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2013-06-20

Gedichte zum Thema Post, Postbote Teil 2 (Spitteler, Lenau)








Carl Spitteler

Das Postmaidlein

Stapft ein Maidlein auf die Lützelalp,
Flink und frei und sauber allenthalb.
Bar der Scheitel, Füß und Waden nackt
Und die Ärmchen mit der Post bepackt.
Senngehöfte lehnten ihrer drei
An der Halde in derselben Reih.
Furchtsam hielt sie an der ersten Tür,
Kramt ein Brieflein ordentlich herfür.
Schritt zum zweiten Gaden alsodann,
Bracht ein sattes Päckchen an den Mann.
Endlich drüben bei dem dritten Haus
Langte sie ein Telegramm heraus.
Hüpfte dann und jauchzt ein dutzendmal,
Lief mit lustgen Sprüngen heim zu Tal.
Gab den Beutel ab im Postkontor,
Schloff zu Bett und legte sich aufs Ohr.

Aber oben in der Alpennacht
Ward bei Licht die ganze Nacht gewacht.
Aus dem hintersten der Weiler drei
Klagte Jammerruf und Wehgeschrei.
In dem mittleren war Mordio im Schwang.
Aus dem ersten becherte Gesang.

Maidlein mit dem Kinderangesicht,
Sag, was hast dort oben angericht't?
Säh mans auch den nichtigen Händlein an,
Daß dir Fluch und Segen klebt daran?
Das Posthorn

Nikolaus Lenau
       
Still ist schon das ganze Dorf,
Alles schlafen gangen,
Auch die Vöglein im Gezweig,
Die so lieblich sangen.

Dort in seiner Einsamkeit
Kommt der Mond nun wieder,
Und er lächelt still und bleich
Seinen Gruß hernieder;

Nur der Bach, der nimmer ruht,
Hat ihn gleich vernommen,
Lächelt ihm den Gruß zurück,
Flüstert ihm: willkommen!

Mich auch findest du noch wach,
Lieber Mond, wie diesen,
Denn auf immer hat die Ruh
Mich auch fortgewiesen.

Mich umschlingt kein holder Traum
Mit den Zauberfäden,
Hab mit meinem Schmerze noch
Manches Wort zu reden. –

Ferne, leise hör ich dort
Eines Posthorns Klänge,
Plötzlich wird mir um das Herz
Nun noch eins so enge.

Töne, Wandermelodei,
Durch die öden Straßen;
Wie so leicht einander doch
Menschen sich verlassen!

Lustig rollt der Wagen fort
Über Stein' und Brücken;
Stand nicht wer an seinem Schlag
Mit verweinten Blicken?

Mag er stehn! die Träne kann
Nicht die Rosse halten;
Mag der rauhe Geißelschwung
Ihm die Seele spalten!

Schon verhallt des Hornes Klang
Ferne meinem Lauschen,
Und ich höre wieder nur
Hier das Bächlein rauschen.

Ich gedenke bang und schwer
Aller meiner Lieben,
Die in ferner Heimat mir
Sind zurückgeblieben;

Diese schöne Sommernacht
Muß vorübergehen
Und mein Leben ohne sie
Einsamkeit verwehen.

Mahnend ruft die Mitternacht
Mir herab vom Turme.
Ferne! denket mein! die Zeit
Eilt dahin im Sturme!

Unsre Gräber, denket mein!
Sind schon ungeduldig! –
Daß wir nicht beisammen sind,
Bin ich selber schuldig.




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