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2013-06-07

Glücksgedichte deutscher Autoren Teil 3





Karl Gerok

Das höchste Glück,
oh Menschenkind,
oh, glaube doch mitnichten,
dass es erfüllte Wünsche sind;
es sind erfüllte Pflichten.


Hermann von Lingg

Das Glück

Das Glück, die stolze Dirne,
Die über Gräber tanzt,
Hat ihr Panier im Hirne
Der Thoren aufgepflanzt.

"Das Glück folgt," schrei'n sie höhnend,
"Nur breiter Wege Spur,
Es lacht, Erfolge krönend,
Im Arm des Starken nur.

Es wendet seine Gaben
An schwache Demut nicht,
Es jauchzt, wenn untergraben
Des Nächsten Wohl zerbricht;

Du rühmst dein Selbsterrungen
Und schaust mit Tränen nach,
Wenn fort dein Glück gesprungen
Mit Andern, dir zur Schmach!" -

So schrei'n sie wild und träge,
Doch weiser spricht ein Mund,
Das Schicksal schafft durch Schläge
Fürs Leben einen Grund.

Den Grund, um fest zu bauen,
Und aus dem Weltgeschick
Aufs eig'ne Loos zu schauen,
Mit unerschrock'nem Blick.


Theodor Fontane

Glück

Sonntagsruhe, Dorfesstille,
Kind und Knecht und Magd sind aus,
Unterm Herde nur die Grille
Musizieret durch das Haus.

Tür und Fenster blieben offen,
Denn es schweigen Luft und Wind,
In uns schweigen Wunsch und Hoffen,
Weil wir ganz im Glücke sind.

Felder rings - ein Gottessegen
Hügel auf- und niederwärts,
Und auf stillen Gnadenwegen
Stieg auch uns er in das Herz.


Clara Müller-Jahnke

 Sein Lächeln scheint, so klar und weich,
wie Götter es Erwählten spenden.
Es trägt im Haar den Efeuzweig,
Christrosen in den blassen Händen.

Taub war es meiner Stürme Weh
und meiner Jugend heißen Bitten ,
nun kommt im Mondlicht durch den Schnee
es lautlos auf mich zugeschritten.


Christian Morgenstern

Glück

 Nun bebt in banger Fülle meine Welt,
der Jahre Gärten wollen Früchte tragen.
Und wie auf weichen Wiesenteppich oft
ein goldner Apfel, zart empfangen, rollt,
so rührt den Plan der täglichen Gefühle
ein heimlich reif und süß geworden Lied.

Ernst Stadler

Glück

Nun sind vor meines Glückes Stimme
alle Sehnsuchtsvögel weg geflogen.
Ich schaue still den Wolken zu,
die über meinem Fenster in die Bläue jagen -
Sie locken nicht mehr,
mich zu fernen Küsten fortzutragen,
Wie einst, da Sterne, Wind und Sonne
wehrlos mich ins Weite zogen.
In deine Liebe bin ich
wie in einen Mantel eingeschlagen.
Ich fühle deines Herzens Schlag,
der über meinem Herzen zuckt.
Ich steige selig
in die Kammer meines Glückes nieder,
Ganz tief in mir, so wie ein Vogel,
der ins flaumige Gefieder
Zu sommerdunklem Traum
das Köpfchen niederduckt.

Karl Henckell

Glück

Doch was ist Glück? Es ist nicht dein Behagen,
Es ist der Quell, den du aus Stein geschlagen,
Der Blitz, der feurig in die Dürre fährt,
Das Licht, das liebend deinen Kampf verklärt.

O feige Qual, wenn, meines Werts vergessen,
Ich nicht mehr wäge, was mir zugemessen,
Wenn ich, verlangend nach gemeinem Lohn,
Mit Marktgut tausche meinen Königsthron!

Vom Seelengrunde fühl ich's grollend steigen,
Es läßt nicht Ruh mir, wenn die Stunden schweigen,
Nachts aus dem Schlummer schreckt es mich empor:
»Du bist ein Bettler, der ein Reich verlor!«

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