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2013-06-23

Satire von Klabund, Ringelnatz und Mühsam- kurze Gedichte Teil 4

Satire auf die Loreley



Klabund


Unglücksfall

Es stehen vor dem Hebekran
Ein kleines Kind, ein Hund, ein Mann.
Die Eisenkette rollt und rinnt,
Es staunen Mann und Hund und Kind.
Da saust sie nieder auf den grund,
Zerschmettert Mann und Kind und Hund.
Gemäßigt naht die Polizei,
Ein Chemiker ist auch dabei,
Bis er den Totbestand befund:
Ein kleine Kind, ein Mann, ein Hund.
Frank Wedekind

Albumblatt

Sei er noch so dick
Einmal reißt der Strick.
Freilich soll das noch nicht heißen,
Daß gleich alle Stricke reißen.
Nein, im Gegenteil,
Mancher Strick bleibt heil.
Joachim Ringelnatz

Genau besehn

Wenn man das zierlichste Näschen
Von seiner liebsten Braut
Durch ein Vergrößerungsgläschen
Näher beschaut,
Dann zeigen sich haarige Berge,
Daß einem graut.
Joachim Ringelnatz

"Sie faule, verbummelte Schlampe!"
sagte der Spiegel zur Lampe.
"Sie altes, schmieriges Scherbenstück!"
gab die Lampe dem Spiegel zurück.
Der Spiegel in seiner Erbitterung
bekam einen ganz gewaltigen Sprung.
Der zornigen Lampe verging die Puste:
Sie fauchte, rauchte, schwelte und ruste.
Das Stubenmädchen ließ beide in Ruhe
und doch - man schob ihr die Schuld in die Schuhe.

Joachim Ringelnatz

Zur Physiognomik

Der weise Schopenhauer spricht –
Und gern betret' ich seine Spur:
»Ein jedes Menschen Angesicht
Ist ein Gedanke der Natur.«

Es folgt daraus das Eine nur,
Wenn man dem Worte Glauben schenkt:
Daß auch die ewige Natur
Mehr Dummes als Gescheites denkt.
Erich Mühsam

Paar urnische Männlein,
paar lesbische Weiber,
paar Reimer, paar Zoten,
paar Schnüffler, paar Schreiber,
Kaffee, Zigaretten, Gefasel, Gegrein -
in summa: ein Literaturverein.

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