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2013-06-21

Gedichte zum Thema Trost Teil 5








Hermann Löns

Trost

 Entfalte deine trübe Stirne,
Leg die Pistole aus der Hand
Und gräm' dich nicht um deine Dirne,
Die nie dein großes Herz verstand:
Ein buntgeschmücktes Modepüppchen
Mit kleinen Füßen, hohem Zopf,
Mit Wolffschem Unsinn auf den Lippchen
Und Marlitts Blödsinn in dem Kopf.

Naive Puppen – alles finden
Sie reizend, lieblich, niedlich, nett,
Sie haben keine großen Sünden
Und freun sich auf das Ehebett
Wie Kinder auf Geburtstagssachen
Und was das Christkindchen beschert,
Sie passen – du brauchst nicht zu lachen –
Für Türken, doch sind dein nicht wert.

Das Weib, das deinen Weg will gehen,
Muß Seele haben, Herz und Geist,
Muß den Gedankenflug verstehen,
Der stürmend dein Gehirn durchkreist,
Muß dich durch Blick und Kuß berauschen
Zu kühnerem Gedankengang,
Und mußt du Schwerterschläge tauschen,
Dein Schwert dir halten rein und blank.

Dein Weib muß nicht bloß Freudendirne,
Nein, auch ein treuer Freund dir sein,
Mit unerschrockner, starker Stirne
Muß sie sich deinem Lose weihn, –
Vergiß dein Bräutchen, such dir eine,
Die würdig ist für einen Mann,
Komm, klingen wir mit goldnem Weine
Aufs Wohlsein der Zukünft'gen an.
Karl May

Trost

 Siehst du ein Menschenkind in Tränen,
Verhaltnes Schluchzen in der Brust,
So wolle ja nicht, ja nicht wähnen,
Daß du mit Worten trösten mußt.

Vermeide es, ihn zu beraten;
Geh weiter, aber sende dann
Die Liebe, die in stillen Taten
Ihm heimlich, heimlich helfen kann.

Berührt ein kalter Schall die Wunde,
So schmerzt er nur und heilt sie nicht;
Der Trost wohnt nicht im leeren Munde,
Er ist des Herzens tiefste Pflicht.

Vor einem Wort am rechten Orte
Kehrt wohl der Harm beruhigt um,
Doch wahrer Schmerz hat keine Worte,
Und auch der wahre Trost ist stumm.
Otto Julius Bierbaum

 O du mein Stern und süßer Trost,
Du Schein von ferne, tiefer Klang
Aus Weiten, wo das Glück mir wohnt,
O Mädchen, das ich nie gesehn!

O du mein Traum und mein Begehr,
Du meine holde Zuversicht,
Noch Name nicht und doch schon Glück,
O Mädchen, das ich nie gesehn!

O du mein Leben und mein Herz,
Du meine Sonne in der Nacht
Der allertiefsten Einsamkeit, 
O Mädchen, das ich nie gesehn!
Max Vogler

Trost

Friedevoll und feierlich
Liegt der Wald im Schweigen,
Leise nur die Wipfel sich
Zueinander neigen.

Heil’ger, süßer Ahnung gleich
Dämmert’s in den Bäumen,
Und es flötet sanft und weich
Wie von goldnen Träumen.

Plötzlich aber schwankt ein Strauch,
Und die Wipfel beben,
Und die süßen Stimmen auch
Nach und nach verschweben ... .

Sturmwind brauste wild; – doch bald
Ist er schon beschworen,
Und es ruht der ganze Wald
Wieder traumverloren.

So, mein Herz, so wiß auch du:
Ob der Sturm dich schüttelt
Und aus deiner süßen Ruh’
Wild empor dich rüttelt –

Alle seine grause Macht
Wird ihm bald benommen,
Und das Glück muß über Nacht
Ganz dir wiederkommen!
Gustav Falke

Trost

 Still, still –
's ist nur ein Traum.
's geht alles vorbei,
Was es auch sei.

So – so – –
Spürest es kaum.
's ist nur ein Hauch,
Wie du auch.
Joachim Ringelnatz

Trost an eine Mutter

Starb dein Kind. Nun weine!
Und dann wirst du glücklich sein.
Denn das zarte, kleine
Leben schwand noch quellenrein.

Lausche, was mit frommen
Worten die Erinnerung spricht.
Schlimmes konnte kommen.
Nach dem Tode kommt es nicht.

Paßt ein Kinderröckchen
Niemals der erwachsenen Frau.
Abgeschnittene Kinderlöckchen
Werden nimmer grau.
Frank Wedekind

Trost

Der Tod kommt bald und sicher,
Hält stets sich in der Näh.
Er ist ein fürchterlicher
Tröster im Erdenweh.

Ich hasse ihn nicht aus Liebe,
Ich liebe ihn heiß aus Haß.
Wenn man unsterblich bliebe,
Wie grauenvoll wäre das!

Des Fressens und Weitergebens
Urewige Wiederkehr
Als höchsten Ertrag des Lebens
Ertrag ich nicht länger mehr.
Richard Dehmel

Trost

 Es ist nicht gütig, in ein Auge schauen,
in dessen Schoß ein schweigend Weh sich windet:
das Rätsel lockt, die Scham des Mitleids schwindet,
denn eine tiefe Wollust schläft im Grauen.

Ihr Eitlen! wollt ihr den mit Trost erbauen,
der selbst kein Wort für seine Schwermut findet?
Die Kränze, die der Schmerz um Särge bindet:
die echte Träne wird sie stumm betauen!

Und meint ihr denn, wer Einsam sich befragte
mit seinem Leid, er hätt' es nicht bezwungen?
Wer mühsam sich in dunkler Tiefe plagte,
der weiß auch, wann zum Gipfel er gedrungen;

doch wer an seinem Leben nie verzagte,
hat um des Lebens Deutung nie gerungen!







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