, die Singschwäne ziehn.

Das klingt und singt durch die nächtliche Stille
Das singt und klingt und klingt und singt
So sehnsuchtsvoll nach jenem Lande,
Dem Lande, das ihnen als Heimat winkt.

Meine Gedanken, die wandern wie Schwäne
Hell und schimmernd dahin durch die Nacht
Und singen Lieder in deine Träume,
Du schläfst, und dein roter Mund, der lacht.


Gustav Falke

In der Nacht

 Unruhig steht die Sehnsucht auf,
Ihr ist so schwül, sie atmet tief,
Und hundert Wünsche stehen auf,
Die sie am müden Tag verschlief.

Sie rührt der Mutter an den Saum,
Der Mutter Nacht, die achtets kaum,
Und denkt, es wär der Wind, der strich.
Die Wimper hebt sie wie aus tiefem Traum
Und lächelt irr und wunderlich.


Gustav Sack:

Die Nacht

 Des Mondes silberweiße Serpentine
sticht wie ein Riesenspeer
weit in den See hinaus,
um den mit finsterer Heroenmiene
der Berge weißköpfiges Heer
sich aufgetürmt – das ist ihr Haus,
in dem sie immer wieder Ruhe hält,
wenn flüchtig sie durch alle Welt
Wohn und Schlummer streute;
nun ruht sie zwischen den Bergen und über dem See,
bis über der Gipfel vereiste Höh
des Morgens bellende Strahlenmeute
wie eine feurige Kugel Gold
klingend in die Täler rollt
und die Verschlafene wolkig zerfetzt
tief in die Berge und Klüfte hetzt.

Paul Heyse

Bei Nacht

 Rausche, Brunnen, rausche du,
Singe mir das Herz in Ruh!
Könntest du die Flammen kühlen
In der Nacht, der sommerschwülen,
Mir im Nu
Aus dem Blut das Fieber spülen!

Rausche, Brunnen, rausche du!
Was ich sinne, was ich tu',
Wie die Stunden leer sich dehnen,
Zuckt und zehrt in mir das Sehnen
Immerzu –
Öl ins Feuer sind die Tränen.

Jetzt wohl aus dem kleinen Schuh
Schlüpft ihr Fuß und geht zur Ruh'.
Und nun liegt sie wach im Bette:
»Ach, daß ich ihn wiederhätte!« –
Herz, und du

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