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2013-06-05

Wiegenlieder deutscher Dichter Teil 1


Mutter und Kind-Wiegenlied



Elise Sommer


Wiegenlied

Schliess' die blauen Augen zu,
Schlummre sanft in süsser Ruh,
Holdes Kind der Liebe!
Dich umschliesst mein treuer Arm,
Unaussprechlich süss und warm
Ist die Mutterliebe.

Schliess' die Aeuglein zu geschwind!
Hörst du, liebes süsses Kind?
Schlummr' in frohen Träumen,
Wie die Unschuld, sanft und süss,
Einst im goldnen Paradies
Unter Lebensbäumen!

Dann erwach' zu neuer Lust,
Freudig reich' ich dir die Brust:
Trink in langen Zügen!
Deine Mutter stillet dich,
Keinen Miethling liess sie sich
Rauben dies Vergnügen.

Welch Entzücken, welches Glück,
Wenn dein froher satter Blick
Dankbar mich belohnet.
Wenn Bewustseyn: »meine Pflicht,
Theures Kind! versäumt' ich nicht,«
Mir im Busen wohnet!

Rosen glühen, Blüthen weh'n
Allenthalben wunderschön
Ueber Thal und Höhen!
Fürchte nichts, ich bleibe hier,
Bleibe, bis du kannst mit mir
Durch die Fluren gehen!

O der Wonne, die alsdann
Unsrer harret, kleiner Mann!
Wenn im Frühlings-Fächeln
Deine seidne Löckchen wehn,
Deine Blicke, zart und schön,
Mir im Grünen lächeln!

Und wenn deines Vaters Arm
Uns dann liebevoll und warm
An den Busen schliesset! –
Seiner Züge holder Blick
Stralt aus deinem mir zurück,
Sehnsuchts-Thränen! fliesset!

Hier an meiner treuen Brust
Weih' ich dich zu Schmerz und Lust
Für dies Erdenleben!
Werde deiner Väter werth:
Was den Mann von Tugend ehrt,
Sey einst dein Bestreben!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Wiegenlied.

Schlaf' und träume, liebes Kind,
Träume, daß die heil'gen Engel,
Kinder Gottes ohne Mängel,
Deine Spielgesellen sind.

Schlaf' und träume, liebes Kind,
Daß die Kinder hier auf Erden
Sterblich sind und Engel werden,
Wenn sie fromm gewesen sind!
Karoline Stahl

Wiegenlied für eine Puppe.

 Schlummre du, Püppchen mein!
Schließe die Aeugelein!
Zwar sind sie immer dir offen.
Schlummre! und laß uns hoffen,
Daß dich Träume erfreuen.

Träume vom weissen Schaf,
Kindern bringt es den Schlaf.
Träume vom grauen Mäuschen,
Es bringt aus seinem Häuschen
Guten Kindern den Schlaf.

Langsam zieht es ihn her,
Denn er ist wohl sehr schwer.
Kätzlein darf es nicht sehen,
Wie möchts sonst dem Mäuschen gehen?
Verstohlen kömmt es daher.

Schlummre mein Püppchen bald!
Die Vögelchen fliegen im Wald.
Fliegen und flattern auf und nieder,
Bringen den süssen Schlaf uns wieder.
Schlummre mein Püppchen bald!

Friedrich Wilhelm Gotter

Schlafe, mein Prinzchen, es ruhn
Schäfchen und Vögelchen nun
Garten und Wiese verstummt
auch nicht ein Bienchen mehr summt
Luna mit silbernem Schein
gucket zum Fenster herein.
Schlafe beim silbernem Schein
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein

Alles im Schlosse schon liegt
alles in Schlummer gewiegt
reget kein Mäuschen sich mehr
Keller und Küche sind leer
nur in der Zofe Gemach
tönet ein schmachtendes Ach
Was für ein Ach mag dies sein?
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein

Wer ist beglückter als Du?
Nichts als Vergnügen und Ruh
Spielwerk und Zucker vollauf
und noch Karossen im Lauf
Alles besorgt und bereit,
daß nur mein Prinzchen nicht schreit
Was wird das künftig noch sein?
Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein.
Schlaf ein, schlaf ein.


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