> Gedichte und Zitate für alle: Sei ein braver Biedermann- Humor in Gedichten von Kopisch und Busch Teil 6

2013-06-24

Sei ein braver Biedermann- Humor in Gedichten von Kopisch und Busch Teil 6





August Kopisch

Die schlimmste Fliege

Sommerfliegen - böse Plagen,
Böse Plagen, bei der Arbeit!
Jag' ich sie - sie kommen wieder;
Schlag' ich sie - es kommen andre.
Kleine, große, grobe, feine
Schwärmen, singen, surren, summen,
Quälen, stören, necken, stechen
Immerfort und immerfort!

Doch der Fliegen allerschlimmste
Bei der Arbeit, bleibt die Liebe! -
Jagen sie? - Womit sie jagen?
Schlagen sie? - Womit sie schlagen?
Ach sie gaukelt, neckt und quälet
Unablässig, pispert, flistert,
Schauert, grault in Ohr und Seele,
Bis die Sinne mir vergehn!
Wilhelm Busch

Sei ein braver Biedermann,
Fange tüchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
Gerne mit emporgehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul?
Willst nicht, daß dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
Und verlege dich aufs Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenuß,
Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein sel‘ger Kritikus
Hocherhaben über allen.
Wilhelm Busch

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab' ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff' ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.
Wilhelm Busch

Der Schreihals

 »Da, Lina, zieh ihm 's Nachtzeug an,
Daß ich die Flasche wärmen kann.«

Die Mutter geht, und eh' sie scheidet,
Wird Willi schon des Hemds entkleidet.

Die Wäscherei gefällt ihm nicht,
Vor allen Dingen im Gesicht.

Doch schreit er nicht und hält ganz still
Und läßt sich pudern, wo man will.

Kaum aber schnüret man ihn ein,
So fängt er auch schon an zu schrein.

Habäh! – So tönt sein Wehgeschrei
Und lockt den Vater selbst herbei.

»Hier, halt ihn eben mal, Papa!
Ich geh' und rufe die Mama!«

Der Vater trommelt an den Scheiben,
Um Willis Trauer zu vertreiben.

Er läßt ihn in den Spiegel schaun. –
Der Willi schreit, bis daß er braun.

»Horch, Willi, horch, die Ticktackuhr!«
Der Willi schreit noch ärger nur.

 »Susu, mein Herz! Schlaf ein, schlaf ein!« –
Er fängt noch lauter an zu schrein.

Mit List zeigt er die Zipfelhauben –
Umsonst!–der Willi will's nicht glauben.

Jetzt macht er einen Butzemann. –
O weh! – Nun geht's noch schlimmer an.

Die Mutter öffnet grad die Tür:
»Mein Herz! Was machen sie mit dir?!!«

Die Mutter macht ein ernst Gesicht:
»Ja, was ist das? – Auch dieses nicht?!« –

Grad kommt die Tante auf Visite
Und ruft erschreckt: »Du meine Güte!!« –

Voll Weisheit öffnet sie den Bund. –
Da haben wir's! – Das war der Grund! –

Und Willi, der von Schmerz befreit,
Lacht laut vor lauter Heiterkeit.
Wilhelm Busch: Zu guter Letzt

Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
»Was, lebt er noch? Ei Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.«
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:

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