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2013-06-16

Gedichte zum Thema Nacht- Nachtgedichte Teil 4 Von F.Hebbel bis F.v.Saar






Friedrich Hebbel

Nachtlied

Quellende, schwellende Nacht,
  Voll von Lichtern und Sternen:
  In den ewigen Fernen,
Sage, was ist da erwacht!

Herz in der Brust wird beengt,
  Steigendes, neigendes Leben,
  Riesenhaft fühle ich’s weben,
Welches das meine verdrängt.

Schlaf, da nahst du dich leis,
  Wie dem Kinde die Amme,
  Und um die dürftige Flamme
Ziehst du den schützenden Kreis.

Justinus Kerner

 Geister aus noch tiefrer Nacht
Hat das Tintenfaß gebracht,
Als den Satz ich umgerührt.
Niemals hätt' ich den berührt,
Hätt' ich eher schon erfahren,
Wie so groß sind die Gefahren,
Wenn man mit dem Tintensatze,
Vorab nachts, klecksographiert;
Dann erscheint oft eine Katze,
Schneidend eine Teufelsfratze,
Satan ist's der uns vexiert.
Oft den Kleksographen prellen
Schwarze Geister durchs Verstellen,
Wechseln oftmals die Gestalten,
Sie für andere zu halten;

Emanuel Geibel:

 In blauer Nacht bei Vollmondschein
Was rauscht und singt so süße?
Drei Nixen sitzen am Möwenstein
Und baden die weißen Füße.

Es hat der blonde Fischerknab'
Gehört das Singen und Rauschen,
Ihm brennt das Herz, er schleicht hinab,
Die Feien zu belauschen.

Da sausen empor im Mondenlicht
Drei weiße wilde Schwäne –
Das Wasser spritzt ihm ins Gesicht,
Verklungen sind die Töne.

Johann Gabriel Seidl

Nachtstille.
             
Tausend Augen blitzen nieder,
Tausend Augen schließen sich;
Schweigen herrscht, und dennoch wieder
Klingt es leis' und wunderlich.
Ruhe nennet sich das Siegel
An dem Schlummerbrief der Nacht –
Und es raubet ihre Flügel,
Wer sie laut und lärmend macht.
Nur die Liebe schleicht im Düstern,
Nur die Sehnsucht atmet schwer,
Und der Herzen stillem Flüstern
Gibt der Himmel gern Gehör.

Gottfried Keller

 Nun bin ich untreu worden
Der Sonne und ihrem Schein;
Die Nacht, die Nacht soll die Dame
Nun meines Herzens sein!

Sie hat eine düstere Schönheit,
Ein bleiches Nornengesicht,
Und eine Sternenkrone
Ihr dunkles Haupt umflicht.

Heut ist sie so beklommen,
Unruhig, voller Pein;
Sie denkt wohl an ihre Jugend –
Das muß ein Gedächtnis sein!

Es streicht durch alle Täler
Ein Stöhnen, klagend und bang;
Wie Tränenbäche rieseln
Die Quellen vom Bergeshang.

Die schwarzen Fichten sausen
Und wiegen sich her und hin,
Und über die feuchte Heide
Verlorene Lichter fliehn.

Den Sternen bringt ein Ständchen
Das dumpf erbrausende Meer,
Und über mir zieht ein Gewitter
Mit klingendem Spiele daher.

Es will vielleicht betäuben
Die Nacht den ewigen Schmerz?
Vielleicht an alte Sünden
Denkt sie mit reuigem Herz?

Ich möchte gern mit ihr plaudern,
Wie man mit dem Liebchen spricht –
Umsonst, in ihrem Grame
Sie sieht und höret mich nicht.

Ich möchte sie gerne fragen
Und werde doch immer gestört:
Ob sie vor meiner Geburt schon
Wo meinen Namen gehört?

Sie ist eine alte Sibylle
Und kennt sich selber kaum;
Sie, ich und der Tod und wir alle
Sind Träume von einem Traum!

Ich will mich schlafen legen,
Ein Morgenwind schon zieht;
Ihr weißen Rosen im Kirchhof,
Singt mir ein Wiegenlied!

