> Gedichte und Zitate für alle: Satire und Humor in Gedichten von Schlegel, Heine, Chamisso, Teil 5

2013-06-24

Satire und Humor in Gedichten von Schlegel, Heine, Chamisso, Teil 5





Johann Elias Schlegel

Die kurze Schöne

Keine Schöne kann ich loben,
deren Länge, hoch von oben,
ihre stolzen Blicke zeigt.
Bäume, welche Früchte tragen,
pflegen nicht so hoch zu ragen,
als die leere Fichte steigt.

Du ergötzest mich, Asträe,
wenn ich dir zur Seite stehe:
Du bist klein und so wie ich.
Dein Geliebter wird dich küssen
und zuvor nicht sagen müssen:
"Meine Schöne, bücke dich!"

Adelbert von Chamisso

Familienfest.

Der Vater ging auf die Jagd in den Wald;
Ein gutes Wild ersah er sich bald.

Er legte wohl an, er drückte los,
Der Sperling fiel auf das weiche Moos.

Die Brüder luden zu Schlitten den Fang,
Und schleiften ihn heim, und jubelten lang.

Die Töchter schnell das Feuer geschürt,
Sie rupften und sengten ihn, wie sich's gebührt.

Die Mutter briet und schmort' ihn gleich,
Der Braten war köstlich und schmackhaft und weich.

Geschäftig trugen die Schwestern ihn auf;
Es kamen der fröhlichen Gäste zu Hauf.

Sie setzten zu Tisch sich und saßen fest,
Und thaten sich gütlich beim weidlichen Fest.

Sie schmausten den Sperling in guter Ruh,
Und tranken drei Fässer des Bieres dazu.
Heinrich Heine

Himmel grau und wochentäglich!
Auch die Stadt ist noch dieselbe!
Und noch immer blöd und kläglich
Spiegelt sie sich in der Elbe.

Lange Nasen, noch langweilig
Werden sie wie sonst geschneuzet,
Und das duckt sich noch scheinheilig,
Oder bläht sich, stolz gespreizet.

Schöner Süden! wie verehr ich
Deinen Himmel, deine Götter,
Seit ich diesen Menschenkehricht
Wiederseh, und dieses Wetter!
Heinrich Heine

Gaben mir Rat und gute Lehren,
Überschütteten mich mit Ehren,
Sagten, daß ich nur warten sollt,
Haben mich protegieren gewollt.

Aber bei all ihrem Protegieren,
Hätte ich können vor Hunger krepieren,
Wär nicht gekommen ein braver Mann,
Wacker nahm er sich meiner an.

Braver Mann! Er schafft mir zu essen!
Will es ihm nie und nimmer vergessen!
Schade, daß ich ihn nicht küssen kann!
Denn ich bin selbst dieser brave Mann.
Heinrich Heine

Stoßseufzer

Unbequemer neuer Glauben!
Wenn sie uns den Herrgott rauben,
Hat das Fluchen auch ein End -
Himmel-Herrgott-Sakrament!
Wir entbehren leicht das Beten,
Doch das Fluchen ist von nöten,
Wenn man gegen Feinde rennt -
Himmel-Herrgott-Sakrament!

Nicht zum Lieben, nein zum Hassen,
Sollt ihr uns den Herrgott lassen,
Weil man sonst nicht fluchen könnt -
Himmel-Herrgott-Sakrament!

Joseph Freiherr von Eichendorff

Der Isegrimm

Aktenstöße nachts verschlingen,
schwatzen nach der Welt Gebrauch,
und das große Tretrad schwingen
wie ein Ochs, das kann ich auch.

Aber glauben, daß der Plunder
eben nicht der Plunder wär,
sondern ein hochwichtig Wunder,
das gelang mir nimmermehr.

Aber andre überwitzen,
daß ich mit dem Federkiel
könnt den morschen Weltbau stützen,
schien mir immer Narrenspiel.

Und so, weil ich in dem Drehen
dasteh oft wie ein Pasquill,
Läßt die Welt mich eben stehen –
mag sies halten, wie sie will!


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