> Gedichte und Zitate für alle: Tröstliche Worte in Gedichten von Körner, Goethe, Tieck, Arndt und Eichendorff Teil 2

2013-06-23

Tröstliche Worte in Gedichten von Körner, Goethe, Tieck, Arndt und Eichendorff Teil 2





 Theodor Körner

Herz, laß dich nicht zerspalten
Durch Feindes List und Spott!
Gott wird es wohl verwalten;
Er ist der Freiheit Gott.

Laß nur den Wütrich drohen!
Dort reicht er nicht hinauf.
Einst bricht in heil’gen Lohen
Doch deine Freiheit auf.

Glimmend durch lange Schmerzen,
Hat sie der Tod verklärt,
Aus Millionen Herzen
Mit edlem Blut genährt,

Wird seinen Thron zermalmen,
Schmelzt deine Fesseln los
Und pflanzt die glühn’den Palmen
Auf deutscher Helden Moos.

Drum laß dich nicht zerspalten
Durch Feindes List und Spott!
Gott wird es wohl verwalten;
Er ist der Freiheit Gott.

Johann Wolfgang von Goethe

Schlechter Trost

 Mitternachts weint und schluchzt ich,
Weil ich dein entbehrte.
Da kamen Nachtgespenster,
Und ich schämte mich.

»Nachtgespenster«, sagt ich,
»Schluchzend und weinend
Findet ihr mich, dem ihr sonst
Schlafendem vorüberzogt.
Große Güter vermiß ich.
Denkt nicht schlimmer von mir,
Den ihr sonst weise nanntet,
Großes Übel betrifft ihn!« –
Und die Nachtgespenster
Mit langen Gesichtern
Zogen vorbei,
Ob ich weise oder törig,
Völlig unbekümmert.
Ludwig Tieck:

Trost

 Schwer hängen an der Welt-Uhr die Gewichte
Und treiben sie doch langsam nur zum Gange,
So manche Tugend geht bei uns im Schwange,
Doch stehn wir, Freund, uns selber oft im Lichte.

Die Menschheit schreitet fort und manchem Wichte
Wird bei den vielen Widersprüchen bange,
Fast jeder fragt, wohin er denn gelange,
Und zweifelt immerdar an dem Berichte.

Doch lache nur ob diesen ernsten Possen,
Laß nur den Wagen unbekümmert fahren,
Und glaub', er werde wo die Fracht abladen.

Noch werden wir auf stein'gem Weg zerstoßen,
Dort seh' ich schon den Sand vor mir, den klaren,
Und sieh, der Korb mit Wein nahm keinen Schaden.
Ernst Moritz Arndt

Trost

Was stürmst du, Herz, und bist so wild?
Ist nicht der alte Gott dein Schild?
Der alte Gott im Himmel hoch,
Der lebet und regieret noch.

Der alte Gott, der Allmachtsheld,
Der Erd' und Himmel hingestellt,
Der stillt des Sturmes wilde Wut
Und ruft dem Meer: Hier stehe, Flut!

Zog er dir nicht die Rüstung an,
Die kühn mit Geistern ringen kann?
Haucht' er dir nicht die Sehnsucht ein,
Des hohen Stolzes edle Pein?

Leid frißt das Herz und frißt den Mut:
Denk', diese Welt und du seist gut;
Leid löscht die Kraft und den Verstand,
Die Freud' ist Gottes Feuerbrand.

Leid ist der blanken Waffen Rost,
Die Freude hoher Seelen Kost;
Leid schleicht im Finstern wie ein Dieb,
Der Freude ist die Sonne lieb.

Drum hell den Blick und frisch die Hand!
Und schwinge Gottes Feuerbrand!
Berausche dich in edlem Wein!
Und bade dich im Sonnenschein!

Und wenn auch Sturm die Woge treibt,
Der Pfad von blut'gem Staube stäubt,
Hinein! Und kommst du nicht heraus,
Wiss', hier und dort ist Gottes Haus.
Freiherr von Eichendorff

Trost

Es haben viel Dichter gesungen
Im schönen deutschen Land,
Nun sind ihre Lieder verklungen,
Die Sänger ruhen im Sand.

Aber solange noch kreisen
Die Stern um die Erde rund,
Tun Herzen in neuen Weisen
Die alte Schönheit kund.

Im Walde da liegt verfallen
Der alten Helden Haus,
Doch aus den Toren und Hallen
Bricht jährlich der Frühling aus.

Und wo immer müde Fechter
Sinken im mutigen Strauß,
Es kommen frische Geschlechter
Und fechten es ehrlich aus.

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