Hermann Conradi

In schlafloser Nacht

 Ich liege schlaflos. – Die Gedanken kreisen
In alten und in neuen Geleisen.

Die Enge drückt mich – es drückt mich die Nacht –
Wehe dem Armen, der einsam wacht!

Wehe dem Armen, der einsam büßt,
Dem nichts den Wermut der Reue versüßt!

Ich liege schlaflos ... und alles still ...
Es atmet die Nacht, die vergeben nicht will ...

Da klappert ein Schritt die Straße heran ...
Ein leiser Gang ... Und er schwillt an ...

Und in mein einsam Kämmerlein
Flutet ein Lied der Sehnsucht hinein ...

Ein Lied so ergreifend, so mild und so schwer ...
An Entsagung so voll ... an Entzücken so leer ...

Da faßt es mich jäh – ich walle empor ...
Tönt in mir ein brausender Engelchor?

Ich hebe mich auf – ich atme bang –
Und mich bezwingt unheimlicher Drang ...

Oh! Könnt' ich dich an die Brust wild reißen –
Dich, die ich habe gehen heißen!

Ich hielte dich sicher – und du vergibst –
Und du sagst mir noch einmal, daß du mich liebst!

Die Schritte verhallen ... Es schweigt der Gesang ...
Es bröckelt meiner Seele dämonischer Drang ...

Nun wieder Stille ... Es atmet die Nacht.
Wehe dem Armen, der einsam wacht!

Der einsam nach Verlorenem spürt ...
Es atmet die Nacht – schicksalknüpfend und ungerührt.

Otto Julius Bierbaum

Oft in der stillen Nacht

Oft in der stillen Nacht,
wenn zag der Atem geht
und sichelblank der Mond
am schwarzen Himmel steht,

wenn alles ruhig ist
und kein Begehren schreit,
führt meine Seele mich
in Kindeslande weit.

Dann seh’ ich, wie ich schritt
unfest mit Füßen klein,
und seh’ mein Kindesaug’
und seh’ die Hände mein

und höre meinen Mund,
wie lauter klar er sprach
und senke meinen Kopf
und denk’ mein Leben nach:

Bist du, bist du allweg
gegangen also rein,
wie du gegangen bist
auf Kindes Füßen klein?

Hast du, hast du allweg
gesprochen also klar,
wie einsten deines Munds
lautleise Stimme war?

Sahst du, sahst du allweg
so klar ins Angesicht
der Sonne, wie dereinst
der Kindesaugen Licht?

Ich blicke, Sichel, auf
zu deiner weißen Pracht;
tief, tief bin ich betrübt
oft in der stillen Nacht.

Otto Julius Bierbaum

An die Nacht

 Düfteschwüle, feuchteschwere,
Rauschende, raunende, sterneleere,
Schwarze, samtene Sommernacht!
Mein Herz lauscht an deines bange,
Nimm von mir, was mich so lange
Müde hat gemacht.

Sieh, ich flüchte mich in deine
Arme, siehe Nacht, ich weine,
Und ich kenne mich nicht mehr.
Stille Mutter, heilige, große,
Sieh mein Haupt in deinem Schooße,
Banger Wehen schwer.

Nimm mich ein in deine Güte,
Hürde mich ein dein Gehüte,
Das der Müden Hafen ist:
Küsse mild mich ins Vergehen,
Die du aller Lebenswehen
Linde Löserin bist.

Ferdinand von Saar

Nacht

 Des Parkes weite Räume
Umflort die stille Nacht;
Es steh'n die alten Bäume
In düst'rer Wipfelpracht.

Die Pfade wie versunken,
Am Himmel nicht ein Stern;
Verstummt ist schlummertrunken
Das Leben nah und fern.

So müd', so nachtumfangen,
So lautlos bist auch du,
Als wärst du eingegangen
Schon längst zur ew'gen Ruh'.

Nur wie im Dunkel blühen
Die Rosen dort am Strauch,
Will leis' dich noch durchglühen
Ein letzter Liebeshauch.


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